Zu wenig Geld für Staatsbedienstete

Beamte warnen vor Systemkollaps: „Kaputt gespart und heruntergewirtschaftet“

Auftakt Tarifverhandlungen Öffentlicher Dienst
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Im Januar fanden Tarifverhandlungen zum Öffentlichen Dienst statt. Für viele Arbeitskräfte ist der Öffentliche Dienst nicht mehr attraktiv genug - Personalnot ist die Folge.

Personalmangel macht sich auch im öffentlichen Dienst bemerkbar. Der Deutsche Beamtenbund (DBB) warnt jetzt dringlich vor einem drohenden Zusammenbruch des Systems.

  • Anfang 2018 war der DBB dem Bericht zufolge von 185.000 fehlenden Stellen im öffentlichen Dienst ausgegangen.
  • Mittlerweile fehlen laut dem Deutschen Beamtenbund sogar weit über 200.000 Beamte.
  • Ein Systemkollaps hätte weitreichende Folgen für die Gesellschaft.

Berlin - Der Deutsche Beamtenbund (DBB) sieht eine wachsende Personalnot im öffentlichen Dienst. Mittlerweile fehlten bereits „weit über 200.000 Beschäftigte“, sagte der Verbandsvorsitzende Ulrich Silberbach der Zeitung Welt laut Vorabmeldung vom Donnerstag. „Wir steuern auf einen Systemkollaps zu, wenn nicht schnell gegengesteuert wird“, warnte er weiter.

„Der öffentliche Dienst ist ein Sanierungsfall, kaputt gespart, heruntergewirtschaftet, verschlissen“, kritisierte Silberbach. Wenn der Staat jedoch nicht mehr funktioniere, habe dies "massive Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land". Der öffentliche Dienst sei wichtig für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, soziale Marktwirtschaft und Konjunktur.

Personalnot im öffentlichen Dienst: Drohender Systemkollaps wegen niedriger Gehälter

Der Rektor der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaft in Speyer, Holger Mühlenkamp, sieht eine Ursache des Problems in zu niedrigen Gehältern im Staatsdienst. Gegenüber der besser zahlenden Privatwirtschaft sei die öffentliche Hand in Zeiten eines massiven Fachkräftemangels nicht mehr konkurrenzfähig, sagte Mühlenkamp der Welt.

Auf seiner Jahrestagung am 6. und 7. Januar in Köln will der Beamtenbund dem Bericht zufolge neue Zahlen zu der Personallücke vorlegen. 

Personalmangel bei Beamten: Fehlende Fachkräfte

Schon im Oktober hatte der DBB vor einem dramatischen Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst gewarnt: In Ostdeutschland bluteten die Verwaltungen aus, weil viele Beschäftigte von westdeutschen Ländern abgeworben würden, sagte DBB-Chef Ulrich Silberbach der Augsburger Allgemeinen. „Die ohnehin schon große Personalnot in ostdeutschen Kommunen wird verschärft." Auch im Westen sei die Personalnot bei Polizei, Justiz, Steuerverwaltung und vor allem IT-Fachkräften groß.

Es helfe nicht mehr allein, dass der Staat besonders sichere Arbeitsplätze anbiete. Auch die Aussicht auf auskömmliche Pensionen locke junge Menschen leider nicht mehr ausreichend an. „Die Attraktivität des öffentlichen Dienstes hängt nicht allein vom Geld ab“, sagte Silberbach. Um mehr junge Leute zu gewinnen, „müssen wir die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, von Beruf und Pflege von Angehörigen, ja auch von Beruf und Freizeit verbessern“.

Personalnot im öffentlichen Dienst: „Spannungen, Unruhe und Unzufriedenheit“

Auch die vielfache Befristung von Stellen im öffentlichen Dienst treibe junge Menschen in die freie Wirtschaft. Für den Osten sei die volle Angleichung der Gehälter im öffentlichen Dienst an das Westniveau notwendig, forderte Silberbach. Besoldungsunterschiede von bis zu 400 Euro im Monat „lassen sich mit der unterschiedlichen Wirtschaftskraft der Bundesländer nicht mehr erklären“. Auch was Weihnachtsgeld oder Beförderungen betreffe, gebe es große Unterschiede zwischen West und Ost.

Dramatisch sei der Personalmangel auch in der Steuerverwaltung. Dies gelte insbesondere für die Betriebsprüfung. „Auch bei der Polizei fehlt in hohem Maße Personal“, betonte der DBB-Chef. So bekämen die Bürger den Eindruck, sie könnten sich nicht mehr sicher im öffentlichen Raum bewegen. „Das führt zu Spannungen, Unruhe und Unzufriedenheit, ja stärkt letztlich Parteien wie die AfD“, warnte Silberbach damals.

Im Sommer hatte auch ein Berliner Oberstaatsanwalt in einem TV-Talk drastisch gewarnt: Kriminelle lachten mittlerweile über die Justiz, meinte er.

dpa/AFP

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