Nachdenken im Ferienhaus

Spitzenkandidat für 2013? Seehofer ziert sich

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Horst Seehofer will im Ferienhaus über die Zukunft nachdenken.

München - Horst Seehofer hat eine Scheinfrage aufgeworfen: Er will jetzt in seinem Ferienhaus überlegen, ob er CSU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2013 wird. Das ist reine Koketterie. Seehofer will nicht nur - er muss.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) will in den Sommerferien über seine Zukunft nachdenken: Er will seinen Arzt konsultieren, seine Familie befragen, um dann im September bekanntzugeben, ob er CSU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2013 wird. Die Reaktionen in CSU-Vorstand und Kabinett: Erheiterung, gemischt mit leichtem Tadel. Denn für die Parteifreunde ist völlig klar, dass Seehofer sich im neuesten Ein-Personen-Stück nur zum Schein ein wenig ziert und zu Dekorationszwecken ein wenig Petersilie auf der Bühne verstreut. Sofern nicht ein unvorhersehbarer Zwischenfall eintritt, ist sonnenklar: Seehofer will kandidieren und wird kandidieren. Und für den äußerst unwahrscheinlichen Fall, dass Seehofer tatsächlich plötzlich kneifen wollte: Er muss. Er kann gar nicht anders. “Da gibt's überhaupt keinen Zweifel“, sagt ein Kabinettsmitglied grinsend.

“Das ist doch eher zum Lachen“, meint ein zweiter aus der Runde am Dienstag nach der letzten Kabinettssitzung vor der Sommerpause. “Es wird jetzt keine Spannung bei neun Millionen Wählern aufkommen, ob Seehofer kandidiert“, prophezeit auch ein CSU-Vorstand. Finanzminister Markus Söder wird in der Pressekonferenz auf das Thema angesprochen und antwortet: “Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass er unsere Nummer Eins ist und bleibt.“

Es gibt mindestens sieben Gründe, warum Seehofer CSU-Spitzenkandidat wird und werden muss, die von seinen Kollegen in unterschiedlicher Gewichtung aufgezählt werden. Grund eins: “Das ist doch sowieso keine Frage“, meint ein viertes Kabinettsmitglied. “Er ist Ministerpräsident, und der Ministerpräsident kandidiert.“ Grund zwei: Seehofer wolle, und er wolle unbedingt, sagt einer der Befragten. Grund drei: Die CSU hat ohnehin keine Alternative, und sogar die Seehofer-Skeptiker und Seehofer-Gegner seien sich einig, dass er antreten müsse, sagt der CSU-Vorstand.

Grund vier: Seehofer will nach Überzeugung seiner Vorstandskollegen ins CSU-Geschichtsbuch eingehen. Als Interims-Ministerpräsident, der sich nie einer Wahl gestellt hat, würde Seehofer dagegen höchstens als Fußnote ins christsoziale Geschichtsbuch eingehen - als Hasenfußnote. In Seehofers Selbstverständnis aber schließen sich die Begriffe “Seehofer“ und “Hasenfuß“ gegenseitig aus.

Grund fünf: Seehofer hat mehrfach gesagt, der CSU-Vorsitz sei sein Lebenstraum. Und CSU-Chef könnte er nicht bleiben, wenn er als Ministerpräsident kneift. Grund sechs: Seehofer hat in vergangenen Jahren mehrfach angedeutet, dass er es als historischen Auftrag sieht, die CSU wieder zu alter Stärke zurückzuführen. Das kann er nicht, wenn er nicht die CSU in die Wahl führt. Grund sieben: Seehofer hat vor CSU-Kollegen wie vor Journalisten viele Male bekundet - halb im Scherz, halb im Ernst - seine Amtszeit werde noch viel länger dauern als alle glaubten.

Warum also tut Seehofer so, als stünde seine Spitzenkandidatur zur Disposition? “Er will die Schlagzeilen beherrschen“, sagt der CSU-Vorstand. “Reine Koketterie. Die sehe ich aber eher zum Nachteil der CSU.“ Mehrere Parteifreunde merken an, dass Seehofer am Montag in der CSU-Vorstandssitzung mit keinem Wort seine Überlegungen erwähnte, ob er wirklich antreten will. Er teilte seinen Kollegen lediglich mit, dass er über die Verschiebung seiner Nominierung nachdenkt. Seehofers Kür war eigentlich für den Herbst gedacht, wird nun aber wohl auf das Frühjahr 2013 verschoben.

Seehofers Kalkül: Die Bürger wollten keinen Dauerwahlkampf. Den will Seehofer der SPD und ihrem Spitzenkandidaten Christian Ude überlassen. Der CSU-Chef stellt sich offensichtlich eher vor, noch für einige Monate mit staatsmännisch festen Blick den bayerischen Regierungsdampfer durch stürmische Seen zu lenken, während die Konkurrenz schon die schaukelnden Wahlkampfboote zu Wasser gelassen hat. Das halten die befragten CSU-Spitzenpolitiker sämtlich für stichhaltig.

Nachdenken über seine Kandidatur will Seehofer nun in seinem Ferienhaus im Altmühltal - beim Anblick von Rehen und Wildschweinen, Wald und Wiesen, wie er sagte. Seehofers Denkprozesse lösen in der CSU gelegentlich Sorgen und Ängste aus. Verlustängste gehören aber nicht dazu.“Also ich mache mir keine Sorgen, dass wir ihn verlieren“, scherzt ein Kabinettsmitglied.

dpa

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