Ein neuer Huber für die Staatskanzlei

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Marcel Huber

München - An diesem Donnerstag wird der neue Staatskanzleichef Marcel Huber vereidigt. Er verkörpert einen sehr selten gewordenen Typ des Politikers: Er ist ein Seiteneinsteiger mit jahrzehntelanger Berufserfahrung außerhalb des Landtags.

Noch vor wenigen Jahren hätte Marcel Huber sich nicht träumen lassen, dass er einmal Chef der Staatskanzlei sein würde. Der 53 Jahre alte Tierarzt aus Mühldorf am Inn ist ein politischer Spätstarter: Er zog erst 2003 im mittleren Alter in den Landtag ein. In Zeiten, in denen viele Nachwuchspolitiker direkt nach dem Studienabschluss vom Hörsaal in den Plenarsaal wechseln, ist das eine Seltenheit. In der CSU-Landtagsfraktion eilt ihm ein exzellenter Ruf voraus. In Erinnerung an den früheren Staatskanzleichef Erwin Huber macht unter den CSU-Abgeordneten ein Scherz die Runde: “Endlich wieder ein Huber in der Staatskanzlei!“ An diesem Donnerstag (17. März) soll er vereidigt werden, am kommenden Montag (21. März) ist Amtseinführung.

“Mit 53 Jahren hat man noch fast eineinhalb Jahrzehnte Berufsleben vor sich“, sagt Marcel Huber. “Es gibt unterschiedliche Biografien. Ich habe 22 Jahre Berufserfahrung als Tierarzt und bin seit meiner Jugend ehrenamtlich engagiert - bis vor zwei Jahren war ich noch Feuerwehrkommandant.“ Dieser Erfahrungsschatz - “und dazu zähle ich auch meine 29-jährige Ehe und meine drei Kinder“ - sei sehr hilfreich und bereichernd, sagt Huber.

In der CSU-Fraktion gibt es wie in jeder größeren Gruppe gelegentlich Neid und Missgunst. Doch Huber zählt zu den Abgeordneten, die von einer großen Mehrheit geschätzt und anerkannt werden. Auf Huber angesprochen sagen viele CSU-ler, dass der künftige Staatskanzleichef sehr kompetent sei und sie ihm das Amt zutrauten.

Obwohl Huber erst seine zweite Legislaturperiode absolviert, hat er bereits reichhaltige Regierungserfahrung. “Ich darf die Vorbereitung auf eine neue Aufgabe im bayerischen Kabinett jetzt zum dritten Mal anpacken“, scherzt er - “denn nach dem Umwelt- und Kultusministerium ist die Staatskanzlei das dritte Haus, in dem ich tätig sein werde.“ Wie immer gehe er die Vorbereitung systematisch an. “Und natürlich gibt es auch Bereiche, mit denen ich bisher weniger zu tun hatte. Aber dann muss man - und so ehrlich bin ich - in diesen Bereichen noch intensiver die Ärmel hochkrempeln und sich fundiert einarbeiten.“

Auch im Umweltministerium und im Kultusministerium habe er sich einzelne Themenbereiche neu erarbeiten müssen. “Wenn man von Politikmanagement etwas versteht und mit der Arbeit in einem großen Haus vertraut ist, dann ist das sicher keine unlösbare Aufgabe. Ich jedenfalls freue mich auf die neue Herausforderung.“

CSU-Politiker verweisen gern darauf, dass die Partei drei Wurzeln habe - christlich, sozial und liberal. Manche Parteifreunde rechnen Huber eher den Konservativen zu. Er selbst sagt dazu: “Für mich sind alle drei Bereiche gleich wichtig. Ich bin bekennender, aktiver Christ und der festen Überzeugung, dass die christliche Tradition für unsere Gesellschaft absolut prägend war und auch für die Zukunft von großer Bedeutung sein wird.“ Gleichzeitig lebe er aber auch einen “vernünftigen Liberalismus“, der andere Weltanschauungen geltenlasse. “Und zum gut bayerischen leben und leben lassen gehört auch die soziale Komponente“, sagt Huber.

“Dieses ausgleichende Moment liegt mir als Person besonders nahe. Ich bin jemand, der ungern polarisiert und jeden mitkommen lassen will.“ Das ausgleichende Temperament wird er als Staatskanzleichef gut brauchen können. Huber wird in der Münchner Regierungszentrale zwar aller Voraussicht nach keine Feuerspritze betätigen, doch im politischen Brandschutz tätig sein: Er ist künftig die Hauptschaltstelle zwischen Ministerpräsident Horst Seehofer und den Landtagsfraktionen von CSU und FDP - Huber muss Konflikte möglichst schon vor ihrer Entstehung entschärfen.

dpa

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