Kritiker wirft Rösler patientenfeindliche Entscheidungen vor

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Bundesgesundheitsminister Phillip Rösler (Bild) steht beim ehemaligen obersten deutschen Arzneimittelkontrolleur, Peter Sawicki, schwer in der Kritik.

Berlin - Der ehemalige oberste deutsche Arzneimittelkontrolleur, Peter Sawicki, fährt gegen Bundesgesundheitsminister Phillip Rösler (FDP) schweres Geschütz auf.

Dem Gesundheitsminister wird vorgeworfen, er treffe Entscheidungen zum Wohl der Pharmawirtschaft. Sawicki sagte der Wochenzeitung “Der Freitag“ laut Vorabbericht, mit der geplanten Arzneimittelnovelle “wird die Qualität der Medikamentenbehandlung in Deutschland abnehmen“.

Das neue Arzneimittelgesetz sieht vor, dass es vor der Kassenzulassung eines Medikaments keine ausführliche Überprüfung mehr geben soll, ob das Medikament besser wirkt als bewährte Therapien. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das eine solche Überprüfung seit 2004 leistete und das Sawicki noch bis zu diesem August leitete, wird entmachtet. Dies aber nutzt laut Sawicki nur den Unternehmen, nicht den Patienten. “

Die Koalition glaubt, dass allein die Zulassung einer Pille ausreicht, damit ihr Nutzen für den Patienten belegt ist“, sagte er. “Es haben sich Kräfte durchgesetzt, die weniger das Wohl der Kranken und die Stabilität der Kassenbeiträge im Blick haben, sondern mehr die Pharmawirtschaft und den Standortfaktor.“ Sawickis Resümee lautet: “Wenn wir krank werden, werden wir weiterhin in dem chaotischen Großlabor Deutschland Pillen schlucken, ohne zu wissen, ob sie nutzen oder schaden.“

Sawicki soll künftig an der Universität Köln forschen und lehren. Er wechselt nach Informationen der “Zeit“ zum Institut für Gesundheitsökonomie, das der SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach gegründet hat. Von 1995 bis zu seiner Berufung als Chef des Qualitätsinstituts 2004 gehörte er zu den Herausgebern des pharmakritischen Fachblatts “Arznei-Telegramm“. Seinen Arbeitsvertrag beim IQWiG hatte die schwarz-gelbe Koalition nicht verlängert.

dapd

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