Psychologe: „Tatort Internet“ ohne abschreckende Wirkung

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Berlin. Die RTL-II-Sendung „Tatort Internet“ hat nach Ansicht des Berliner Sexualtherapeuten Christoph Joseph Ahlers keine abschreckende Wirkung auf pädophile Triebtäter.

„Für diese Personen wird ein solches TV-Format dazu führen, dass sie ihre Vorsicht in ihrer Vorgehensweise erhöhen. Sie werden ihre Anstrengungen steigern, um nicht überführt zu werden“, sagte Ahlers der „Berliner Zeitung“ (Wochenendausgabe).

Ahlers hat dutzende Pädophile betreut, er ist Mitinitiator des Präventionsprojekts „Dunkelfeld“ für Menschen, die auf Kinder gerichtete sexuelle Neigungen verspüren.

Der Psychologe sagte weiter, Pädophile seien präventiv so gut wie nicht erreichbar. Er glaube auch nicht daran, dass den Menschen in jedem Fall zu helfen sei, die für die Sendung in die Falle gelockt wurden. Viele suchten sich dann lediglich Hilfe, um sich mit dem Argument, nun in Therapie zu sein, eine günstigere Position für ein mögliches Strafmaß zu verschaffen. „Wir wissen aber auch, dass das Therapiemotiv schlagartig nachlässt, sobald die Gefahr gebannt scheint, wenn etwa ein Prozess glimpflich ausgeht.“

Ahlers kritisierte die Sendung scharf. Sie diene vor allem dazu, Zuschauer mit einem Gruselszenario zu versorgen. Die Mehrheit aller sexuellen Übergriffe finde jedoch in der gesellschaftlichen Mitte der Familien und dem Umfeld der Kinder statt, von mittelbaren oder unmittelbaren Angehörigen. „Das ist schwer auszuhalten. Deswegen kommen Formate gut an, die ein eindeutiges Feindbild als Randgruppe der Gesellschaft entwerfen.“

dpa

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