Mareike Daum

PR-Aktion? Ex-CSU-Frau wirft Partei Sex-Mobbing vor

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Mareike Daum (33), Ex-Pressereferentin in der CSU-Parteizentrale, wirft CSU-Politikern Geilheit, Diskriminierung und Mobbing vor. Am 8. März erscheint ihr Buch "High Heels an die Macht: Feminismus, aber sexy" (Monogramm Verlagsgesellschaft, 205 Seiten, 13 Euro).

München - Mareike Daum (33), Ex-Pressereferentin in der CSU-Parteizentrale, wirft CSU-Politikern Geilheit, Sexismus und Mobbing vor. Sind die Vorwürfe eine PR-Aktion für ihr Buch?

Update, 25. Februar: Die angeblichen Enthüllungen über Sex-Mobbing in der CSU sorgen für Wirbel. Einige Behauptungen der früheren CSU-Pressereferentin Mareike Daum geben aber Anlass zum Zweifeln.

PR-Aktion? Ex-CSU-Frau wirft Partei Sex-Mobbing vor

Keine Frage: Buchautorin und Ex-CSU-Pressereferentin Mareike Daum weiß, dass sie eine attraktive Frau ist. Auf ihrer Facebook-Seite zeigt die Blondine sich auf etlichen Bildern im superkurzen Minikleid und High Heels. Lasziv lächelt sie in die Kamera. Auf einem Bild räkelt sie sich (abermals in Mini und Stöckelschuhen) auf der Motorhaube eines Autos. Ein Bild wie man es bevorzugt in Tuning-Katalogen findet.

Die studierte Politikwissenschaftlerin, die ihre weiblichen Reize gerne zur Schau stellt, überzieht die CSU nun mit Sexismus-, Belästigungs- und Mobbing-Vorwürfen. Fünf Jahre arbeitete sie in der CSU-Parteizentrale. Im Januar kündigte sie. Geblieben ist jede Menge Wut: "Die Partei ist eine Ansammlung von geilen, alten und frustrierten Männern", verkündet sie in der "Bild"-Zeitung (Mittwochausgabe). Die Vorwürfe werden pünktlich vor Erscheinen ihres Buches "High Heels an die Macht: Feminismus, aber sexy" laut. (ab 8. März im Handel, Monogramm Verlagsgesellschaft, 205 Seiten, 13 Euro) Gegenüber dem Boulevardblatt klagt Mareike Daum: "Als attraktive Blondine erntete ich von den meisten Männern in der CSU-Parteizentrale nur einen Cocktail aus lüsternen Blicken und Diskriminierung." Der Mitarbeiter eines hohen CSU-Politikers habe ihr sogar eindeutige Angebote gemacht, berichtet sie in der "Bild" und konkretisiert: "Er wollte mir an die Wäsche."

Diese Sex-Vorwürfe hat sich Mareike Daum allerdings exklusiv für die "Bild"-Zeitung aufgehoben. In dem Buch, das unserer Onlineredaktion vor dem Verkaufsstart bereits vorliegt, findet sich davon nämlich nichts. Über weite Strecken philosophiert sie über die Stellung der Frau in der Gesellschaft und vor allem im Berufsleben. Eingehend behandelt Mareike Daum feministische Kernthemen wie Frauenquote, Kinderbetreuung, Gender-Mainstreaming, die Femen-Nackedeis oder Barbie-Puppen. Ihr Kernanliegen: Feminismus mit Sex-Appeal verbinden. "Es ist meiner Meinung nach also überhaupt kein Widerspruch, emanzipiert und gleichzeitig sexy weiblich zu sein. Im Gegenteil! Es passt hervorragend zusammen!" So weit so unspektakulär.

Ex-CSU-Pressereferentin Mareike Daum: Sex-Vorwürfe tauchen im Buch gar nicht auf

Allerdings berichtet Mareike Daum in ein paar kurzen Passagen über Mobbing von Kolleginnen in der CSU-Parteizentrale. Das kam laut ihren Angaben aber ausschließlich von Frauen: "Einige Kolleginnen von mir waren echte Bitches", schreibt sie und zählt ein paar Vorfälle auf. Unter anderem ein Gezänk in der Tiefgarage. "Einmal parkte ich in der Tiefgarage die Kollegin Z zu. Natürlich nicht aus Rücksichtslosigkeit sondern schlichtweg aus Platzmangel. Als sie weg musste, ließ ich alles liegen, um sofort unten zu sein und meinen Wagen wegzufahren. Ich entschuldigte mich höflich und lächelte sie an. Kollegin Z schrie mich an: 'Wenn du das nächste Mal zu dumm zum Parken bist, hat dein Auto einen Kratzer.' Wie bitte? Was für eine Bitch, dachte ich. Ich weigerte mich zu glauben, dass eine derartige Frechheit durchkommen könnte und beschwerte mich über Kollegin Z. Konsequenzen? Für sie keine. Ich sollte meine Parkweise überdenken."

Ein weiterer Mobbing-Vorfall, den Mareike Daum schildert, handelt von einer Kollegin, die sich in ihrem Büro über ihren "unprofessionellen Kleidungsstil" beschwerte. Während eines Wahlkampfes habe diese Dame ("ein richtiges Miststück") sich in der CSU-Parteizentrale für jedermann hörbar über Mareike Daums Parfüm beschwert: "Was riecht denn hier so nach billigem, osteuropäischen Nuttenpuff? Oh Mareike, das kommt aus deiner Richtung."

In ihrem Buch beklagt sie sich ansonsten vor allem darüber, dass die CSU im Allgemeinen und die Parteizentrale im Besonderen de facto männerdominiert sei. So eine Überraschung aber auch. In der "Bild" packt sie dafür einige deutlich skandalösere Vorwürfe aus. Etwa diesen: Nachdem ihr ehemaliger Chef Alexander Dobrindt das Amt des CSU-Generalsekretärs aufgab, um als Verkehrsminister nach Berlin zu wechseln, sei sie in der Parteizentrale fortwährend gemobbt worden. Und von der Pressestelle ins Archiv verbannt worden.

Der "Bild"-Zeitung ließ Mareike Daum ein ärztliches Gutachten zukommen, in dem ihr Mobbing bestätigt wurde. Auf einem Foto des Schreibens ist zu lesen: "Ausgeprägtes Mobbing am Arbeitsplatz mit Vorenthalten von Informationen, persönliche Beleidigung, Stellung inadäquater Aufgaben. Zunahme von Migräne und Spannungskopfschmerz." Fazit des Mobbing-Gutachtens: "Aus ärztlicher Sicht wird dringend zu einem anderen Arbeitsplatz geraten." Was Mareike Daum auch tat und laut "Bild" zum 31. Januar 2015 die Aufhebung ihres Arbeitsvertrags unterschrieb - gegen eine Abfindung von 15.000 Euro.

Was sagt die CSU zu den Vorwürfen? Gegenüber der "Bild"-Zeitung weist CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer die Anschuldigungen zurück: "Frau Daum wurde vor meiner Zeit eingestellt. Ansonsten äußern wir uns grundsätzlich nicht zu Mitarbeiterangelegenheiten."

fro

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