Vor Landtagswahl in Hessen

TV-Duell: Bouffier fordert ein "Ehrenwort"

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Vor Beginn der Aufzeichnung des TV-Duells stellen sich Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier ( CDU, r) und sein SPD-Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel am Freitag in einem Studio des Hessischen Rundfunks in Frankfurt am Main für die Fotografen zusammen.

Frankfurt am Main - Kampfeslustiger Ministerpräsident im TV-Duell vor der Hessen-Wahl: Sein Herausforderer müsse sich zu Rot-Rot-Grün eindeutig erklären, fordert CDU-Chef Bouffier. SPD-Chef Schäfer-Gümbel versucht, mit der Schulpolitik zu punkten.

Als ehemaliger Basketballer weiß Volker Bouffier, dass der Gegner am besten gleich mal in die Defensive gedrängt wird. Beim TV-Duell am Freitagabend im hr-Fernsehen will er seinen Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel von Beginn an festnageln, ob Rot-Grün nach der Wahl wie 2008 mit der Linken regieren will. Sogar ein „Ehrenwort“ will der CDU-Regierungschef seinem Herausforderer abtrotzen. „Sie werden sich von der Linken zum Ministerpräsident wählen lassen“, prophezeit er.

Schäfer-Gümbel spricht sich zwar erneut gegen eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei aus. Er sehe dafür keine politische Basis. Allerdings werde die SPD nach den Erfahrungen vor fünf Jahren „formal“ generell keine Bündnisse ausschließen. Er will nicht in die „Ypsilanti-Falle“ mit der alten Wortbruch-Debatte tappen. „Wir haben unsere Lektion gelernt.“ Vor fünf Jahren wollte sich Andrea Ypsilanti trotz anderer Aussage vor der Wahl doch mit Hilfe der Linken zur Regierungschefin wählen lassen und erlitt wegen vier Abtrünnigen in den eigenen Reihen jämmerlich Schiffbruch. Derzeit sieht es aber nach den meisten Umfragen so aus, als ob die Linke ohnehin nicht mehr in den Landtag kommt.

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Nicht nur bei diesem Thema zeigt sich Bouffier ungewöhnlich aggressiv beim 75-minütigen Duell. Er attackiert - und überzieht regelmäßig seine Redezeit. „Sie sprengen unser Abendprogramm“, ermahnt hr-Moderator Alois Theisen, der ansonsten wenig eingreift, den Regierungschef.

Dieser scheint in der bereits am Nachmittag in Frankfurt aufgezeichneten Sendung einer neuen Marschroute zu folgen. Eine Woche vor der Landtagswahl ist angesichts des Kopf-an-Kopf-Rennens zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Grün nicht mehr die Rolle des abwägend-zurückhaltenden Landesvaters gefragt, sondern der Bouffier aus den alten Zeiten, der zur „Kampftruppe“ der CDU gehörte.

Die regierende Koalition hat in den vergangenen Wochen Boden gutgemacht - möglicherweise auch wegen der erneut aufgeflammten Rot-Rot-Grün-Debatte. Schäfer-Gümbel weiß um diese Achillesferse seiner Partei, die ihn noch bis zur Wahl begleiten wird. Im TV-Duell versucht der Herausforderer, mit Sachthemen wie Bildung zu punkten. Nach allen Umfragen ist dies das wichtigste Thema der Landespolitik.

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In der teils bissig geführten Debatte werden wenig neue Argumente ausgetauscht. Der 61 Jahre alte Bouffier stellt die SPD als Partei dar, die in Hessen eine „Einheitsschule“ einführen und Noten abschaffen will. Der 43-jährige Herausforderer sieht die Union dagegen als Partei, die Chancengerechtigkeit an den Schulen verhindern will; Bouffier vertrete immer noch die pädagogischen Konzepte der 70er Jahre.

Nach den 75 Minuten zeigen sich die Kontrahenten beide zufrieden mit ihrem Auftritt, wollen aber das Urteil darüber den Zuschauern überlassen. Schäfer-Gümbel räumt vor Journalisten offen ein, dass ihn die „Aggressivität“ des Regierungschefs überrascht habe. Viele Themen seien zu kurz gekommen, bedauert er und erklärt sich bereit für ein zweites TV-Duell. Diesen Vorschlag hatte Moderator Theisen am Ende der Sendung gemacht. Bouffier zeigt sich anschließend dem ebenfalls nicht abgeneigt, hält dies aus Termingründen aber für schwierig.

Von Thomas Maier

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