Weitere 30 Menschen kommen frei

Putin: Edle Motive bei Greenpeace-Aktivisten

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Wladimir Putin

Moskau - Präsident Wladimir Putin hat den in Russland festgenommenen Greenpeace-Aktivisten "edle Motive" bescheinigt. Trotzdem rechtfertigt er das Vorgehen gegen die Naturschützer.

"Doch der Zweck heiligt nicht die Mittel", sagte er am Donnerstag während eines im Fernsehen übertragen Treffens mit Schriftstellern. Einige Aktivisten der Umweltschutzorganisation hätten versucht, eine Ölplattform zu erklimmen, andere hätten die russische Küstenwache "angegriffen". Das sei "nicht richtig" gewesen, fügte Putin hinzu.

Unterdessen kamen zehn weitere der 30 Menschen, die sich auf dem Greenpeace-Schiff "Arctic Sunrise", befunden hatten und von der russischen Marine festgenommen worden waren, auf freien Fuß. Nach Greenpeace-Angaben handelte es sich um den Sprecher der Umweltschutzorganisation in Russland, Andrej Allachverdow, die Schiffsärztin Jekaterina Saspa, der Pressefotografen Denis Sinjakow sowie sieben Aktivisten aus Neuseeland, Frankreich, Italien, Finnland, Argentinien, Polen und Dänemark.

Für die Freigelassenen hinterließ Greenpeace eine Kaution von jeweils zwei Millionen Rubel (45.000 Euro). Am Mittwochabend konnte als erste bereits die Brasilianerin Ana Paula Maciel ihr Gefängnis in St. Petersburg verlassen. Zwei Gerichte in der westrussischen Stadt hatten zuvor beschlossen, 26 der Festgenommenen gegen Zahlung der Kaution freizulassen. Die Untersuchungshaft für den 59-jährigen Australier Colin Russell wurde dagegen bis Ende Februar verlängert.

Nach russischer Gesetzgebung besteht die Möglichkeit, dass die Aktivisten nach ihrer Freilassung in Hausarrest genommen werden oder einer Residenzpflicht in St. Petersburg unterliegen. Dass sie Russland in der Zeit vor ihrem Prozess verlassen können, ist unwahrscheinlich.

Die russische Küstenwache hatte den Greenpeace-Eisbrecher am 19. September in der Barentssee aufgebracht. Die Aktivisten wollten mit ihrer Protestaktion auf die Gefahren der Ölförderung für die Umwelt in der Arktis aufmerksam machen. Die Festnahme der Aktivisten rief international scharfe Proteste hervor.

Betroffen sind insgesamt 28 Aktivisten und zwei Journalisten aus 18 Ländern. Sie waren zunächst in der nördlichen Hafenstadt Murmansk inhaftiert, wurden später aber nach St. Petersburg verlegt. Ihnen soll wegen "Rowdytums" der Prozess gemacht werden, offiziell wurde aber auch der Tatvorwurf der gemeinschaftlichen Piraterie noch nicht fallen gelassen. Rowdytum kann in Russland mit bis zu sieben Jahren, Piraterie mit bis zu 15 Jahren Haft geahndet werden.

afp

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