Falscher Kandidat "Max Mustermann"

Peinliche Panne bei Bouffiers Wiederwahl

Volker Bouffier
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Volker Bouffier (CDU) ist erneut zum Ministerpräsidenten von Hessen gewählt worden.

Wiesbaden - Das neue schwarz-grüne Bündnis in Hessen zeigt sich bei der Wahl des Regierungschefs Bouffier geschlossen. Trotzdem wird der Landtag mit Spott leben müssen - wegen „Max Mustermann“.

Das Experiment einer schwarz-grünen Regierung in Hessen kann beginnen. Der im September neu gewählte Landtag bestätigte auf seiner ersten Sitzung am Samstag Volker Bouffier mit sicherer Mehrheit als Ministerpräsidenten. Der CDU-Politiker kam auf 62 von 109 abgegebenen Stimmen. Damit kommt das erste Bündnis von Union und Grünen in einem Flächenland an die Regierung.

Für Bouffier stimmten in Wiesbaden rechnerisch alle 61 Abgeordneten von Schwarz-Grün und ein Vertreter der Opposition. „Das ist eine tolle Vertrauensbasis“, sagte der 62-Jährige. Überschattet wurde die Wahl von einer peinlichen Panne, weil zunächst falsche Wahlzettel mit der Aufschrift „Max Mustermann“ in die Abstimmung gerieten. Erst ein zweiter Wahlgang verlief korrekt.

Für Bouffier - seit 2010 Ministerpräsident - ist es die zweite Amtszeit. Sein Partner als Vize-Regierungschef und Wirtschaftsminister ist Tarek Al-Wazir (43) von den Grünen. Im neuen Kabinett stellt die Union acht Minister, die Grünen zwei. Die Mehrheit von CDU und Grünen sprach der Regierung das Vertrauen aus, SPD, Linkspartei und FDP stimmten dagegen.

Falsche Wahlkarten ausgegeben

Als Bouffiers Wahlergebnis bekanntgegeben werden sollte, herrschte Aufregung im Landtag. „Wir haben festgestellt, dass bei den Wahlkarten, die wir ausgegeben haben, falsche Wahlkarten dabei waren“, sagte der wiedergewählte Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU). „Da stand nicht der Name des Kandidaten drauf, sondern Max Mustermann.“

Den Angaben nach waren insgesamt drei falsche Stimmkarten in den Wahlvorgang geraten. Einen Zettel entdeckte der Abgeordnete Frank Kaufmann (Grüne), ein weiterer wurde rechtzeitig ausgetauscht. Da hatte aber ein Abgeordneter schon für „Max Mustermann“ votiert. Unschön nannte Staatskanzleichef Axel Wintermeyer (CDU) die Panne. „Das wird nicht lustig für die Landtagsverwaltung.“ Sie habe den Fehler zu verantworten. Die Musterstimmzettel waren zur Anschauung für die Fraktionen gedruckt worden.

Die Landtagswahl am 22. September habe die politische Landschaft verändert, sagte Bouffier nach seinem Amtseid. Er werde die Haushaltssanierung, die Energiewende und die Bildung in den Mittelpunkt der Arbeit stellen.

Wer in welchem Bundesland regiert

Wer in welchem Bundesland regiert

Schwarz-Gelb, Rot-Rot, Schwarz-Rot, Schwarz-Grün, Rot-Grün oder Jamaika: Welche Parteien regieren welches Bundesland? Ein Überblick über den politischen Fleckenteppich der Bundesrepublik Deutschland. © dpa
Niedersachsen: Rot-Grün. Die CDU/FDP-Koalition von Ministerpräsident David McAllister ist am 20. Januar 2013 nach zehn Jahren abgewählt worden. Nach der 17. Landtagswahl haben SPD und Grüne im Parlament allerdings nur eine Stimme Mehrheit. Neuer Ministerpräsident wird der bisherige hannoversche Oberbürgermeister Stephan Weil. © dpa
Schleswig-Holstein: Torsten Albig (SPD). Bei der vorgezogenen Landtagswahl im Mai 2012 löste der vorige Oberbürgermeister von Kiel den bisher regierenden Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen ab. Seit 12. Juni 2012 regiert eine Koalition aus SPD, Grünen und SSW (Südschleswigischer Wählerverband). Nächste Landtagswahl: 2017. © dpa
Bayern: Schwarz. Ministerpräsident ist Horst Seehofer (CSU). Die Christlich-Soziale Union hatte von 1962 bis 2008 die absolute Mehrheit in Bayern inne. Nach der Landtagswahl 2008 regierte die CSU eine Legislaturperiode lang in einer Koalition mit der FDP. Seit der Landtagswahl im september 2013 regieren Seehofer & Co. wieder alleine.S © dpa
Brandenburg: Rot-Rot. Die SPD stellt seit 1990 den Ministerpräsidenten und regiert aktuell mit der Linkspartei. Matthias Platzeck amtierte seit 2002, musste 2013 aber sein Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Am 28. August 2013 wurde Dietmar Woidke zum Nachfolger gewählt. Nächste Landtagswahl: 2014. © dpa
Bremen: Rot-Grün. Bürgermeister ist seit dem 8. November 2005 Jens Böhrnsen (SPD). Er regiert in einer Koalition mit den Grünen. Die SPD stellt seit 1945 den Bürgermeister. Nächste Wahlen zur Bürgerschaft: 2015. © dpa
Hamburg: Rot-Grün. Die SPD hat unter Olaf Scholz im Februar 2011 nach fast zehn Jahren Opposition das Hamburger Rathaus zurückerobert. Nach dem Bruch der schwarz-grünen Koalition im vorherigen November wurden Neuwahlen ausgerufen. Nächste Bürgerschaftswahl: 2015. © dpa
Hessen: Schwarz-Grün. Die CDU stellt seit 1999 den Ministerpräsidenten in Hessen. Roland Koch regierte das vormalige sozialdemokratische "Stammland"  seit 1999. 2010 zog er sich aus der Politik zurück. Am 31. August 2010 wurde Innenminister Volker Bouffier (CDU) zu Kochs Nachfolger gewählt. Die Landtagswahl 2013 sorgte für ein Novum: Weder Schwarz-Gelb noch Rot-Grün fanden beim Wähler eine Mehrheit, daher kam es schließlich zur ersten schwarz-Grünen Koalition in einem Flächenland. © dpa
Nordrhein-Westfalen: Nach der vorgezogenen Landtagswahl am 13. Mai 2012 ergab sich eine Mehrheit für Rot-Grün. Ministerpräsidentin ist Hannelore Kraft von der SPD. Zuvor hatte die Koalition bereits als Minderheitsregierung seit Juli 2010 regiert. © dpa
Rheinland-Pfalz: Rot. 18 Jahre lang regierte hier Kurt Beck. Im Januar 2013 erfolgte dann der Wechsel: Becks Sozialministerin Marie-Luise "Malu" Dreyer ist seine Nachfolgerin. Die nächste wahl findet 2016 statt. © dpa
Saarland: Schwarz-Rot. Annegret Kramp-Karrenbauer übernahm im August 2011 das Ministerpräsidentenamt von Peter Müller (CDU), der seit 1999 regierte. Er hatte das erste Jamaika-Bündnis in Deutschland aus CDU, FDP und Grünen gezimmert. Doch die Koalition hat sich im Januar 2012 wegen interner Querelen bei der FDP aufgelöst. Neuwahlen machten die CDU zur stärksten Partei, am 9. Mai wurde Kramp-Karrenbauer als Vorsitzende einer Großen Koalition mit der SPD im Saarbrücker Landtag wiedergewählt. © dpa
Saschen-Anhalt: Schwarz-Rot. Seit April 2011 ist Reiner Haseloff der neue Ministerpräsident. Er regiert in einer Großen Koalition mit der SPD. Nächste Landtagswahl: 2016. © dpa
Mecklenburg-Vorpommern: Minsterpräsident Erwin Sellering (SPD) regierte von 2006 bis 2011 in einer Großen Koalition mit der CDU. Die SPD stellt seit 1998 den Ministerpräsidenten in "Meck-Pom". Bei den Wahlen im September 2011 gingen die Genossen erneut als Sieger hervor, und führen die Koalition mit der CDU fort. Nächste Landtagswahl: 2016. © dapd
Sachsen: Schwarz-Gelb. Seit der Wiedervereinigung stellt die CDU in Sachsen ununterbrochen den Ministerpräsidenten. Stanislaw Tillich regiert seit Herbst 2009 in einer Koalition mit der FDP. Nächste Landtagswahl: 31. August 2014. © dpa
Thüringen: Schwarz-Rot. Die CDU regiert Thüringen seit der Wiedervereinigung. Christine Lieberknecht wurde im Herbst 2009 zur Ministerpräsidentin gewählt. Sie ist die erste weibliche Landesfürstin der Christdemokraten. Lieberknecht regiert in einer Großen Koalition mit der SPD. Nächste Landtagswahl: 14. September 2014. © dpa
Berlin: Rot-Schwarz. Klaus Wowereit (SPD) regiert die Hauptstadt seit 2002. Bei den Wahlen Mitte September 2011 feierte "Wowi" den dritten Wahlsieg in Folge. Als Koalitionspartner agiert die CDU. Nächste Wahlen zum Abgeordnetenhaus: 2016 © dapd
Baden-Württemberg: Grün-Rot. 2011 hat eine Koalition aus Grünen und SPD die seit 1953 regierende CDU im "Ländle" abgelöst. Ministerpäsident Winfried Kretschmann (Grüne) saß zuvor als Fraktionsvorsitzender der Grünen im baden-württembergischen Landtag. Nächste Landtagswahl: 2016. © dpa

Al-Wazir nahm erstmals auf der Regierungsbank Platz, wollte aber nicht von einem historischen Tag sprechen. Ob Schwarz-Grün historisch sei, werde man erst in einigen Jahren oder Jahrzehnten sehen, sagte er. Der frühere FDP-Vizeministerpräsident Jörg-Uwe Hahn, jetzt nur noch einfacher Abgeordneter, sagte: „Meine Hoffnung ist, dass sie gut regieren.“ Es gebe viel Sprengkraft in der neuen Koalition.

Nach der Landtagswahl konnte in Hessen weder Schwarz-Gelb fortgesetzt werden, noch gab es eine rot-grüne Mehrheit. Alle Parteien sondierten über Lagergrenzen hinweg mögliche Bündnisse, CDU und Grüne einigten sich schließlich.

Die Parteien seien dabei ein „Stück weit zusammengerückt“, sagte SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel. „Ich habe eine gewisse Hoffnung, dass wir anders miteinander umgehen werden.“ Zugleich werde die SPD ihren Auftrag „als Opposition sehr engagiert wahrnehmen“.

dpa/afp

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