Regierung weist Kritik zurück

Nach CSU-Nein: SPD sieht 163 Schulen gefährdet

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München - Alle streiten derzeit um G8 und G9. Doch es gibt auch noch andere Differenzen: Die SPD will Gemeinschafsschulen ermöglichen - und hat dafür auch betroffene CSU-Bürgermeister als Mitstreiter gewonnen.

Die Landtags-SPD, ein Schulentwicklungsexperte und mehrere betroffene Bürgermeister haben der CSU vorgeworfen, mit ihrem Nein zur Gemeinschaftsschule das Ende zahlreicher Schulstandorte billigend in Kauf zu nehmen. 163 Mittelschulen im Freistaat seien gefährdet, sagte der SPD-Bildungsexperte Martin Güll am Montag im Landtag. Der Erziehungswissenschaftler Ernst Rösner nannte diese Schätzung sogar noch optimistisch. Beide beklagten, dass die Staatsregierung Rettungsversuche betroffener Kommunen in Form von Gemeinschaftsschulen verhindere. Die der CSU angehörende Bürgermeisterin von Denkendorf (Landkreis Eichstätt), Claudia Forster, kündigte an, rechtliche Schritte gegen den entsprechenden Ablehnungsbescheid des Kultusministeriums zu prüfen. Ein Sprecher von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) wies die Kritik zurück.

Eltern mit großem Interesse an Gemeinschaftsschule

Güll und Rösner argumentierten, Mittelschulen und Mittelschulverbünde seien zum Erhalt von Schulstandorten langfristig keine Lösung. Stattdessen sollten Kommunen auf Wunsch Gemeinschaftsschulen einrichten dürfen, in denen Kinder bis zur zehnten Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Man wolle solche Schulen nicht flächendeckend, betonte Güll - aber die Kommunen sollten die Chance dazu habe. Denn damit könnten nahezu alle gefährdeten Standorte gesichert werden.

Zudem berichteten Güll, Rösner und die anwesenden Bürgermeister von großem Interesse der Eltern. Bis zu 80 Prozent hätten sich in den Gemeinden für die Einrichtung von Gemeinschaftsschulen ausgesprochen.

Der von Denkendorf und der Nachbargemeinde Kipfenberg gestellte Antrag wurde vom Ministerium mit dem Hinweis abgelehnt, dass es nicht notwendig sei, die bestehenden Schularten durch neue zu ergänzen: „Eine Einführung von Gemeinschaftsschulen ist auch für die Zukunft nicht angedacht, eine Erprobung infolgedessen nicht notwendig.“

CSU sieht pädagogische Argumente

Als Reaktion auf die von der SPD und den Bürgermeistern vorgetragene Kritik betonte das Ministerium, man setze auf den freiwilligen Zusammenschluss von Mittelschulen zu Mittelschulverbünden, „um den jungen Menschen wohnortnah ein qualitätsvolles Schulangebot zu unterbreiten“. Damit könnten trotz des massiven demografischen Wandels viele Standorte weiterführender Schulen erhalten werden. Das von der SPD bevorzugte Modell der Gemeinschaftsschulen werde darüber hinaus vielen Schülerinnen und Schülern „unter dem Gesichtspunkt einer möglichst optimalen Förderung nicht hinreichend gerecht“. „Das Bildungsministerium kann die Überlegungen von Gemeinden nachvollziehen, die aus Gründen der Ortsentwicklung unbedingt ihren Schulstandort erhalten wollen“, hieß es. „Das Ministerium rät allerdings dazu, den pädagogischen Argumenten Vorrang einzuräumen.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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