Angriff in München

Fäkalien-Attacke auf Anwälte der NSU-Opfer

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Ein Haus im Münchner Westend wurde mit Farbe und Eiern beworfen

München - Die Angehörigen der NSU-Opfer sind seit Prozessbeginn immer wieder Attacken ausgesetzt. Eine Anwaltskanzlei wurde mit Fäkalien angegriffen. Die Täter sind vermutlich rechtsextrem. 

Die Angehörigen der NSU-Opfer müssen seit Prozessbeginn nicht nur das Verhalten der Täter ertragen. Seit Mai gibt es eine Vielzahl von Attacken, besonders hart traf es eine Anwaltskanzlei der Opfer.

Am frühen Montagmorgen habe sie den Schmutz direkt vor ihrer Kanzleitür im zweiten Stock eines Münchner Bürogebäudes entdeckt, sagte am Freitag die Anwältin Angelika Lex, die in dem Prozess vor dem Oberlandesgericht die Witwe des in München ermordeten Theodoros Boulgarides vertritt. Sie vermutet einen rechtsradikalen Hintergrund. „Es geht doch niemand in den zweiten Stock eines Bürogebäudes und macht dort vor einer Fensterfront sein Geschäft“, sagte sie. Die Fäkalien seien mitgebracht und bewusst vor ihrer Tür platziert worden.

In der vergangenen Zeit habe die Zahl der Drohbriefe und -mails aus der rechten Szene deutlich zugenommen. Sie und ihre Mandantin seien empört. „Wir fühlen uns aber nicht konkret bedroht. Dieser Anschlag galt allen NSU-Opfern und ihren Angehörigen.“ Lex hat den Vorfall nicht angezeigt. Die Polizei konnte sich darum nicht dazu äußern.

Der bayerische Flüchtlingsrat sieht seit dem Start des NSU-Prozesses eine Welle rechtsradikaler Gewalt in München. In jüngster Zeit würden Nazi-Gegner immer wieder angegriffen. So wurde das Haus eines Wohnprojektes seit dem Start des Prozesses am 6. Mai bereits vier Mal Ziel von Anschlägen. Bewohner wurden nach eigenen Angaben mit Eiern beworfen, in die Fensterscheiben wurde das Nazi-Kürzel „Anti-Antifa“ geritzt. Am vergangenen Mittwoch wurden die Scheiben des Hauses eingeschlagen, einen Tag später gab es einen Farbbeutel-Anschlag. „Nach derzeitigem Erkenntnisstand ist insgesamt von einem politisch motivierten Tathintergrund auszugehen“, teilte die Polizei mit. Auch in der Geschäftsstelle des Flüchtlingsrates wurde ein Fenster eingeschlagen.

Der NSU-Prozess: Zentrale Fragen rund um das Verfahren

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Mehrfach gab es auch Übergriffe im Münchner Westend. Dort beschmutzten die Angreifer mit Farbe und Eiern die Hausfassade eines Wohnprojektes. Auch die Geschäftsstelle des Bayerischen Flüchtlingsrats wurde attackiert, wie die SZ berichtet.

Die Betroffenen sehen in den Taten den Beweis, dass die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe und ihre Mitangeklagten Unterstützer in München und Bayern haben. Alle angegriffenen Orte seien vorher auf einer Neonazi-Website erschienen. „Es sind keine Einzelfälle, es gibt ein lokales Unterstützernetzwerk.“ Die rechte Organisation „Freies Netz Süd“ spiele eine große Rolle.

Der Staatsschutz der Polizei hat die Vermutung, dass die Angriffe aus der rechtsextremen Szene kommen. Täter konnten bisher jedoch noch nicht ermittelt werden.

bixdpa

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