Münchner Volkstheater ausverkauft

Im Interview mit Ude: Schmidt lobt Strauß 

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Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD, l.) und der designierte Spitzenkandidat der SPD bei der bayerischen Landtagswahl 2013, Muenchens Oberbuergermeister Christian Ude, unterhalten sich am Dienstag (28.08.12) im Volkstheater in Muenchen.

München - SPD-Spitzenkandidat Christian Ude hat am Dienstagabend prominente Wahlkampf-Unterstützung bekommen - von Helmut Schmidt. Den ersten Applaus und die ersten Lacher im Münchner Volktheater erntet der Altkanzler.

Und das, noch bevor er zum ersten Mal das Wort ergreift. Mit seinem Gehstock angelt er sich kurzerhand den etwas abseits stehenden Tisch mit dem Aschenbecher darauf - er wird ihn noch brauchen. Man werde an diesem Abend wohl einen Gesetzesverstoß begehen und gegen das Rauchverbot verstoßen, gibt SPD-Landeschef Florian Pronold unumwunden zu. Allerdings: Der SPD und ihrem Spitzenkandidaten Christian Ude ist dies egal. Schließlich hat der Altkanzler die Mühen auf sich genommen und ist nach München gereist, nur um Ude zu unterstützen, ein Jahr vor der Landtagswahl. Das Münchner Volkstheater ist komplett ausverkauft.

Schmidt, der in seiner politischen Karriere alles erreicht hat, und Ude, der kommendes Jahr Ministerpräsident werden will, sitzen sich auf der Theaterbühne gegenüber - Ude ganz als Moderator, der dem über die Parteigrenzen hinweg hoch geschätzten Altkanzler eine Frage nach der anderen stellt. Schmidt antwortet sehr geduldig.

Und, natürlich, kommen die beiden irgendwann auf CSU-Übervater Franz Josef Strauß zu sprechen. Da berichtet Schmidt, wie Strauß ihn einst immer wieder, unbemerkt von Journalisten, im Kanzleramt besucht habe. „Ich habe ihn begrüßt: "Na, Sie alter Gauner." Und er hat geantwortet: "Na, Sie alter Lump."“ Schmidt erzählt: „Wir waren eindeutig Gegner, aber wir haben uns gegenseitig geachtet.“

Schmidt lobt dabei auch ausdrücklich Strauß' Verdienste um den „erstaunlichen ökonomischen Aufschwung“ Bayerns. Strauß habe alles, was möglich gewesen sei, nach Bayern gelenkt. „Wenn er hätte am Ammersee U-Boote bauen können...“, sagt Schmidt - das Publikum lacht. Strauß habe allerdings auch so „manchen Blödsinn erzählt“.

Ude führt mit Schmidt aber über weiteste Strecken kein lockeres, sondern ein ernstes, tiefgehendes zeitgeschichtliches Gespräch. Es geht um die Hamburger Sturmflut, um den Nato-Doppelbeschluss, aber auch um den Euro und die europäischen Schuldenkrise. „Heute, im Jahr 2012, ist der Euro stabiler als die D-Mark je gewesen ist“, betont Schmidt, der aber auch große europäische Führungspersönlichkeiten vermisst. Die seien von der großen Bühne längst abgetreten. Er beneide CDU-Kanzlerin Angela Merkel nicht um ihre Aufgabe, sagt Schmidt.

In der ersten guten Stunde geht es dagegen mit keinem Wort um die Landtagswahl 2013. Nur an einer Stelle übt Schmidt dann doch leise Kritik an der CSU - weil die das Gefühl verbreite, dass sie allein Bayern regiere. „Aber das ist ein Irrtum.“ Da lächelt Ude zufrieden.

dpa

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