Politikerin verteidigt sie als „meine Heldin“

Jugendliche empört mit rassistischen Gedichten bei Poetry Slam - ihre Mutter sitzt im Bundestag

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Hat ihre politischen Ansichten an ihre Tochter weitergegeben: Nicole Höchst sitzt für die AfD im Bundestag.
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Unter dem Motto „Zivilcourage“ fand in einem Einkaufscenter ein Dichter-Wettbewerb statt. Eine Teilnehmerin trägt rassistische Zeilen vor. Ihre Mutter hat bereits im Bundestag für Empörung gesorgt.

Speyer - Wie die Mutter, so die Tochter! Im Frühjahr hatte die AfD-Politikerin Nicole Höchst mit ihrer Anfrage zu Schwerbehinderten im Bundestag für Empörung gesorgt. Nun zog ihr Nachwuchs bei einem Poetry Slam im rheinland-pfälzischen Speyer auf ähnliche geschmacklose Weise nach. Die 14-jährige Tochter der Bundestagsabgeordneten trug laut Rheinpfalz bei dem Dichter-Wettbewerb unter dem Motto „Zivilcourage“ vor 100 Zuschauern Zeilen mit rassistischem Einschlag vor.

Eine Kostprobe: „Seht im Spiegel die Heuchler und liebt euren Nächsten, den Meuchler“. Dafür heimste sie auch noch genug Applaus ein, um ins Finale der drei besten unter fünf Teilnehmern vorzustoßen. Die nächste Chance des Jugendstadtrats-Mitglieds, um seine Abneigung gegen Migranten herauszuposaunen. Was die Jugendliche auch tat: „Der Neger ist kein Neger mehr, Zigeuner kann man auch nicht sagen. Rassistisch ist das beides sehr, so hört man's an allen Tagen. Wer es trotzdem wagt, wird ausgebuht.“

Veranstalter stellt den Strom ab - aber nur kurz

Buhrufe und Pfiffe schallten auch ihr entgegen, als sie ungeniert erklärte, Zivilcourage sei „für'n Arsch“. Als Reaktion darauf stellten die Veranstalter der Jugendlichen den Strom ab - was jedoch für hörbaren Unmut im Publikum führte. Und so durfte sie sogar fortfahren mit ihren verqueren Gedankengängen: „Aus fernen Ländern kam der Mann an Menschenhändler ran, mit Handy und ohne Pass in unserem gelobten deutschen Land. Weil er kein Fräulein haben kann, hilft er schnell nach mit einem Messer.“

Und so beendete sie ihren aufsehenerregenden Beitrag mit den Sätzen: „Und die Moral von der Geschicht': Steckt das Messer dir im Bauch, wie's im Orient der Brauch, kannst du lauthals nur noch schrei'n, mit Rückenwind von Linksparteien: 'Nazis raus!'“ Der Tiefpunkt folgte aber noch: Bei der Abstimmung bekam die Höchst-Tochter den lautesten Beifall und hätte sich damit sogar als Siegerin betiteln können. Doch die Veranstalter schlossen sie kurzum vom Wettbewerb aus - was abermals zu Unruhe unter den Zuschauern führte.

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Wettbewerb soll Speyer als „weltoffene, vielfältige und friedliche Stadt“ zeigen

In der Rheinpfalz erläuterte die Stadt-Sprecherin, dass einige der vorgetragenen Sätze nicht dem Wettbewerbsthema „Zivilcourage“ zuzuordnen seien, sondern eher dem Kapitel „Geistige Brandstifter schüren Ängste“. Es gehe in der Interkulturellen Woche jedoch darum, ein „klares Bekenntnis für Speyer als weltoffene, vielfältige und friedliche Stadt“ zu zeichnen.

Bundestagsabgeordnete verteidigt ihre Tochter: „Meine Heldin“

Für die AfD war das unglückliche Verhalten der Veranstalter ein gefundenes Fressen. Der Kreisverbandsvorsitzende Benjamin Haupt sprach davon, dass die Vorträge „einigen Ideologen nicht gepasst“ hätten. Höchst, die ihre Tochter via Facebook als „meine Heldin“ feierte, kritisierte die Entscheidung der Veranstalter als undemokratisch.

Für die 14-Jährige dürfte der Auftritt aber nicht ohne Folgen bleiben. Die stellvertretende Jugendstadtratsvorsitzende Corinna Schlosser zeigte sich „nur bedingt überrascht“ von den Texten und kündigte eine interne Aufarbeitung an. Die Jugendliche scheint ihrer Mutter in jedem Fall nachzueifern.

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mg

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