Kandidaten auf einen Blick

SPD-Vorsitz: Neuanfang mit Namenlosen - Welches Gesicht kennen Sie?

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Welche dieser Gesichter kennen Sie? Das sind die bisherigen Kandidaten für den SPD-Vorsitz.

An Kandidaten mangelt es nicht – aber an politischen Schwergewichten schon. Die Bewerber um den SPD-Vorsitz sind, mit einigen Ausnahmen, unbekannte Gesichter. Wir stellen die Kandidaten vor.

München – Der bislang hochkarätigste Kandidat für den SPD-Vorsitz, Bundesfinanzminister und Vize-Kanzler Olaf Scholz, hat sich gestern mit seiner Co-Kandidatin, der Brandenburger Landtagsabgeordneten Klara Geywitz, der Presse vorgestellt. Geywitz ist wie ein Großteil der bisher kandidierenden 17 Genossen bundesweit weitgehend unbekannt. Bis zum 1. September können sich noch weitere Bewerber melden.

Es ist ihr erster gemeinsamer Auftritt, als Bewerberduo aber viel Euphorie liegt nicht in ihren Sätzen. „Ich habe mich lange mit der Frage beschäftigt, was jetzt zu tun ist“, sagt Vize-Kanzler Olaf Scholz. Seine Co-Kandidatin Klara Geywitz spricht beim gestrigen Termin von einer „nicht ganz einfachen Entscheidung“. Scholz ist der bislang hochkarätigste Kandidat für den SPD-Vorsitz, Geywitz dagegen steht für das Gros der Bewerber, die quasi als Namenlose den Neuanfang der SPD stemmen wollen.

Klara Geywitz (9): Die 43-jährige Tandempartnerin von Scholz erklärte, sie wolle die „Normalbürger“ in Berlin vertreten. Geywitz war früher Vize-Landeschefin in Brandenburg und Mitglied der großen Verhandlungsrunde für den schwarz-roten Koalitionsvertrag 2018.

Boris Pistorius (11) und Petra Köpping (10): Der 59-jährige Boris Pistorius ist seit 2013 Niedersachsens Innenminister. Die 61 Jahre alte Köpping ist als Sachsens Integrations-Staatsministerin eine der wichtigsten SPD-Politikerinnen im Osten.

Petra Köpping (SPD), Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, und Boris Pistorius (SPD), Minister für Inneres und Sport von Niedersachsen.

Gesine Schwan (4) und Ralf Stegner (6): Die beiden SPD-Veteranen sind neben Scholz wohl die prominentesten Bewerber. Der 59-jährige Stegner, der immer wieder mit zugespitzten Formulierungen für Schlagzeilen sorgt, ist seit 2014 Parteivize. Der großen Koalition steht er skeptisch gegenüber. Die 76-jährige Schwan, die zweimal als Kandidatin für das Bundespräsidentenamt scheiterte, ist Chefin der Grundwertekommission ihrer Partei.

SPD-Vorsitz: Die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan (SPD) und Ralf Stegner, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein.

Hilde Mattheis (2) und Dierk Hirschel (16): Sie stehen für einen klaren Linkskurs. Als Vorsitzende des Forums Demokratische Linke 21 innerhalb der SPD zählt Mattheis schon sehr lange zu den scharfen Kritikern der Großen Koalition. Hirschel ist Funktionär bei der Gewerkschaft Verdi.

Christina Kampmann (13) und Michael Roth (7): Der Staatsminister im Auswärtigen Amt und die ehemalige NRW-Familienministerin wollen Kommunalpolitiker und Nicht-Mitglieder stärker einbeziehen.

SPD-Vorsitz: Michael Roth und Christina Kampmann.

Simone Lange (3) und Alexander Ahrens (14): Die Oberbürgermeister von Flensburg und Bautzen wollen die SPD wieder näher an die Bürger bringen. Lange, eine frühere Kriminalpolizistin, war im April 2018 bereits gegen die damalige Parteivorsitzende Andrea Nahles angetreten und hatte einen Achtungserfolg von knapp 28 Prozent erzielt. Ahrens hatte die SPD zwischenzeitlich verlassen, trat 2017 aber wieder ein.

Karl Lautberbach (8) und Nina Scheer (12): Lauterbach ist als langjähriger Gesundheitsexperte seiner Fraktion bekannt, Scheer widmet sich vor allem umwelt- und energiepolitischen Fragen.

Nina Scheer (SPD) und Karl Lauterbach (SPD).

Robert Maier (5) ist Unternehmer und Sohn der einst von der FDP zur SPD übergetretenen Ex-Abgeordneten Ingrid Matthäus-Maier.

Karl-Heinz Brunner (15):Der bayerische Bundestagsabgeordnete wendet sich wie Maier gegen eine zu linke Positionierung seiner Partei.

Hans Wallow (1) saß in den 80er und 90er Jahren für die SPD im Bundestag und will der SPD seine „lange Erfahrung sowohl in der praktischen Politik als auch in grundsätzlichen Fragen“ zur Verfügung stellen.

SPD: Seit Schröder nur bergab - Gründe für den Niedergang der stolzen Partei

Satte 40,9 Prozent holte Gerhard Schröder, als er 1998 erstmals Kanzler wurde. Nach Andrea Nahles’ Abgang dümpelt die SPD laut Umfragen bei gerade mal 14 Prozent. Doch der letzte SPD-Kanzler legte mit den bei seinen Genossen wie vielen SPD-Wählern gleichermaßen ungeliebten Hartz-Reformen den Grundstein für den Niedergang. Zu diesem internen Dauerstreit um Schröders Agenda 2010 kamen dann noch personelle Probleme: Kanzlerkandidat Peer Steinbrück erwies sich als beratungsresistenter Querkopf, der dem Wähler auf dem Cover des SZ-Magazins den Stinkefinger zeigte. Die Quittung bei der Wahl 2013: Nur 25,7 Prozent für die Genossen.

Sigmar Gabriel war dann als Parteichef oft unberechenbar – und gegenüber dem gestürzten Hoffnungsträger Martin Schulz zeigte er sich als intrigant, schmähte ihn als „den Mann mit den Haaren im Gesicht“.

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