"Quotenstimulierende Tränen"

NSU-Prozess: Das sagen die User zum Auftakt

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Beate Zschäpe versuchte beim Prozessauftakt den Kameras so oft wie möglich den Rücken zuzurdrehen

München - Der NSU-Prozess hat begonnen. Noch ist nicht einmal die Anklage verlesen, doch die Ereignisse vom ersten Tag bieten bereits ausreichend Diskussionsstoff. Die Meinungen der User könnten unterschiedlicher kaum sein.

Zehn Morde, Anschläge, Raubüberfälle - die Erwartungen an den NSU-Prozess sind groß. Doch die Angehörigen der Opfer müssen sich gedulden. Denn nachdem der Prozessauftakt wegen des Streits um die Presseplätze bereits verschoben wurde, gibt es nun erneut eine Verzögerung. Die Verteidiger der Angeklagten haben den ersten Prozesstag genutzt, um diverse Befangenheitsanträge zu stellen. Daraufhin wurde der Prozess vom Senat vertagt, noch bevor die Anklage verlesen werden konnte.

Doch nicht nur das, sondern auch das Verhalten der Hauptangeklagten Beate Zschäpe im Gerichtssaal und die Forderung eines türkischen Politikers, das Kruzifix von der Wand zu entfernen, sorgen für Diskussionsstoff. Aus über 400 User-Kommentaren geht vor allem eines hervor: Die Skepsis ist groß und die Fragen zahlreich. Einen Überblick - auch über Verschwörungstheorien - gibt es hier:

NSU-Prozess in München - die Bilder

NSU-Prozess in München - die Bilder

BenWish sieht den NSU-Prozess mit am abgeklärtesten: "Spiegelfechterei und quotenstimulierende Tränen . . . was wurde eigentlich von diesem Prozeß und vor allem vom ersten Prozeßtag erwartet. Die Verteidiger sind gewiefte Kenner des Strafrechts und der Strafprozeßordnung . . . es wird weniger um die Wahrheit sondern mehr um eine geschickte Verteidigungsstrategie und Taktieren gehen als um Aufdeckung und Aufklärung."

ITASCA wirft seine Zweifel in die Runde: "Kann dieses Verfahren überhaupt objektiv geführt werden? Hier müßte doch auch der Staat mit auf der Anklagebank sitzen nach dem was sich Behörden hier Jahre lang an Verfehlungen geleistet haben. Aber das kennt man ja vor allem von den Ermittlungsbehörden dass sie auf den rechten Auge blind und auf den rechten Ohr taub sind."

Der Ticker zum ersten Prozesstag zum Nachlesen

Ähnlich sieht das Karl: "Viel Wirbel um nichts. Die wirklich interessanten Fragen werden von diesem Gericht und vor allem von diesem ungeeigneten selbstherrlichen Richter nie gestellt werden und er wird es sicher auch zu verhindern wissen, dass die Nebenkläger sie stellen können. Das ganze ist eine gross inszenierte Rechtschaffenheits-Show, mit der der rechte Staat sein AKTIVES "Versagen" bei der Begehung der Massenmorde vertuschen will."

HoferAndi weist hingegen jene in die Schranken, die Beate Zschäpe am liebsten gestern schon lebenslänglich hinter Gittern gewusst hätten: "Langsam meine Damen und Herren! Kurzen Prozess machen, wäre das Irreparabelste was man tun könnte!! Auch wenn ich auf dieses Weib eine Stinkwut habe, so müssen - welchen daran liegt und hier zählt in Erster Linie das Gericht - wir die Sache sachlich sehen. Es stehen sehr sehr viele Fragen offen, deren Beantwortung nicht nur im Interesse der Angehörigen von Opfern, sondern der Allgemeinheit liegt."

Stromberg ist einer von vielen, die hinter den NSU-Morden und dem Versagen der Behörden eine Verschwörung wittern: "Was mich an dem Ganzen irritiert ist, dass die NSU aufgeflogen war und anschl. sofort die beiden angeblichen Täter um's Leben kamen. Angeblich selbst hingerichtet und verbrannt. Sehr seltsam. Vor allem, wenn man bedenkt, dass im Nachhinein der Verfassungsschutz ganz schnell Akten geschreddert hat. Und dass V-Männer des Verfassungsschutzes die NSU mit Waffen und Geld versorgt hatten. Einer der V-Männer war angeblich sogar wenige Minuten vor einem der Morde direkt vor Ort. (...)"

Ähnliche Vermutungen hegt auch Anonymus: "Alles fokusiert sich momentan auf die Person Beate Zschäpe. Dabei sind die wahren Täter noch auf freiem Fuß. Der Verfassungsschutz selber und somit auch die damals und heute Verantwortlichen aus der Regierung tragen das Blut dieser Menschen an ihren Händen. Wer hat die Organisationen gegründet? Wer hat die jungen Leute aufgehetzt? Wer hat sie mit Waffen versorgt? Wer hat den Medien falsche Fährten gelegt, dass die öffentliche Meinung in die falsche Richtung gelenkt wurde. Wer war an den Tatorten mit zugegen. Warum wurden wichtige Akten vernichtet? (...) Fragen über Fragen..."

offline sieht die Sache hingegen nüchterner, wenn auch nicht gerade optimistisch: "...schlimm wie das Ganze aufgeblasen wird, denn "mehr" als Beihilfe zum Mord wird nicht bei dem Prozess wohl nicht herauskommen, da Mittäterschaft einen unverzichtbaren Tatbeitrag voraussetzt (z.B. alleinige Waffenbeschaffung, Opfer in die Falle locken, Schmiere stehen etc.) Schlimmer als Beihilfe finde ich die Anstiftung, weil sie einen Rechtstreuen Menschen zu einer Tat bewegt. "

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mm/dpa

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