Für 2013 gekürt

"Sozialtourismus" ist Unwort des Jahres

Sozialtourismus Unwort des Jahres
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"Sozialtourismus", das "Unwort des Jahres" entstand in der Diskusssion um die Gewährung von Sozialleistungen für Bürger anderer EU-Staaten - vor allem für Arbeitslose.

Darmstadt - „Sozialtourismus“ ist das Unwort des Jahres 2013. Das gab die Jury der sprachkritischen Aktion am Dienstag in Darmstadt bekannt.

Das "Unwort" entstand in der Diskussion um die Gewährung von Sozialleistungen für Bürger anderer EU-Staaten - vor allem für Arbeitslose.

2012 war die Bezeichnung „Opfer-Abo“ von TV-Wettermoderator Jörg Kachelmann auf Platz eins der Liste gelandet.  Damit behauptete er, dass Frauen in Deutschland Männer leicht fälschlicherweise einer Vergewaltigung beschuldigen könnten.

Die Jury kürt das Unwort des Jahres seit 1991.  Unabhängig davon hatte die Gesellschaft für deutsche Sprache den Begriff „GroKo“ im Dezember 2013 zum „Wort des Jahres“ erkoren.

Die Aktion will das Sprachbewusstsein und die Sprachsensibilität in der Bevölkerung fördern. Dazu benennt eine Jury aus sechs Experten ihrer Ansicht nach unangemessene oder inhumane Formulierungen, um damit zu sprachkritischer Sorgfalt aufzufordern.

Die Jury besteht aus vier Sprachwissenschaftlern, einem Journalisten sowie einem jährlich wechselnden Mitglied aus dem Bereich Kultur und Medien. Sie arbeitet institutionell unabhängig, Unwortvorschläge können jedes Jahr bis zum 31.12. eingereicht werden.

Die Unwörter der vergangenen Jahre

Die Unwörter der vergangenen Jahre

Unwort des Jahres
„Lügenpresse“ ist das „Unwort des Jahres 2014“. Das Schlagwort „war bereits im Ersten Weltkrieg ein zentraler Kampfbegriff und diente auch den Nationalsozialisten zur pauschalen Diffamierung unabhängiger Medien“, hieß es zur Begründung. © dpa
Unwort des Jahres
"Sozialtourismus", das "Unwort des Jahres" 2013 entstand in der Diskusssion um die Gewährung von Sozialleistungen für Bürger anderer EU-Staaten - vor allem für Arbeitslose. © dpa
Das Unwort des Jahres 2012 ist "Opfer-Abo". Das Schlagwort wurde einer Äußerung von Jörg Kachelmann zugeordnet. Der Schweizer Moderator hatte im Herbst davon gesprochen, dass Frauen in der Gesellschaft ein "Opfer-Abo" hätten. © dpa
Unwort des Jahres
"Döner-Morde" wurde zum "Unwort 2011" gewählt. Das Schlagwort verharmlose die Mordserie an acht türkischstämmigen und einem griechischen Kleinunternehmer. © dpa
Unwort des Jahres im Rückblick
Für das Jahr 2010 wurde "alternativlos" zum Unwort des Jahres gewählt. "Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe", sagte der Sprecher der Unwort-Jury in Frankfurt. © dpa
Unwort des Jahres im Rückblick
"Betriebsratsverseucht" ist das Unwort des Jahres 2009. © dpa
Unwort des Jahres im Rückblick
2008: "Notleidende Banken" (Das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise wird rundweg auf den Kopf gestellt. Während die Volkswirtschaften in ärgste Bedrängnis geraten und die Steuerzahler Milliardenkredite mittragen müssen, werden die Banken mit ihrer Finanzpolitik, durch die die Krise verursacht wurde, zu Opfern stilisiert.) © dpa
Unwort des Jahres im Rückblick
2007: "Herdprämie" (Das Wort diffamiert Eltern, insbesondere Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen, anstatt einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen.) © dpa
Unwort des Jahres im Rückblick
2006: "Freiwillige Ausreise" (Gesetzes- und Behördenterminus, wenn abgelehnte Asylbewerber aus deutschen Abschiebehaftanstalten, sog. Ausreisezentren, nach intensiver „Beratung“ in ihre Herkunftsländer zurückkehren, wobei die Freiwilligkeit in vielen Fällen zweifelhaft ist) © dpa
Unwort des Jahres im Rückblick
2005: "Entlassungsproduktivität" (Gewinne aus Produktionsleistungen eines Unternehmens, nachdem zuvor zahlreiche für „überflüssig“ gehaltene Mitarbeiter entlassen wurden.) © dpa
Unwort des Jahres im Rückblick
2004: "Humankapital" (degradiert Menschen zu nur noch ökonomisch interessanten Größen) © dpa
Unwort des Jahres im Rückblick
2003: "Tätervolk" (grundsätzlich inakzeptabler Kollektivschuldvorwurf) © dpa
Unwort des Jahres im Rückblick
2002: "Ich-AG" (Reduzierung von Individuen auf sprachliches Börsenniveau) © dpa
Unwort des Jahres im Rückblick
2001: "Gotteskrieger" © dpa
Unwort des Jahres im Rückblick
2000: "national befreite Zone" (zynisch heroisierende Umschreibung einer Region, die von Rechtsextremisten terrorisiert wird) © dpa
Unwort des Jahres im Rückblick
1999: "Kollateralschaden" (Verharmlosung der Tötung von Menschen im Krieg) © dpa
Unwort des Jahres im Rückblick
1998: "sozialverträgliches Frühableben" (Zitat des Ärztepräsidenten Karsten Vilmar) © dpa
Unwort des Jahres im Rückblick
1997: "Wohlstandsmüll" (Beschreibung Arbeitsunwilliger und Arbeitsunfähiger durch Helmut Maucher vom Nestlé-Konzern) © dpa
Unwort des Jahres im Rückblick
1996: "Rentnerschwemme" (Umschreibung arbeitsunwilliger wie -unfähiger Menschen) © dpa
Unwort des Jahres im Rückblick
1995: "Diätenanpassung" (Beschönigung der Erhöhung von Bezügen für Bundestagsabgeordnete) © dpa
Unwort des Jahres im Rückblick
1994: "Peanuts" (Äußerung des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Hilmar Kopper über die 50-Millionen-Ausstände des Betrügers Jürgen Schneider bei Handwerkern) © dpa
Unwort des Jahres im Rückblick
1993: "Überfremdung" (Scheinargument gegen Zuzug von Ausländern) © dpa

kna

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