Mindestens ein Toter - Oppositionsführer um Deeskalation bemüht

Schwerste Zusammenstöße auf Tahrir-Platz seit Mubaraks Sturz

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Auf dem Thrir-Platz kam es wieder zu schweren Zusammenstößen.

Kairo - Auf dem Kairoer Tahrir-Platz hat es am Wochenende die schwersten Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Husni Mubarak vor zwei Monaten gegeben.

In der Nacht zum Samstag gingen nach Augenzeugenberichten Hunderte Sicherheitsbeamte mit Tränengas, Gummigeschossen und scharfer Munition gegen Demonstranten vor. Mindestens ein Mensch wurde nach amtlichen Angaben getötet und 71 wurden verletzt. Augenzeugen sprachen von mindestens einem weiteren Toten.

Führer der Protestbewegung waren danach bemüht, die Lage zu beruhigen. Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei erklärte auf seiner Facebook-Seite, zwischen Militär und Volk müsse weiterhin Vertrauen herrschen. Das sei eine "rote Linie zum Schutz der Nation". Zum Dialog gebe es keine Alternative.

Die Militärführung, die seit Mubaraks Rücktritt am 11. Februar praktisch die Macht in Ägypten ausübt, versuchte, die Zusammenstöße auf dem symbolträchtigen Tahrir-Platz herunterzuspielen. In einer Erklärung wurde dementiert, dass es einen Toten gegeben habe. Offenbar um sich von dem Zwischenfall zu distanzieren, hieß es weiter, nicht Soldaten, sondern Polizisten unter der Kontrolle des Innenministeriums hätten den Platz gestürmt.

Das Gesundheitsministerium bestätigte dagegen, dass eine Person auf dem Tahrir-Platz ums Leben gekommen sei. Ärzte im Krankenhaus Kasr el Aini sagten, am Samstag seien zwei Menschen erschossen worden und sie hätten 35 Verletzte behandelt.

Demonstranten fordern Rücktritt von Verteidigungsminister Tantawi

Nach der gewaltsamen Räumung strömten Tausende Demonstranten auf den Tahrir-Platz zurück. Sie ignorierten dabei ein Ausgehverbot, weitere Zusammenstöße gab es aber nicht. Die Demonstranten blockierten die Straßen, die zu dem Platz führen und sperrten die Eingänge mit Stacheldraht ab. Sie kündigten an, dort auszuharren, bis Verteidigungsminister Hussein Tantawi zurücktritt. Er regiert das Land derzeit an der Spitze eines Militärrats.

Die Militärpolizei, die ein Zeltlager auf dem Platz stürmte, wurde unterstützt von gepanzerten Fahrzeugen. Augenzeugen sagten, die Soldaten hätten zahlreiche Menschen in Polizeifahrzeuge gezerrt. Die Demonstranten hatten eine Menschenkette um mehrere Heeresoffiziere gebildet, die sich entgegen dem Befehl ihrer Vorgesetzten dem Protest angeschlossen hatten.

Zahlreiche Demonstranten flüchteten in eine nahegelegene Moschee, die von den Soldaten umstellt wurde. Über Stunden waren Schüsse zu hören.

Nur wenige Stunden zuvor hatten Zehntausende auf dem Tahrir-Platz demonstriert. Es war eine der größten Kundgebungen seit Wochen. Die Demonstranten forderten die strafrechtliche Verfolgung von Mubarak und seiner Regierung. Stärker als bei früheren Protesten übten die Demonstranten auch direkte Kritik am Obersten Rat der Streitkräfte und an Tantawi, einem früheren Parteigänger Mubaraks.

Mubarak und seine Familie stehen in einem Präsidentenpalast im Badeort Scharm el Scheich am Roten Meer unter Hausarrest. Ihr Vermögen wurde eingefroren. Bei vielen Ägyptern wächst aber die Ungeduld, weil immer noch keine Schritte gegen Mubarak und seine Familie unternommen wurden.

dapd

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