Trotz Edathy-Affäre

Stabile Umfragewerte für GroKo-Parteien

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Die Parteivorsitzenden von SPD, Sigmar Gabriel (r), CDU, Angela Merkel, und CSU, Horst Seehofer.

Berlin - Trotz der Affäre um den früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy sind die Umfragewerte für die Koalitionsparteien bislang nahezu unverändert.

Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, würde die Union dem am Freitag veröffentlichten ZDF-"Politbarometer" zufolge unverändert auf 43 Prozent kommen. Die SPD würde einen Prozentpunkt verlieren und käme auf 24 Prozent.

Die Linke könnte einen Punkt auf zehn Prozent zulegen, die Grünen blieben konstant bei zehn Prozent. FDP und die eurokritische AfD lägen unverändert bei jeweils vier Prozent.

Allerdings hat sich das Koalitionsklima nach Ansicht der Befragten deutlich verschlechtert. Das Verhältnis von CDU/CSU und SPD bezeichnen nach 48 Prozent Anfang Januar nun 62 Prozent der Wahlberechtigten als schlecht. Nur 31 Prozent der Befragten gehen von einem guten Klima zwischen den Regierungsparteien aus. Auch die Arbeit der Bundesregierung wird etwas schlechter bewertet: Zwar sind 63 Prozent der Bürger weiterhin der Meinung, die Regierung leiste alles in allem gute Arbeit. Ende Januar vertraten diese Ansicht aber noch 74 Prozent der Befragten.

Den Rücktritt von Bundesagrarminister Hans-Peter Friedrich (CSU) findet mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) richtig. Allerdings schätzen diesen Schritt auch 42 Prozent als nicht richtig ein. Friedrich war zurückgetreten, weil er in seiner damaligen Funktion als Innenminister die SPD-Spitze im Herbst über Verdachtsmomente gegen den Abgeordneten Edathy unterrichtet hatte.

Das ist das Kabinett der Großen Koalition

Das ist das Kabinett der Großen Koalition

Kanzlerin Angela Merkel (59/CDU): Sie wollte diese dritte Kanzlerschaft unbedingt. Nach Ansicht vieler Parteimitglieder hat sie damit ihren politischen Zenit erklommen. Seit 1990 hat sie ein Bundestagsmandat, wurde unter Kanzler Helmut Kohl zunächst Frauen-, dann Umweltministerin. Als CDU-Generalsekretärin forderte sie die Partei in der Spendenaffäre auf, sich von Kohl zu lösen. 2005 wurde sie Kanzlerin einer großen Koalition, 2009 von Schwarz-Gelb. © dpa
Kanzleramtschef Peter Altmaier (55/CDU): Der bisherige Umweltminister hat nach der Entlassung seines Vorgängers Norbert Röttgen 2012 zunächst neuen Schwung in die Energiewende gebracht, konnte aber viele Probleme nicht abräumen. Der kommunikative, selbstironische Saarländer ist für Merkel ein wichtiger Mann. © dpa
Wirtschafts- und Energieministerium, Vizekanzler Sigmar Gabriel (54/SPD): 2009 wurde er jüngster Parteichef seit Willy Brandt. Der gelernte Lehrer war zudem mit 40 Jahren in Niedersachsen jüngster deutscher Ministerpräsident (1999-2003). Von 2005 bis 2009 erwarb er sich als Bundesumweltminister Ansehen und Expertise im Bereich erneuerbare Energien. © picture alliance / dpa
Finanzministerium Wolfgang Schäuble (71/CDU). Die Union kann sich keinen besseren vorstellen als den Mann mit der größten Regierungserfahrung: Er war schon Innenminister unter Kohl, Unionsfraktionschef und CDU-Chef. Er gilt als glühender Europäer, zäh und mitunter mürrisch. © dpa
Außenministerium Frank-Walter Steinmeier (57/SPD): Er war Kanzleramtschef zu rot-grünen Zeiten, strickte für Gerhard Schröder an der „Agenda 2010“ mit. Dann wurde der Jurist geachteter Außenminister (2005 bis 2009). Er ist stets exzellent vorbereitet, bürgernah, humorvoll. © dpa
Verteidigungsministerium Ursula von der Leyen (55/CDU), wechselt aus dem Arbeitsministerium ins Verteidigungsressort - als erste Frau auf diesem Posten. Das ist die größte Überraschung der Regierungsbildung. Da die SPD das Arbeitsministerium für sich beanspruchte, musste für von der Leyen ein gleichwertiges Ressort gefunden werden. Das Gesundheitsministerium - für das sie mehrfach gehandelt wurde - kam deshalb nicht in Frage. © dpa
Arbeits-und Sozialministerium Andrea Nahles (43/SPD): Die Literaturwissenschaftlerin ist seit 2009 Generalsekretärin. Sie hat erst den Wahlkampf organisiert, dann die Koalitionsverhandlungen, schließlich den Mitgliederentscheid über die große Koalition. © dpa
Gesundheitsministerium Hermann Gröhe (52/CDU): Er hat großen Anteil an dem erfolgreichen Bundestagswahlkampf, an dessen Ende 41,5 Prozent für CDU/CSU standen. Er gilt auch beim politischen Gegner als sachlich, freundlich und fair. Er kann Konflikte geräuschlos lösen und Mehrheiten beschaffen. Gröhe war in der Unionsfraktion sieben Jahre lang Sprecher für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. © dpa
Umweltministerium Barbara Hendricks (61/SPD): Barbara Hendricks war bisher vor allem eine Frau der Zahlen. Jetzt wird sie im erweiterten Umweltministerium auch für Bau zuständig sein. In Düsseldorf arbeitete die 61-Jährige fast zehn Jahre als Sprecherin für die SPD-Finanzminister der Landesregierung. © dpa
Bildungsministerium Johanna Wanka (62/CDU) wurde erst 2013 nach dem Rücktritt von Annette Schavan Bildungsministerin. Die CDU stuft das Ressort als eines der wichtigsten im Kabinett ein. Mit den Milliardenausgaben für die Forschung kann man mit diesem Haus viele Punkte bei Wissenschaftlern und Studenten machen. © dpa
Innenministerium Thomas de Maiziere (59/CDU) wollte gern Verteidigungsminister bleiben, muss den Posten aber für Parteifreundin von der Leyen räumen und wieder ins Innenministerium zurückzukehren. Dieses leitete er schon von Oktober 2009 bis März 2011. © dpa
Verkehrsministerium / Digitale Infrastruktur Alexander Dobrindt (43/CSU): CSU-Chef Horst Seehofer hat ihm einen Ministerposten versprochen. Als Generalsekretär hat er im Bundestagswahlkampf Managerqualitäten bewiesen und sich in den Koalitionsverhandlungen zu einem der wichtigsten Sprachrohre der CSU entwickelt. Beschimpfungen wie die des FDP-Koalitionspartners als „Gurkentruppe“ kommen Dobrindt kaum noch über die Lippen. © dpa
Agrarministerium Hans-Peter Friedrich (56/CSU). Bisher Innenminister, ist der 56-jährige Franke nun für das Agrarressort zuständig, das bisher seine Parteifreundin Ilse Aigner leitete. Er ist nur noch für die Landwirtschaft zuständig, nicht mehr für den Verbraucherschutz. © dpa
Justitzministerium Heiko Maas (47/SPD): Für den studierten Juristen ist der Umzug ins Bundesjustizministerium so etwas wie eine letzte Chance. Dreimal bewarb er sich für die SPD um das Amt des Regierungschefs in Saarbrücken, dreimal zog er den Kürzeren. Von 1999 bis 2012 stand der gebürtige Saarländer an der Spitze der Landtagsfraktion, seit 2000 führt er auch die Landes-SPD. 1998 übernahm er als damals jüngster Minister in Deutschland das Umweltministerium - wenngleich nur kurz, denn die SPD musste bereits ein Jahr später der absoluten CDU-Mehrheit weichen. © dpa
Familienministerium Manuela Schwesig (39/SPD): Sie ist das „Gesicht“ der ostdeutschen SPD mit einer Blitzkarriere seit ihrem Parteieintritt 2003. Die gebürtige Brandenburgerin studierte Steuerrecht und folgte ihrem Mann, mit dem sie einen Sohn hat, nach Schwerin. 2002 bis 2008 arbeitete sie dort im Finanzministerium. 2008 übertrug Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) der damals 34-Jährigen Diplom-Finanzwirtin das Sozialressort. © dpa
Entwicklungsministerium: Der bisherige Parlamentarische Staatssekretär im Agrarministerium, Gerd Müller (CSU), wird Entwicklungshilfeminister in der schwarz-roten Koalition. © dpa

Eine Mehrheit von 53 Prozent der Befragten ist allerdings auch der Ansicht, dass SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann zurücktreten sollte. Dagegen sprechen sich 37 Prozent aus. Oppermann steht in der Kritik, weil er das Vorgehen Friedrichs öffentlich gemacht hatte.

Das Ansehen vieler führender Politiker litt offenbar in den vergangenen Wochen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kam auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf im Februar auf einen Durchschnittswert von 2,1, nachdem sie im Januar bei 2,4 gelegen hatte. Sie liegt damit aber weiter an der Spitze vor Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit 1,9 (Januar: 2,1) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit 1,7 (Januar: 1,8).

SPD-Chef Sigmar Gabriel sackte von seinem Rekordwert von 1,4 im Januar auf 0,9 ab. Auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) büßte an Sympathien ein und kam auf einen Wert von 0,8 (Januar: 1,1). Unverändert benotet werden Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und der frühere SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück mit jeweils 0,6 sowie Linken-Fraktionschef Gregor Gysi und CSU-Chef Horst Seehofer mit jeweils 0,5. Auf den letzten Platz rutschte Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), die nur noch auf einen Wert von 0,1 (Januar: 0,5) kam.

Für das ZDF-"Politbarometer" wurden vom 18. bis 20. Februar 1219 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte von der Forschungsgruppe Wahlen befragt.

dpa

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