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Er wirft Koalition Scheinheiligkeit vor

Nebeneinkünfte: Steinbrück wehrt sich

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SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wirft Union und FDP Scheinheiligkeit vor

Berlin - In der Debatte um Nebeneinkünfte geht die SPD nach den Angriffen auf Peer Steinbrück in die Offensive. Er trifft in der kommenden Woche in einem Rededuell aufeinander auf die Kanzlerin.

Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will in den nächsten zwei Wochen den angekündigten Bericht eines Wirtschaftsprüfers über seine Nebeneinkünfte vorlegen. „Es bleibt bei meiner Zusage“, sagte er am Samstag in Frankfurt nach Gesprächen mit der hessischen SPD-Spitze. Seinen Kritikern in den Reihen von Union und FDP warf Steinbrück „eine erstaunliche Scheinheiligkeit und Bigotterie“ vor. Sie hätten schärfere Regeln bislang blockiert und reagierten auf neue Vorschläge verhalten.

Die SPD wird nach Angaben von Bundestagsfraktionschef Frank-Walter Steinmeier „noch in der nächsten Woche einen Vorschlag zur erheblichen Verschärfung der Regeln“ vorlegen“. In der „Bild am Sonntag“ attackierte er namentlich die FDP-Politiker Patrick Döring und Guido Westerwelle: „Diese scheinheilige Gesellschaft von Union und FDP werden wir uns jetzt zur Brust nehmen. Das muss man sich mal vorstellen: Der FDP-Generalsekretär Döring kassiert als Aufsichtsrat der Deutschen Bahn und Westerwelle hat noch als Fraktionsvorsitzender Vorträge gegen Honorar gehalten.“

Peer Steinbrück: Klare Kante und loses Mundwerk

Peer Steinbrück: Klare Kante und loses Mundwerk

Die einzige Wahl, die Peer Steinbrück bisher bestreiten musste, hat er verloren. Mit 65 Jahren wagt er von der Hinterbank nochmals den großen Sprung. © dpa
Steinbrück tritt als Kanzlerkandidat der SPD gegen Angela Merkel an. © dpa
In diesem Jahr sind gleich drei Steinbrück-Biografien erschienen. Die beiden Journalisten Eckart Lohse und Markus Wehner bezeichnen Steinbrück als einen der „zweifellos interessantesten Politiker dieser Jahre“. © dpa
Eine Gefahr für ihn ist immer sein loses Mundwerk. © dpa
Als Bundesfinanzminister (2005 bis 2009) bewegte er durch unbedachte Äußerungen schon mal die Märkte. Der Schweiz drohte er, selbstbewusst wie er nun mal ist, in Sachen Schwarzgeld mit der Kavallerie. © dpa
Geboren am 10. Januar 1947 in Hamburg, wächst er in einem eher konservativen Elternhaus auf, erst 1969 schwenkt der Vater wegen Willy Brandt auf die SPD um. © dpa
Seinen eigenen trockenen Humor führt er auf seine Großmutter zurück - jüngst antwortete er einem Journalisten auf Fragen, ob er dieses oder jenes ausschließe: „Steinbrück schließt nicht aus, dass er Hundefutter isst“. © dpa
Als Schüler hatte er Flausen im Kopf. Neben Griechisch und Latein ist ausgerechnet Mathe ein Problem. Zweimal bleibt er sitzen. Statt zu lernen, schießt er Lehrern lieber aus dem Paternoster heraus mit einem Blasröhrchen Erbsen auf die Beine. © dpa
Das Ende der Schulzeit empfindet er als Befreiung. Seine Klassenarbeiten verbrennt Steinbrück nach dem Abi im Ofen. © dpa
Zum Studium der Volkswirtschaft und Sozialwissenschaften geht er nach Kiel. © dpa
Seine politische Karriere beginnt 1974 im Bundesbauministerium und führt ihn in das Forschungsministerium und als Referent in das Bonner Bundeskanzleramt. © dpa
Dort regiert Helmut Schmidt, der ihn geeignet hält für den Job des Regierungschefs. Von 1986 bis 1990 leitet er das Büro von NRW-Ministerpräsident Johannes Rau. Anschließend ist Steinbrück bis 1998 in Kiel, unter anderem als Wirtschaftsminister. © dpa
Dann kehrt er nach Nordrhein-Westfalen zurück. Nach Stationen als Wirtschafts- und Finanzminister wird er 2002 als Nachfolger des nach Berlin gewechselten Wolfgang Clement Ministerpräsident. © dpa
2005 wird Steinbrück trotz der Wahlniederlage gegen die CDU zum Finanzminister in Berlin berufen. © dpa
Im Oktober 2008 verkündet er mit Angela Merkel die berühmte Garantie für alle deutschen Spareinlagen. Eines macht er heute klar: Sollte er nicht Kanzler werden, geht er auf keinen Fall nochmals als Juniorpartner in ein Kabinett Merkel III. © dpa
Verheiratet ist er mit einer Lehrerin (links im Bild Ehefrau Gertrud). Sie haben drei erwachsene Kinder. Steinbrück ist ein Schnellleser und begeisterter Cineast. Und Peer Steinbrück ist leidenschaftlicher Sammler von Schiffsmodellen. © dpa
Dass der bald 66-Jährige so richtig will und die bisher unangreifbare Merkel mit Hilfe der Partei stellen möchte, wurde zuletzt beim Zukunftskongress der SPD-Fraktion sichtbar. Er hielt eine für ihn überraschend sozialdemokratische Rede. © dpa
Die nervösen Reaktionen der Union auf sein Papier zur Bändigung der Finanzmärkte zeigten, dass er hier für die SPD einen möglichen Wahlkampfschlager gefunden hat. © dpa
Mit seiner „klaren Kante“ ist er sicher der Kandidat, der Merkel am gefährlichsten werden wird. © dpa

Der jüngste Streit über die Offenlegung von Nebentätigkeiten hatte sich an gut dotierten Vorträgen des SPD-Kanzlerkandidaten entzündet. Steinmeier wies Kritik an Steinbrück mit scharfen Worten zurück: „Man hat ja fast den Eindruck, als dürften Sozialdemokraten kein Geld verdienen. Dazu sag ich nur: Das hätten manche im konservativen Lager vielleicht gerne so.“ Steinbrück selbst befürchtet durch die Debatte über Nebeneinkünfte keine Nachteile für seinen Wahlkampf: „Das ist dann abgefrühstückt.“

Erstmals seit seiner Nominierung zum Kanzlerkandidaten wird es in der kommenden Woche ein Rededuell zwischen ihm und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geben. „Ich werde auf die Regierungserklärung der Bundeskanzlerin am nächsten Donnerstag antworten“, kündigte Steinbrück an. Linken-Chef Bernd Riexinger kommentierte im Kurznachrichtendienst Twitter: „Am Donnerstag spielt der Bundestag 'Finde den Unterschied'. Merkel gegen Steinbrück ist wie Maus gegen Mäuschen.“

Die Grünen signalisierten Unterstützung für den SPD-Vorstoß. „Gemeinsam mit der SPD werden wir die Koalition nun zu Entscheidungen zwingen“, kündigte ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Volker Beck an. „Wollten sie Transparenz nur bei Steinbrück oder auch für die Abgeordneten der Koalition?“

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles räumte ein, dass es in der Anfangszeit von Steinbrück als Merkel-Herausforderer Schwierigkeiten gab: „Der Start ist etwas rumpelig gelaufen, aber es gibt keinen Grund, das zu problematisieren“, sagte sie dem „Tagesspiegel“ (Sonntag).

dpa

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