Tränengas auf Kinder hinterm Stachelzaun

Kommentar: Wer dichte Grenzen will, muss mit diesen Bildern leben

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An der griechisch-mazedonischen Grenze wurden Familien und Kinder mit Tränengas beschossen.

München - Wer Obergrenzen bei Flüchtlingen fordert und Grenzen dichtmachen will, muss mit schlimmen Bildern leben. Nun sind alle EU-Mitglieder gefordert. Ein Kommentar.

In einem Europa, das sich nun seit mehr als sechzig Jahren um immer stärkere Zusammenarbeit bemüht, wirken die jüngsten Bilder von der mazedonischen Grenze äußerst verstörend. Dort durchbrachen syrische Flüchtlinge den Grenzzaun und wurden daraufhin von den Grenzbeamten mit Schlagstöcken bearbeitet und sogar mit Tränengas beschossen.

Der Ansturm der knapp 300 Migranten aus dem Irak und Syrien wurde ausgelöst durch ein falsches Gerücht, nach dem die Grenzen auf der Balkanroute wieder geöffnet werden sollten. Die Grenz-Schließungen waren von den Anrainerstaaten beschlossen worden, welche fürchteten, der schieren Anzahl der Flüchtlinge nicht mehr Herr werden zu können. Der daraus resultierende Effekt: Tausende Syrer, Iraker und Menschen anderer Nationalitäten harren seitdem in Lagern nahe der Grenze aus in der Hoffnung, ihre Flucht bald fortsetzen zu können.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bei ihrem bemerkenswerten Auftritt bei "Anne Will" am Sonntag noch vor den Effekten von geschlossenen Grenzen gewarnt: "Wenn der eine seine Grenze definiert, muss der andere leiden. Das ist nicht mein Europa." Was die CDU-Chefin damit einmal mehr anmahnte, war das Streben nach Kooperation in der EU. Den Willen, gemeinsame Probleme auch gemeinsam zu lösen. Und sich vor allem nicht abzusperren, wie es beispielsweise Politiker der Alternative für Deutschland in den letzten Monaten forderten. Ungarn hat einen solchen Weg beschritten, indem es einen hunderte Kilometer langen Zaun errichtete. Und eben die Länder entlang der Balkanroute.

Die schlimmen Bilder aus Idomeni sind ein Effekt solcher Entscheidungen. Wer hohe Zäune errichtet muss mit den Folgen leben, die diese haben. Und mit Bildern von denjenigen, die auf der anderen Seite sind. Vor 26 Jahren wurden beim Fall des Eisernen Vorhangs in Europa jede Menge Zäune eingerissen. Diese sollte man nun nicht wieder aufbauen.

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