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Zu viele Güter auf der Straße

Polen hat ein Verkehrsproblem - und Teile der Lösung könnten Deutschland beunruhigen

Swinoujscie Swinemuende Westpommern Polen Containerschiff im Hafen
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Der Hafen von Świnoujście - hier könnten in Zukunft auch Binnenschiffe aus der Oder eine größere Rolle spielen.

Nicht nur Deutschland kämpft mit Güter-Massen auf den Straßen. Auch in Polen gibt es Probleme - und höchst wichtige Transporttrassen. Das Land will gegensteuern.

Warschau - Nicht nur Deutschland hat verkehrspolitische Probleme: In Polen* findet der Gütertransport aktuell zu selten per Bahn und auf dem Wasserweg statt. Das stellte die Oberste Kontrollkammer (Najwyższa Izba Kontroli) letztes Jahr fest. Auch der Trend weist offenbar in die falsche Richtung.

Denn auffällig stark nahm die Dynamik auf den längeren Strecken zu. Rund 75 Prozent des Warentransports wurden hier über das Straßennetz abgewickelt. Bei Strecken über 300 Kilometer hat sich das Güterverkehrsaufkommen zwischen 2011 und 2018 sogar vervierfacht. Aus klimapolitischer, umweltpolitischer und ökonomischer Sicht wird diese Entwicklung in Polen immer stärker kritisiert.

Die Ursachen dieser Fehlentwicklung liegen in der geringen Wettbewerbsfähigkeit des teuren und langsamen Bahngüterverkehrs in Polen. Problematisch ist dabei die geringe Dichte und ungleichmäßige Verteilung von Knotenpunkten, an denen Waren auf ein anderes Transportmittel umgeladen werden können. Dies wird als größtes Hindernis für die Entwicklung des intermodalen Verkehrs in Polen angesehen. Ebenso vernachlässigt wurde in den letzten Jahrzehnten die Binnenschifffahrt - die in Polen eigentlich eine lange Tradition hat.

Polen: Zu viel Gütertransport auf der Straße - eminent wichtige Trasse verläuft mitten durchs Land

Dabei wären einige andere Voraussetzungen gar nicht schlecht. Polen hat in Bezug auf die Länge des Schienennetzes, die Wasserwege und die geografische Lage eine sehr gute Ausgangslage, um mehr Güter mit der Bahn und auf dem Wasser zu transportieren: Über das Staatsgebiet führen gleich mehrere wichtige europäische Handelswege und die Hauptverkehrsroute zwischen Asien und Europa. Der Bericht der polnischen Kontrollkammer unterstreicht die Bedeutung Polens, denn 80 Prozent der aus dem Osten nach Europa importierten Güter durchqueren das Land. Im Blickfeld der polnischen Verkehrsplaner stehen die beiden Verkehrskorridore RCF 5 und RCF 8. Die von Norden nach Süden verlaufende Trasse RCF 5 verbindet die polnischen Containerhäfen mit dem Hinterland in Polen und die südlichen Nachbarstaaten Tschechien* und Slowakei. Über die RCF 8 erfolgt der Transport aus Asien nach Europa.

Die Entwicklungschancen werden vor allem in einer besseren Verzahnung des Schienengüterverkehrs, der Binnenschifffahrt und des Straßenverkehrs gesehen. Ferner müsste die Geschwindigkeit der Güterzüge deutlich erhöht werden. Aktuell liegt die Geschwindigkeit der Intermodalzüge im Schnitt bei 30 km/h, die Geschwindigkeit der herkömmlichen Güterzüge beträgt gar nur 25 km/h. Diese Werte sind beispielsweise in Deutschland um ein Vielfaches höher. Dadurch ergeben sich ein größerer Zeitaufwand und höhere Kosten - weshalb die Schiene bis dato weniger attraktiv ist.

Die Geschwindigkeit der Güterzüge soll vor allem durch die Erneuerung des Schienennetzes gesteigert werden. In diesem Bereich wird seit Jahren massiv investiert - auch mit finanzieller Unterstützung der EU*. In den vergangenen vier Jahren ist der Anteil der Strecken, die mit einer Geschwindigkeit von 80 bis 120 km/h befahren werden können, um 45,7 Prozent gestiegen. Ein anderes wichtiges Element ist der praktische Weitertransport jenseits der südlichen Grenzen. Hier sind eine Verbesserung der Umladepunkte erforderlich. Und eine Infrastruktur, die nicht an den Staatsgrenzen endet, sondern grenzübergreifend für den internationalen Schienengütertransport geeignet ist.

Video: Polen auf Kollisionskurs mit der EU

Auf dem Wasser vom Norden in den Süden Polens - doch es droht Streit mit Deutschland

Mit dem Fokus auf die RCF 5 plant Polen eine starke Wiederbelebung der Binnenschifffahrt. Nach der Wende 1989 ist die polnische Binnenschifffahrt fast vollständig zum Erliegen gekommen. Die alten Binnenschiffe sind kaum noch zu gebrauchen und die Infrastruktur müsste fast vollständig erneuert werden. Die Voraussetzungen sind mit knapp 4000 Kilometern an Wasserwegen sehr gut. Allerdings eignen sich aktuell noch lediglich 10 Prozent davon für die Warenbeförderung. Von besonderer Bedeutung sind auch hier die Nordsüdverbindungen E30 und E40 von der Ostsee zu den südlichen Nachbarn. Der Wassertransportweg E70 führt über die Wisła vom Westen Europas bis nach Russland.

Gerade im Verhältnis zu Deutschland ist die Aktivierung und vor allem Vertiefung der Oder für die Binnenschifffahrt von dem geplanten Cointainerhafen in Świnoujście bis nach Schlesien nicht unumstritten. Von polnischer Seite wird ein Ausbau des Grenzflusses angestrebt, der eine reguläre gewerbliche Binnenschifffahrt ermöglicht. Auch die tschechische Seite ist an diesem Ausbau sehr interessiert. Schließlich hätte Tschechien so eine Möglichkeit, Waren per Schiff Richtung Norden zu den Ostseehäfen zu bringen.

Polen will Binnenschifffahrt stärken - deutsche Umweltverbände schlagen Alarm

Auf deutscher Seite gibt es erhebliche Bedenken gegen den Ausbau der Oder, vor allem von Natur- und Umweltschutzgruppen. Die geplanten schweren Eingriffe in die Struktur des Flussbettes und die umliegende Natur betreffen vor allem Brandenburg. Es gibt noch ungeklärte Fragen in Bezug auf die Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel und die Gefahr von Überflutungen. Ein Bündnis unter Beteiligung von Bund Naturschutz warnte zuletzt vor „inakzeptablen Schäden an den Ökosystemen“, einer „Austrocknung der Auen“ - und einem größeren Hochwasserrisiko auf beiden Seiten der Oder.

Gleichzeitig wird aber auch in Potsdam darauf verwiesen, das der an der Oder gelegene Standort Schwedt mit seiner Industrie durchaus von der neuen Wasserstraße profitieren könnte. Die Anbindung an die Ostsee über die Oder könnte auch anderen Wirtschaftszweigen in Brandenburg sehr gelegen kommen. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Aleksandra Fedorska

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