UN bemüht um Deeskalation

Neue Raketenangriffe aus Gaza - Israel tötet Dschihadisten

Raketen werden vom Gazastreifen in Richtung Israel gestartet. Foto: Hatem Moussa/AP/dpa
1 von 5
Raketen werden vom Gazastreifen in Richtung Israel gestartet. Foto: Hatem Moussa/AP/dpa
Israelische Soldaten bereitet Panzer an einem Sammlungspunkt nahe der Grenze zum Gazastreifen vor. Foto: Ilia Yefimovich/dpa
2 von 5
Israelische Soldaten bereitet Panzer an einem Sammlungspunkt nahe der Grenze zum Gazastreifen vor. Foto: Ilia Yefimovich/dpa
Ausgebrannte Autos stehen nach dem Raketenbeschuss im Industriegebiet der südisraelischen Stadt Sderot. Foto: Ilia Yefimovich/dpa
3 von 5
Ausgebrannte Autos stehen nach dem Raketenbeschuss im Industriegebiet der südisraelischen Stadt Sderot. Foto: Ilia Yefimovich/dpa
Trauernde tragen den Körper eines getöteten Mannes bei dessen Beerdigung. Foto: Mohammed Talatene/dpa
4 von 5
Trauernde tragen den Körper eines getöteten Mannes bei dessen Beerdigung. Foto: Mohammed Talatene/dpa
Eine israelische Luftabwehrrakete bringt eine vermutlich aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete zur Explosion. Foto: Ariel Schalit/AP/dpa
5 von 5
Eine israelische Luftabwehrrakete bringt eine vermutlich aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete zur Explosion. Foto: Ariel Schalit/AP/dpa

Die Hamas hält sich bisher aus dem Konflikt zwischen Israel und dem Islamischen Dschihad heraus. Sollte die im Gazastreifen herrschende Organisation aber doch eingreifen, droht ein neuer Krieg.

Gaza/Tel Aviv (dpa) - Aus Vergeltung für die Tötung eines ihrer Anführer haben militante Palästinenser erneut Dutzende Raketen nach Israel abgefeuert. Israels Luftwaffe bombardierte derweil in dem Palästinensergebiet pausenlos Ziele der Extremistengruppe Islamischer Dschihad.

Die Organisation hat schon viele Todesopfer zu beklagen. Doch eine Waffenruhe lehnte die Gruppierung nach der gezielten Tötung ihres Militärchefs Baha Abu Al Ata vorerst ab. "Es kann keine Gespräche über Ruhe geben, während die Straftaten israelischen Besatzung weitergehen", sagte Ahmad al-Mudallal, führender Vertreter der Organisation. Die Vereinten Nationen zeigten sich beunruhigt über die Lage. Am Abend spekulierten Medien allerdings über eine bevorstehende Waffenruhe zwischen Israel und dem Islamischen Dschihad.

Am Mittwoch wurden bei israelischen Angriffen nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza 16 Palästinenser getötet. Nach palästinensischen Quellen handelte es sich bei den Toten um 3 Zivilisten und 13 Mitglieder des Islamischen Dschihad. Damit steigt die Zahl der seit Beginn der neuen Gewaltwelle getöteten Palästinenser auf 26.

Die meisten wurden nach israelischen Angaben bei dem Versuch getötet, Raketen auf Israel abzufeuern. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden zudem rund 80 weitere Palästinenser verletzt.

Am Mittwoch kam es erneut zu massivem Raketenbeschuss auf israelische Ortschaften. Im Grenzgebiet sowie in der Küstenstadt Aschkelon heulten am Morgen Warnsirenen, wie die israelische Armee mitteilte. Die Nachrichtenseite ynet berichtete, die Armee habe zusätzliche Einheiten auch mit schwerem Geschütz ins Grenzgebiet verlegt.

Seit Dienstagmorgen haben militante Palästinenser nach Angaben der Armee rund 360 Raketen auf Israel abgefeuert. Dutzende davon seien von der Raketenabwehr Iron Dome (Eisenkuppel) abgefangen worden. Nach Angaben des Rettungsdienstes erlitten mehr als 60 Israelis Verletzungen. Laut Polizei wurde ein Haus in Aschkelon direkt getroffen.

Die militanten Palästinenser reagierten mit dem Beschuss auf die gezielte Tötung des Militärchefs Baha Abu Al Ata durch die israelische Luftwaffe. Auch seine Frau kam bei dem Überraschungsangriff in der Nacht zu Dienstag ums Leben.

Der UN-Nahostgesandte Nikolai Mladenov forderte ein sofortiges Ende des Beschusses israelischer Ortschaften. "Das wahllose Abfeuern von Raketen und Mörsergranaten auf Bevölkerungszentren ist absolut inakzeptabel", sagte er laut einer Mitteilung. Die Vereinten Nationen bemühten sich um eine Deeskalation der Situation.

Aus Sicht israelischer Sicherheitskreise ist die Kernfrage nun, ob die im Gazastreifen herrschende Hamas sich den Attacken anschließen wird. Dann wäre eine noch deutlich größere Eskalation zu befürchten. Der Islamische Dschihad gilt zwar ideologisch als noch radikaler als die Hamas, militärisch aber schwächer. Die Extremistengruppe wird als gefährlicher und destabilisierender Faktor gesehen.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu beschrieb den gezielt getöteten Abu Al Ata als zentralen Drahtzieher vieler Raketenangriffe und Anschläge aus dem Gazastreifen seit letztem Jahr. Dabei agiert der Islamische Dschihad nach Einschätzung Israels häufig auch gegen klare Vorgaben der Hamas.

Auch Ägypten, gemeinsam mit den UN, bemüht sich nach israelischen Medienberichten, die Lage zu beruhigen und vermittelt intensiv hinter den Kulissen.

Der Islamische Dschihad wurde Ende der 1970-er Jahre durch palästinensische Studenten in Ägypten gegründet. Die Organisation wird von Israels Erzfeind Iran finanziert und hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahnen geschrieben. Ebenso wie die Hamas hat sie schon mehrfach blutige Terroranschläge in Israel verübt. Der Islamische Dschihad verfügt laut der Nahost-Expertin Dikla Cohen von der Hebräischen Universität in Jerusalem über rund 10 000 Kämpfer im Gazastreifen. Damit ist sie die zweitstärkste Extremistenorganisation nach der Hamas in dem Küstengebiet.

Netanjahu versicherte am Mittwoch Bewohnern des israelischen Grenzgebietes, man gehe hart gegen die militanten Palästinenser vor: "Terror-Anführer, Kommandeure und Aktivisten wissen, dass sie im Fadenkreuz sind und dass wir jederzeit und an jedem Ort gegen sie vorgehen können."

Zurück zur Übersicht: Politik

Kommentare