US-Wahl 2012

Nach TV-Duell: Obama setzt auf Attacke

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Der beim ersten Fernsehduell gegen Herausforderer Mitt Romney außer Tritt gekommene US-Präsident Barack Obama (r) greift wieder an.

Denver - Der beim ersten Fernsehduell gegen Herausforderer Mitt Romney außer Tritt gekommene US-Präsident Barack Obama greift wieder an.

US-Präsident Barack Obama setzt nach der Schlappe im TV-Duell gegen Mitt Romney auf Offensive. Mit neuer Energie hat er am Donnerstag (Ortszeit) bei Wahlkampfauftritten in Denver und Madison versucht, in der Gunst der Wähler wieder in Führung zu gehen. Der Amtsinhaber griff dabei seinen republikanischen Kontrahenten direkt an und stellte dessen Aufrichtigkeit bei der TV-Debatte vom Vortag infrage.

Beobachtern zufolge hatte Romney beim ersten der drei Streitgespräche durch die aggressive Infragestellung der Wirtschaftskompetenz des Präsidenten gepunktet. Obama konterte nun, er habe bei dem Duell neben „diesem sehr energischen Typen, der behauptet hat, Mitt Romney zu sein“, gestanden. Es könne sich dabei aber nicht um den Republikaner gehandelt haben, da sein Gesprächspartner „nicht für Romneys tatsächliche Positionen verantwortlich gemacht werden wollte“, etwa bei den Themen Steuern, Bildung und Auslagerung von Arbeitsplätzen. „Ein Gouverneur Romney mag um seine Positionen herumtanzen können, aber wenn man Präsident werden will, schuldet man dem amerikanischen Volk die Wahrheit“, sagte Obama.

Romney hatte am Vorabend die erste Fernsehdebatte mit einem kämpferischen und selbstsicheren Auftritt für viele überraschend für sich entschieden. In dem 90-minütigen Schlagabtausch einen Monat vor der Wahl leistete er sich anders als von vielen erwartet, keine nennenswerten Patzer. Stattdessen wirkte er nach Einschätzung vieler Zuschauer und Kommentatoren insgesamt überzeugender als Obama. Der demokratische Amtsinhaber machte hingegen einen defensiven und streckenweise gar lustlosen Eindruck.

Romney vs. Obama: Das TV-Duell in Bildern

Romney vs. Obama: Das TV-Duell in Bildern

Laut einer Umfrage des US-Fernsehsenders CNN sahen fast zwei Drittel der befragten Zuschauer den Herausforderer als Sieger der Debatte. Rund 25 Prozent hielten indes den Präsidenten für besser. Selbst einige demokratische Experten gaben nach dem Rededuell Romney mehr Punkte. Obamas Berater kündigten nach dem Fernsehduell „Anpassungen“ im Wahlkampf an.

Die Veröffentlichung der Arbeitslosenstatistik vom Freitag stellt bereits die nächste Hürde für den Präsidenten dar. Obwohl die Arbeitslosenrate mit 7,8 Prozent auf dem niedrigsten Wert seit 2009 gesunken ist, wird Romney diese Zahlen laut Expertenansicht zu einer weiteren Attacke auf den Amtsinhaber nutzen.

Obwohl sich beide Männer intensiv auf das TV-Duell vorbereitet hatten, hatte Romney einen Vorteil: Im innerparteilichen Kampf um die Spitzenposition musste er sich in den vergangenen Monaten 19 Mal solchen Debatten stellen. Dabei konnte er Gesprächstechniken verfeinern, die er auch am Mittwoch gegen den Präsidenten anwandte. Dazu gehörte etwa, immer wieder auf die ihm angeblich zustehende Redezeit zu pochen, ohne dabei streitlustig zu erscheinen. Obama dagegen war zuletzt vor vier Jahren gegen den damaligen republikanischen Kandidaten John McCain in einem TV-Duell angetreten.

Um wieder in Tritt zu kommen, nutzte Obama auch die Wahlkampfbühne vor Zehntausenden Zuhörern in Madison, Wisconsin. Dort erklärte er, Romney wolle die staatliche Unterstützung für das öffentlich-rechtliche Fernsehen kürzen während er gleichzeitig die Gesetze zur Kontrolle des Bankensektors wieder abschaffen wolle.

Wahlkampf bleibt auf neun unentschiedene Staaten beschränkt

Die Steuern waren einer der Hauptstreitpunkte zwischen den beiden, obwohl sie auch über Fragen stritten, wie beispielsweise das Haushaltsdefizit reduziert werden kann, wie stark der Staat regulierend eingreifen soll bei Bildung oder bei der allgemeinen Krankenversicherung.

Es gab jedoch keine Anzeichen dafür, dass sich nach der Fernsehdebatte der Wahlkampf auf mehr als die neun noch unentschiedenen Staaten ausweiten könnte. In den übrigen 41 Staaten sind die Mehrheiten für die Republikaner oder für die Demokraten bereits klar verteilt. Die Wahlkampf-Dollar und fast die gesamten Kampagnen konzentrieren sich auf diese neun Staaten.

Für den 16. und 22. Oktober sind zwei weitere Debatten geplant. Für Romney ging es im ersten Duell darum, im Rennen um das Weiße Haus aufzuholen. Offenbar ist ihm das gelungen. Mit seinem Auftritt macht Romney den Wahlkampf wieder spannend.

dapd

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