Roth-Nachfolge

Simone Peter will Grünen-Chefin werden

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Simone Peter, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen im saarländischen Landtag

Berlin - Die Neuaufstellung bei den Grünen geht nach dem Rückzug der Gründergeneration weiter. Bislang unbekannte Köpfe drängen in die erste Reihe.

Im Machtkampf bei den Grünen bringen sich neue Köpfe in Stellung. Die ehemalige Umweltministerin im Saarland, Simone Peter (47), kündigte am Donnerstag ihre Bereitschaft für eine Kandidatur als Parteichefin an. Sie könnte bei einem bald anstehenden Parteitag auf die langjährige Grünen-Vorsitzende Claudia Roth folgen. Um die Fraktionsspitze wird es eine Kampfabstimmung geben: Nach Anton Hofreiter und Katrin Göring-Eckardt erklärte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Kerstin Andreae (44) ihre Kandidatur.

Mit ihrer Ankündigung wolle sie signalisieren, dass sie für eine Kandidatur bereit sei, sagte Peter der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Endgültig wolle sie sich an einem kleinen Parteitag am Samstag entscheiden. Zuvor hatte Peter sich auf ihrer Homepage entsprechend erklärt. Auch Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke hielt sich am Donnerstag eine Kandidatur für den Parteivorsitz offen.

Andreae sagte der dpa: „Ich kandidiere.“ Ihren Schritt hatte sie zuvor im Kurznachrichtendienst Twitter mitgeteilt. Die Abgeordneten Hofreiter von der Parteilinken und Göring-Eckardt von den Realos hatten bereits ihre Bewerbung um den Fraktionsvorsitz angekündigt. Ihr Leitungsamt bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) legt Göring-Eckardt nieder. Während des Wahlkampfes hatte sie ihr Amt als Präsidentin des EKD-Kirchenparlaments lediglich ruhen lassen.

Würden Peter, Andreae und Hofreiter auf die Spitzenposten gewählt, könnte es sein, dass lediglich Parteichef Cem Özdemir als bekannteres Gesicht in der Führung übrig bleibt. Er hatte angekündigt, sich erneut zur Wahl stellen zu wollen.

Göring-Eckardt stand gemeinsam mit Fraktionschef Jürgen Trittin an der Spitze des Grünen-Wahlkampfs. Er hatte ebenso wie Claudia Roth und Fraktionschefin Renate Künast angekündigt, nicht mehr in führender Rolle weitermachen zu wollen.

Diese Politiker treten vorerst aus dem Rampenlicht

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Dirk Niebel (FDP) - Beinahe wäre der 50-Jährige über einen Teppich gestolpert. Der Entwicklungsminister hatte in Afghanistan einen Teppich gekauft, später wurde er am Zoll vorbei mit einem BND-Flug nach Deutschland gebracht. Die legendäre Niebel-Kappe ist inzwischen im Haus der Geschichte, der Mützenträger nimmt seinen Hut. © picture alliance / dpa
Daniel Bahr (FDP) - Wenn es um die Zukunft der FDP ging, fiel fast immer der Name des 36-Jährigen. Dann übernahm er das Gesundheitsministerium und es wurde ruhiger um ihn. Wie seine Rolle beim Wiederaufbau der Partei aussehen kann, ist völlig unklar. © dpa
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) - Erst flog ihre Bayern-FDP aus dem Parlament, eine Woche später muss sie aus dem Bundestag ausziehen. Ihren Landesvorsitz in Bayern gab sie am Montag schon mal auf. Ob sie beim Umbau der Bundespartei mithilft, ist offen. © dpa

Peter sagte der dpa: „Nach dem schlechten Wahlergebnis müssen sich die Grünen wieder auf ihre Kernthemen besinnen.“ Ihre Erfahrungen als Umweltministerin und Landtagsabgeordnete wolle sie für den Parteivorsitz und für eine schlagkräftige, grüne Partei einsetzen. „Eine schwarz-grüne Koalition auf Bundesebene sehe ich nach den Erfahrungen in Hamburg und im Saarland sehr kritisch“, sagte Peter. Die 47-Jährige war in der Anfang 2012 geplatzten Jamaika-Koalition zwischen CDU, Grünen und FDP Umweltministerin im Saarland.

Andreae schrieb in einer Mail an die Abgeordneten der Fraktion, die der dpa vorlag: „Ich habe mich dazu entschlossen, weil ich meinen Beitrag dafür leisten will, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.“ Sie betonte: „Inhaltliche Neuaufstellung bedeutet auch, Bisheriges zu hinterfragen, auch zu korrigieren, ohne an unseren ökologischen und sozialen Grundsätzen zu zweifeln.“

Andreae gehört wie Göring-Eckardt dem Realo-Flügel an. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass sich die Abgeordneten zwischen diesen beiden Kandidatinnen entscheiden werden. Hofreiter gilt als Kandidat der Parteilinken als gesetzt. Aber auch weitere Kandidaturen bis zur Wahl in der Fraktion am 8. Oktober sind möglich. In der Partei wird noch diskutiert, ob der nächste Parteitag im Oktober oder November stattfinden soll. Hier werden Parteivorstand und Parteirat gewählt.

Zu einer Koalition mit der Union sagte Fraktionsvize Bärbel Höhn in N24 : „Wir werden jetzt nicht Schwarz-Grün bekommen. Ich glaube, ich könnte darauf wetten.“

dpa

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