Bomben, Flaschen und Steine fliegen

Schwere Krawalle bei Generalstreik in Athen

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Während eines Generalstreiks in Griechenland haben sich Demonstranten und die Polizei am Donnerstag heftige Auseinandersetzungen geliefert.

Athen - Während eines Generalstreiks in Griechenland haben sich Demonstranten und die Polizei am Donnerstag heftige Auseinandersetzungen geliefert.

Hunderte Protestierende schleuderten in Athen Brandbomben, Steine und Flaschen auf die Beamten. Die Polizisten antworteten mit dem Einsatz von Tränengas und Blendgranaten. Rund 50 Menschen seien festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Eine Kundgebung in Thessaloniki im Norden des Landes ging hingegen friedlich zu Ende. Unterdessen dürfte am Rande des EU-Gipfels in Brüssel auch über die finanzielle Zukunft Griechenlands debattiert worden sein.

Die Zusammenstöße auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament in Athen dauerten Stunden. Dabei seien vier Demonstranten verletzt worden, sagten Sanitäter. Das Gesundheitsministerium teilte mit, zwei Menschen würden wegen leichter Verletzungen in Krankenhäusern behandelt. Ein 65-Jähriger habe noch vor Beginn der Unruhen einen tödlichen Herzinfarkt erlitten, sagten die Organisatoren der Demonstrationen.

Schwere Krawalle bei Generalstreik in Athen

Schwere Krawalle bei Generalstreik in Athen

Mit dem zweiten Generalstreik innerhalb eines Monats protestierten die griechischen Gewerkschaften gegen das strikte Sparprogramm der Regierung. Unter anderem legten die Angestellten im öffentlichen Nah- und Fernverkehr für einen Tag die Arbeit nieder. Auch Taxifahrer und Einzelhändler in Athen und anderen Städten beteiligten sich an dem Ausstand. Schulen, Kliniken und Geschäfte blieben geschlossen, zahlreiche Flüge wurden gestrichen.

Die griechische Regierung verhandelt derzeit mit der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über ein neues Sparprogramm. Geplant sind Kürzungen in Höhe von elf Milliarden Euro bei der Renten- und Krankenversicherung sowie Steuererhöhungen im Umfang von 2,5 Milliarden Euro. Die Maßnahmen sind Voraussetzung für die Auszahlung weiterer Notkredite.

„Sumpf der Rezession“

„Wir sinken in einen Sumpf der Rezession, und es wird immer schlimmer“, sagte der Vorsitzende des Verbands der Kleinunternehmer (GSEVEE), Dimitris Asimakopoulos. „180.000 Firmen sind bedroht, und 70.000 von ihnen müssen wohl in den nächsten Monaten schließen.“

Beobachter gehen davon aus, dass die griechische Wirtschaft bis Ende kommenden Jahres gegenüber dem Niveau von 2008 um ein Viertel geschrumpft sein dürfte. „Im Allgemeinen haben wir uns von schlecht zu noch schlechter bewegt“, sagte der 85-jährige Rentner Giorgos Ierodimos. „Gehälter sind gekürzt worden, Pensionen sind gekürzt worden. Alles wird teurer. Wie sollen die Menschen leben? Wie sollen wir leben?“

Gleichzeitig traf sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihren 26 EU-Kollegen auf den Gipfel in Brüssel. Um frische Finanzhilfen zu erhalten, muss die Regierung in Athen strikte Sparvorgaben der Troika erfüllen. Die griechischen Gewerkschaften halten die Vorgaben für zu hart.

„An diesem Gipfel-Tag in Brüssel wollen wir den Spitzen der Europäischen Union sagen: 'Es ist genug. Wir können nicht mehr ertragen'“, sagte der Generalsekretär der Gewerkschaft ADEDY, Ilias Iliopoulos. „Das ist Europas nicht würdig. Es ist eine Politik der Ausbeutung, der Profiteure und Kredithaie.“

Von Derek Gatopoulos

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