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Obama hatte leichtes Spiel

Romneys mangelnde Gegenwehr nur Taktik?

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Barack Obama und Mitt Romney bei der dritten und letzten TV-Debatte vor der US-Wahl

Washington - Präsident Barack Obama ging bei der TV-Debatte auf Angriff, doch er stieß auf wenig Gegenwehr. Experten glauben, dass der "technische Sieg" ihm vielleicht nicht zum Sieg reichen wird.

Mal versuchte US-Präsident Barack Obama mit Humor, seinen Kontrahenten Mitt Romney als völlig unzeitgemäß zu hinzustellen. „Die 1980er Jahre rufen an, um ihre Außenpolitik zurückzuverlangen, denn der Kalte Krieg ist seit 20 Jahren vorbei“, sagte er dem Republikaner bei der abschließenden TV-Debatte des Wahljahres höhnisch ins Gesicht.

Alle Artikel rund ums Thema US-Wahl finden Sie hier

Dann wieder bemühte der Präsident scharfe Angriffe auf die Glaubwürdigkeit des Herausforderers in der Weltdiplomatie: „Jedes Mal, wenn Sie ihre Meinung sagen, liegen sie falsch.“ Doch so sehr Obama rhetorisch gewitzt und politisch gekonnt angriff, er konnte seinen Widersacher trotzdem kaum aus der Reserve locken. Romney blieb cool.

US-Wahlkampf in Schnappschüssen

Weniger als drei Monate vor der Präsidentschaftswahl in den USA liegen Amtsinhaber Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney in einer neuen Umfrage nahezu gleichauf. Deshalb wird den beiden Konkurrenten beim Händeschüttel-Marathon noch einmal alles abverlangt. © dapd/dpa
Auch wenn das mitunter unangehm werden kann - gegenüber den potenziellen Wählern sollte man sich das nie, nie, nie anmerken lassen. © dapd/dpa
Mitt Romney ist ein Mann mit vielen Eigenschaften. Seine Schwachstellen liegen aber eindeutig im sozialen Bereich. Der 65-Jährige gilt im menschlichen Umgang als spröde. Angeblich kann er nicht gut mit "einfachen Menschen" umgehen. Beim Händeschütteln sitzt sein Pokerface-Lächeln aber schon perfekt. © dapd/dpa
Gelästert wird erst, wenn man in der vor neugierigen Ohren geschützten Limousine sitzt. Da darf der 200-Millionen-Dollar schwere Multimillionär ungehemmt über das gemeine Volk auslassen. © dapd/dpa
Die Herzen der Menschen - das weiß auch Romney - gewinnt man am besten mit Kindern. Und: Wer die Kleinen zum Lachen bringt, muss zumindest für den Moment nicht über Inhalte und Fakten sprechen. © dapd/dpa
Doch Barack Obama steht dem Präsidentschaftskandidaten in Sachen Kindern in nichts nach. Auch er kann gut mit den Kleinen. © dapd/dpa
Außerdem weiß er sich mit Fotos wie diesem gekonnt in Szene zu setzen. Um auch seine Rolle als liebender Familienvater ins rechte Licht zu rücken, hat Barack Obama durch den Foto-Account seiner Frau Michelle rührende Bilder von seinem privaten Glück verbreiten lassen. © dapd/dpa
Überhaupt ist die Rolle der Frauen im US-Wahlkampf nicht zu unterschätzen. Michelle Obama und Ann Romney sind für ihre Männer im Kampf um den Posten als "mächtigster Mann der Welt" unverzichtbar. © dapd/dpa
Michelle Robinson Obamas Weg zur First Lady begann in einfachen Verhältnissen in der South Side Chicagos, einem armen Schwarzenviertel. Ihre Mutter war Sekretärin, ihr Vater arbeitete bei den Wasserwerken. Michelle arbeitete sich hoch und studierte an den Eliteuniversitäten Princeton und Harvard. Mit ihrem Mann Barack hat sie schon viel durchgestanden und davon auch öffentlich berichtet. © dapd/dpa
Die beiden werden nicht müde, der Welt ihre Liebe zu zeigen und ihre vermeintlich perfekte Ehe zur Schau zu stellen. Sie geben aber auch freimütig zu, schon bei der Eheberatung gewesen zu sein. Doch die Stärken der beiden Politikerfrauen sind zugleich auch ihre Schwächen: Sie sprechen offener als ihre Männer - manchmal ein politischer Nachteil. © dapd/dpa
Ann Romney gibt sich zum Beispiel die größte Mühe, die Amerikaner wissen zu lassen, dass es auch Reiche nicht immer leicht im Leben haben. © dpa/dapd
Damit verstärkt sie manchmal den abgehobenen Eindruck des republikanischen Kandidaten. „Ich betrachte mich eigentlich nicht als wohlhabend“, ließ sie kürzlich verlauten. Angesichts ihres privaten Vermögens ist das für viele, zum Teil hochverschuldete Amerikaner wie ein Schlag ins Gesicht. © dpa/dapd
Es hilft nichts: Letzten Endes müssen im Wahlkampf die Kandidaten selbst die Ärmel hochkrempeln. Denn schließlich geht es ja doch um Inhalte, Reformen, Gesetze und Fakten. Außerdem müssen Wahlversprechen überzeugend vorgetragen werden. © dapd/dpa
Das kann mitunter ganz schön anstrengend sein. Vor allem, weil US-Medien in ihrer Berichterstattung über den Wahlkampf ein so negatives Bild von den beiden wichtigsten Kandidaten wie selten zuvor zeichnen. © dapd/dpa
71 Prozent der Geschichten, mit denen der Romney Schlagzeilen macht, sind negativ gewesen. Dabei sorgt er nicht allein für die unvorteilhafte Publicity. Auch sein Parteikollege Todd Akin steuert seinen Teil dazu bei. Mit der Aussage, dass Schwangerschaften nach Vergewaltigungen eh selten seien, löste er eine tagelange Abtreibungsdebatte im ganzen Land aus. © dapd/dpa
Doch Mitt Romney kämpft nicht allein. Er hat sich den smarten Paul Ryan als Vizekandidaten ins Boot geholt. Der 42-Jährige, Vater von drei Kindern und Katholik, fiel schon früh durch eisernen Ehrgeiz und Durchsetzungswillen auf. Mit diesen Eigenschaften brachte er es bis ins US-Abgeordnetenhaus. © dapd/dpa
Im Gegensatz zu Romney gilt Ryan als überaus charmant. Der Mann aus Wisconsin kann gut mit Menschen umgehen und bügelt dadurch die Schwächen seines Chefs aus. Dem kompetent wirkenden, erfolgreichen und gutaussehenden Politiker würde man fast alles abkaufen. © dapd/dpa
Doch auch er weiß nicht immer, was Wähler wirklich wollen. Die niederländische Zeitung "de Volkskrant" schreibt: „Ryans Ideen vom Abbau des Versorgungsstaates erfüllen nicht nur unabhängige Wähler, sondern auch manche Republikaner mit Argwohn. (...) Ein Wahlkampf mit Ryan birgt für Romney zugleich die Gefahr, eine seiner wichtigsten Waffen zu verlieren: Sein Argument, dass es bei der Wahl vor allem um Arbeitsplätze geht und dass Obama an seinem Beitrag zu deren Schaffung gemessen werden muss." © dapd/dpa
Doch auch Obama kann in diesem Wahlkampf seine Wähler nur schwer erreichen. Vor vier Jahren wurde er als Menschenfischer und begnadeter Rhetoriker gefeiert. Derzeit vermag er es nicht einmal, sein Publikum richtig in Schwung zu bringen. Brav spult er seine Reden ab, 20 bis 25 Minuten dauern die Auftritte im Schnitt, dann noch eine Viertelstunde Händeschütteln. Doch was fehlt, ist die Begeisterung. © dapd/dpa
Rund 100 Tage vor der Abstimmung dümpelte das Rennen ums Weiße Haus dröge und freudlos vor sich hin. Und es schien, als seien die Argumente jetzt schon schal geworden. Ohne Ideen, ohne Visionen, ohne hochfliegende Pläne präsentieren sich die Kandidaten. Nur die Gesten sind immer noch großspurig. © dapd/dpa
Da hilft alles nichts. Augen zu und durch, Mr President! © dapd/dpa
Zur Not einfach das "Krisen-Gesicht" aufsetzen und den Bürgern erzählen, warum Amerika unter der Führung der Konkurrenz im Chaos versinkt. Erstmals setzt Obama massiv auf Negativ-Werbung. Landauf, landab erzählt er den Menschen, Romney sei bekanntlich ein Multimillionär, der Geld in der Steueroase Cayman-Inseln geparkt habe und die Steuern für Reiche senken wolle. © dapd/dpa
Mitt Romney lässt sich das jedoch nicht gefallen. Er warf Obama öffentlich vor, eine auf „Spaltung, Angriff und Hass“ ausgerichtete Kampagne zu führen. Der Präsident würde wohl alles tun, um an der Macht zu bleiben, mutmaßte Romney in einem Interview. Auch er beherrscht die "bedeutende Miene" für schlechte Nachrichten bereits perfekt. © dapd/dpa
Die US-Wirtschaft steckt auch drei Jahre nach der schlimmsten Rezession der Nachkriegszeit in der Klemme. Trotz staatlicher Spritzen in Milliardenhöhe springt die Konjunktur nicht richtig an und die Arbeitslosigkeit bleibt hoch. All das könnte Präsident Barack Obama bei der Wahl im November seinen Job kosten. © dapd/dpa
Die Unzufriedenheit mancher Bürger mit seiner Politik bekommt Barack Obama bei öffentlichen Auftritten auch mal direkt ins Gesicht geschrieen. © dapd/dpa
Mitt Romney musste sich noch nicht an der Spitze des Staates beweisen. Ihm reichen derzeit Wahlversprechen. Und seine Pläne für Amerika sind groß: Er will den Führungsanspruch der USA in der Welt erneuern. „Dieses Jahrhundert muss ein amerikanisches Jahrhundert sein“, sagte Obamas Herausforderer in einer Grundsatzrede im Juli. © dpa/dapd
Doch auch der Republikaner muss sich während seiner Wahlkampfveranstaltungen böse Zwischenrufe aufgebrachter Amerikaner gefallen lassen. © dpa/dapd
Präsident der USA ist ein einsamer Job. Mitt Romney bekommt das auf seiner Tour durchs Land immer wieder zu spüren. Haben will er den Posten dennoch. Schließlich kann sich nicht jeder als "mächtigster Mann der Welt" bezeichnen. © dpa/dapd
Wie der Wahlkampf letzten Endes ausgeht, ist auch Ende des Sommers noch völlig offen. Weniger als drei Monate vor der Präsidentschaftswahl liegen Obama und Romney in einer neuen Umfrage nahezu gleichauf. Eine größere Kluft zeigte sich hingegen bei der Frage nach dem erwarteten Wahlausgang. Hier erklärten 58 Prozent der Befragten, sie rechneten mit einer Wiederwahl Obamas. Von einem Sieg Romneys gingen dagegen nur 32 Prozent aus. © dapd/dpa

Stattdessen hatte er sogar das eine oder andere Lob für den Amtsinhaber übrig. Die selbst bei den Demokraten umstrittenen Drohnenangriffe auf Terroristen? Hat der Präsident „richtig“ gemacht, sagte Romney. Ein US-Militäreinsatz in Syrien? Fände er auch zu gefährlich, stimmte der 65-Jährige zu. Die ambivalente Haltung des Weißen Hauses zu Pakistan? Muss so sein, denn das instabile Land „hat 100 Atomsprengköpfe“.

So viel Zustimmung hatte Romney noch nie übrig für Obama. Doch es dürfte keine plötzliche Mutlosigkeit sein, die den Multimillionär zwei Wochen vor der Wahl überfallen hat. Warum auch, schließlich ist er in allen Umfragen gleichgezogen. Die Wahl am 6. November ist so knapp wie vielleicht zuletzt im Jahr 2000, als das Oberste Gericht in Washington erst nach Wochen George W. Bush zum Sieger kürte.

Romney wollte wohl nach dem extrem aggressiven Auftreten jetzt in der außenpolitischen Debatte mehr wie ein richtiger Präsident wirken, meinten TV-Kommentatoren nach der Sendung. Sachlich im Ton, moderat in den Aussagen. „Die Prinzipien des Friedens weiterhin verfolgen, die die Welt zu einem besseren Platz machen“, verkündete Romney. Das klang so gar nicht nach einem Kriegstreiber á la George W. Bush, als den Obama ihn in der Debatte zeichnen wollte.

Millionär, Mormone, Macher: Das ist Obamas Kontrahent Mitt Romney 

Er ist Multimillionär, Mormone und kein Fan von US-Präsident Barack Obama. © dapd
So lässt sich der Republikaner Mitt Romney beschreiben, der im November das Weiße Haus von den Demokraten zurückerobern will. © dapd
Nach dem Rückzug seines bis zuletzt härtesten Rivalen, Rick Santorum, konnte sich Romney bereits vor Wochen auf den Wahlkampf gegen Obama einstellen. © dapd
Romney ist der Mann mit den tiefen Taschen und wegen seiner Rolle als reicher Geschäftsmann in Teilen seiner Partei umstritten. © dapd
Viel Häme brachte ihm eine Wette über 10.000 Dollar ein, die er seinem damaligen Konkurrenten Rick Perry während einer Fernsehdebatte völlig selbstverständlich anbot. © dpa
Perry lehnte dankend ab, doch die Szene machte deutlich, in welchem Milieu Romney sich üblicherweise bewegt und warum der 65-Jährige mit den einfachen Amerikanern so fremdelt. © dpa
Romney stammt aus einer wohlhabenden Politiker- und Unternehmerfamilie. Sein Vater George war Automanager und von 1963 bis 1969 Gouverneur des US-Staats Michigan. © dapd
Als jüngstes von vier Kindern wuchs Romney im exklusiven Detroiter Vorort Bloomfield Hills auf. © dapd
Nach seinem Studium an den Eliteuniversitäten Stanford und Harvard sowie einem zweieinhalbjährigen Aufenthalt als mormonischer Missionar in Frankreich heuerte er 1975 bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group an. © dapd
Später wechselte er zum Konkurrenten Bain, wo er 1984 an der Gründung einer Investmentgesellschaft beteiligt war. © dapd
Als Partner und Geschäftsführer von Bain Capital brachte es Romney zum Multimillionär. © dapd
1999 stieg er aus dem Unternehmen aus und übernahm den Vorsitz des Organisationskomitees zur Vorbereitung der Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City. © dapd
Das Komitee wies ein Defizit von 379 Millionen Dollar auf und war durch Skandale in Verruf geraten. Romney sanierte das Komitee mit harter Hand und stellte die Zahlungsfähigkeit wieder her. © dpa
Aus dieser Zeit stammt Romneys Ruf als pragmatischer Macher, der auch scheinbar ausweglose Situationen meistern kann. © dpa
Nach dem Abschluss der Winterspiele nutzte Romney seine neu gewonnene Popularität und wurde 2002 zum Gouverneur des US-Staats Massachusetts gewählt. © dpa
Während seiner Amtszeit konsolidierte er den Haushalt und setzte eine Gesundheitsreform durch, die fast allen Bürgern Zugang zu einer Krankenversicherung verschaffte. Das Gesetz gilt als Vorbild für die später von den Republikanern scharf kritisierte Initiative “Obamacare“ auf Bundesebene. © dpa
Nach seiner Abwahl als Gouverneur bewarb sich Romney 2008 bereits zum ersten Mal um die Nominierung der republikanischen Partei als Präsidentschaftskandidat. © dpa
Zwar galt er zunächst als recht aussichtsreicher Bewerber, scheiterte letztlich aber an dem Kriegshelden und langjährigen Senator John McCain (rechts). © dapd
Im Vorwahlkampf 2012 ging Romney schließlich als Favorit ins Rennen. Sein Wahlkampfteam gilt als das schlagkräftigste im gesamten Bewerberfeld und die Kriegskasse ist prall gefüllt. © dpa
Das Herz der republikanischen Basis schlägt allerdings nicht für den als liberal und elitär geltenden Romney. © dapd
Das Gespräch mit den einfachen Wählern im Diner oder das Herzen von Babys fällt ihm sichtlich schwer. © dapd
Auch sein mormonischer Glaube gilt als Manko. Viele christliche Wähler sehen in der Religion einen skurrilen Kult. © dapd
Außerdem hat Romney den Ruf eines Wendehalses. So war er früher ein Verfechter des Rechts auf Abtreibung, heute ist er auf die Haltung der konservativen Basis eingeschwenkt und lehnt Schwangerschaftsabbrüche strikt ab. © dapd
Auch in der Gesundheitspolitik liegt Romney eigentlich auf einer Linie mit Präsident Obama. Mittlerweile spricht er sich aber gegen ein Gesetz zur Krankenversicherungspflicht auf Bundesebene aus, das er als Gouverneur in Massachusetts noch befürwortete. © dapd
Doch an Romney (hier mit seiner Frau Ann) führt wohl kein Weg mehr vorbei. Auch den Anhängern der ultrakonservativen Tea Party dürfte klar sein, dass der Pragmatiker aus Neuengland der aussichtsreichste Herausforderer des demokratischen Präsidenten ist. © dapd
Und so dürften die Delegierten beim Nominierungsparteitag der Republikaner im August einen Kandidaten aufs Podest heben, der nicht geliebt, sondern nur respektiert wird. © dpa

Der sonst um kein Wortgefecht verlegene Romney verwahrte sich diesmal sogar regelrecht gegen die Provokationen seines Gegenüber. „Mich anzugreifen ist keine Agenda“, sagte er. Dabei war Obamas beißende Kritik an Romneys außenpolitischen Vorstellungen nicht weit hergeholt: Im Vorwahlkampf gegen parteiinterne Gegner und auch bei Wahlkampfkundgebungen war Romney immer wesentlich aggressiver - vor allem was die Möglichkeit eines Krieges gegen den Iran angeht.

Doch an diesem Debattenabend beließ er es bei Standard-Phrasen aus dem Handbuch der US-Konservativen. „Wir haben die Chance zu einer echten Führungsrolle“ in der Welt“, sagte Romney. Obama dagegen habe die USA in den vergangenen vier Jahren in den Augen der Feinde geschwächt.

Obamas Gegner: Republikaner und die "Tea Party"

Die Republikanische Partei ist eine konservative Partei, die aber bereits seit langem von verschiedenen, teils kontroversen Strömungen geprägt wird. Das Foto zeigt eine Anhängerin auf dem Parteitag 2008. © dpa
Diesmal ist es die “Tea Party-Movement“, die die Partei umtreibt. © dpa
Galionsfigur der rechts-populistischen Bewegung ist Sarah Palin, die unterlegene Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten vor zwei Jahren. © dpa
Hauptanliegen der neuen Strömung, die offiziell nicht der Partei angehört, ist der Kampf gegen den nach ihrer Meinung in alles einmischenden großen Staat (“big government“) und gegen höhere Steuern. © dpa
Geeint wird die Bewegung vor allem durch die Abneigung gegen Präsident Barack Obama, dem einige gar vorhalten, er wolle die USA in den Sozialismus führen. © dpa
Die Kandidaten der Bewegung machen häufig durch schrille und emotionale Äußerungen Schlagzeilen. © dpa
Sie fordern die Rückbesinnung auf traditionelle “amerikanische Werte“ und kritisieren etwa auch die steigenden Staatsausgaben der Bush-Ära. © dpa
Bei den Vorwahlen setzten sich eine Reihe radikaler und weitgehend unbekannter “Tea Party-Kandidaten“ gegen “gestandene“ Abgeordnete und Senatoren durch - selbst auf die Gefahr hin, dass dadurch die Wahlchancen der Demokraten steigen. Beispiel: Christine O’Donnell (Foto). © dpa
O’Donnell (Foto) will den Senatssitz für Delaware. Ihre Gegner werfen ihr frühere Aussagen über Hexerei (damit habe sie einmal expeimentiert) und Selbstbefriedigung (bezeichnete sie als Sünde) vor. Doch diese Angriffe steigerten O'Donnells Bekanntheit nur.  © dpa
Die Folge sind Spannungen in der Partei, die derzeit noch unter den Teppich gekehrt werden. Beobachter sprechen aber bereits von einem Rechtsruck in der Partei. © dpa
Die Republikanische Partei wurde 1854 von Gegnern der Sklaverei gegründet. Schon sechs Jahre später zog ihr Kandidat Abraham Lincoln ins Weiße Haus ein. © dpa
Mit Lincoln, der während des Bürgerkriegs regierte, begann eine Glanzzeit der Partei. Das Bild zeigt dessen Statue am "Lincoln Memorial" in Washington.  © dpa
Die bekanntesten republikanische Präsidenten nach dem Zweiten Weltkrieg: Dwight D. Eisenhower, Richard M. Nixon, Ronald Reagan (Foto: Mitte) sowie Vater und Sohn Bush. © dpa
Symbol der Republikaner ist der Elefant, der für sie Stärke und Intelligenz verkörpert. © dpa

Die Frage ist, ob Romneys Debatten-Strategie aufgeht. Nach Schnellumfragen unter Fernsehzuschauern hat er das Duell mit seiner defensiven Haltung verloren. Doch Experten meinen, dass sich dieses dritte Aufeinandertreffen mit dem für Amerikaner weniger interessanten Thema Außenpolitik sowieso nicht mehr allzu sehr auf die Wahl auswirken werde. Zumal zugleich ein wichtiges Baseball-Halbfinale und ein spannendes American-Football-Match der Einschaltquote kräftig geschadet haben dürften.

Außerdem waren sich schon vor der Debatte Politikbeobachter einig: Viel wichtiger als ein Debatten-Sieg würde es für Romney sein, sich als fähiger Commander-in-Chief (Oberbefehlshaber) zu präsentieren. Der Republikaner schien vor allem bemüht, unentschlossene Wähler nicht vor den Kopf zu stoßen und bloß keine Fehler zu machen. Viele seiner Antworten schienen darauf abzuzielen, sein Verständnis der Außenpolitik und der Regionen zu demonstrieren, anstatt die Herangehensweise des Präsidenten infrage zu stellen. Die Debatte endete mit einem Romney, der offensichtlich von der Bühne und zurück zur Wirtschaft wollte. Und dort wird die Wahl wohl letztlich auch entschieden

Das dürfte gelungen sein, meinte die „Washington Post“ hinterher. Da helfe es wenig, dass der Präsident am Montag einen „technischen Sieg“ feiern konnte, mit dem er am Ende dennoch „wenig gewonnen“ habe. Auch das unabhängige „National Journal“ sah das so: „Obama gewann das dritte Spiel, aber Mitt Romney gewinnt die ganze Serie.“

dpa/dapd

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