Bei Twitter

EU-Kommissarin fällt auf falschen Dobrindt rein

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Auf Twitter schwärmt EU-Internet-Kommissarin von ihrem Treffen mit dem User @Datenminister. Gemeint war Alexander Dobrindt. Doch dabei handelt es sich um einen Fake-Account. Dobrindt ist nicht bei Twitter.

Berlin - Neelie Kroes, EU-Kommissarin ausgerechnet für Internet-Fragen, ist auf ein falsches Twitter-Profil von Infrastrukturminister Alexander Dobrindt (CSU) reingefallen.

Dass sich auf dem sozialen Netzwerk Witzbolde gerne als Prominente ausgeben, ist ein alter Hut. Siehe etwa die zahlreichen Fake-Profile von Angela Merkel. Oder das mittlerweile legendäre Comedy-Profil von Queen Elizabeth II. auf dem jemand Witz-Nachrichten aus dem Leben der britischen Königin schreibt.

Seit dem 16. Dezember trieb sich auf Twitter auch jemand herum, der sich unter dem Account @Datenminister als Infrastrukturminister Dobrindt ausgab. Und solche Sachen schrieb: "Es fehlen keine Milliarden Euro für den #Netzausbau. Sie kommen nur aus anderen Quellen."

Auf dieses Fake-Profil ist nun die EU-Kommissions-Vizepräsidentin Neelie Kroes hereingefallen, die als Kommissarin ausgerechnet für das Internet zuständig ist. Sie hatte Dobrindt am Mittwoch in Berlin getroffen und dessen Pläne zum Netzausbau als ermutigend gelobt. Und anschließend auf ihrem Twitter-Profil ein Foto von dem Treffen hochgeladen, zu dem sie schrieb, dass es eine Freude sei, mit dem Twitter-User @Datenminister zusammenzuarbeiten.

Das ist das Kabinett der Großen Koalition

Das ist das Kabinett der Großen Koalition

Kanzlerin Angela Merkel (59/CDU): Sie wollte diese dritte Kanzlerschaft unbedingt. Nach Ansicht vieler Parteimitglieder hat sie damit ihren politischen Zenit erklommen. Seit 1990 hat sie ein Bundestagsmandat, wurde unter Kanzler Helmut Kohl zunächst Frauen-, dann Umweltministerin. Als CDU-Generalsekretärin forderte sie die Partei in der Spendenaffäre auf, sich von Kohl zu lösen. 2005 wurde sie Kanzlerin einer großen Koalition, 2009 von Schwarz-Gelb. © dpa
Kanzleramtschef Peter Altmaier (55/CDU): Der bisherige Umweltminister hat nach der Entlassung seines Vorgängers Norbert Röttgen 2012 zunächst neuen Schwung in die Energiewende gebracht, konnte aber viele Probleme nicht abräumen. Der kommunikative, selbstironische Saarländer ist für Merkel ein wichtiger Mann. © dpa
Wirtschafts- und Energieministerium, Vizekanzler Sigmar Gabriel (54/SPD): 2009 wurde er jüngster Parteichef seit Willy Brandt. Der gelernte Lehrer war zudem mit 40 Jahren in Niedersachsen jüngster deutscher Ministerpräsident (1999-2003). Von 2005 bis 2009 erwarb er sich als Bundesumweltminister Ansehen und Expertise im Bereich erneuerbare Energien. © picture alliance / dpa
Finanzministerium Wolfgang Schäuble (71/CDU). Die Union kann sich keinen besseren vorstellen als den Mann mit der größten Regierungserfahrung: Er war schon Innenminister unter Kohl, Unionsfraktionschef und CDU-Chef. Er gilt als glühender Europäer, zäh und mitunter mürrisch. © dpa
Außenministerium Frank-Walter Steinmeier (57/SPD): Er war Kanzleramtschef zu rot-grünen Zeiten, strickte für Gerhard Schröder an der „Agenda 2010“ mit. Dann wurde der Jurist geachteter Außenminister (2005 bis 2009). Er ist stets exzellent vorbereitet, bürgernah, humorvoll. © dpa
Verteidigungsministerium Ursula von der Leyen (55/CDU), wechselt aus dem Arbeitsministerium ins Verteidigungsressort - als erste Frau auf diesem Posten. Das ist die größte Überraschung der Regierungsbildung. Da die SPD das Arbeitsministerium für sich beanspruchte, musste für von der Leyen ein gleichwertiges Ressort gefunden werden. Das Gesundheitsministerium - für das sie mehrfach gehandelt wurde - kam deshalb nicht in Frage. © dpa
Arbeits-und Sozialministerium Andrea Nahles (43/SPD): Die Literaturwissenschaftlerin ist seit 2009 Generalsekretärin. Sie hat erst den Wahlkampf organisiert, dann die Koalitionsverhandlungen, schließlich den Mitgliederentscheid über die große Koalition. © dpa
Gesundheitsministerium Hermann Gröhe (52/CDU): Er hat großen Anteil an dem erfolgreichen Bundestagswahlkampf, an dessen Ende 41,5 Prozent für CDU/CSU standen. Er gilt auch beim politischen Gegner als sachlich, freundlich und fair. Er kann Konflikte geräuschlos lösen und Mehrheiten beschaffen. Gröhe war in der Unionsfraktion sieben Jahre lang Sprecher für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. © dpa
Umweltministerium Barbara Hendricks (61/SPD): Barbara Hendricks war bisher vor allem eine Frau der Zahlen. Jetzt wird sie im erweiterten Umweltministerium auch für Bau zuständig sein. In Düsseldorf arbeitete die 61-Jährige fast zehn Jahre als Sprecherin für die SPD-Finanzminister der Landesregierung. © dpa
Bildungsministerium Johanna Wanka (62/CDU) wurde erst 2013 nach dem Rücktritt von Annette Schavan Bildungsministerin. Die CDU stuft das Ressort als eines der wichtigsten im Kabinett ein. Mit den Milliardenausgaben für die Forschung kann man mit diesem Haus viele Punkte bei Wissenschaftlern und Studenten machen. © dpa
Innenministerium Thomas de Maiziere (59/CDU) wollte gern Verteidigungsminister bleiben, muss den Posten aber für Parteifreundin von der Leyen räumen und wieder ins Innenministerium zurückzukehren. Dieses leitete er schon von Oktober 2009 bis März 2011. © dpa
Verkehrsministerium / Digitale Infrastruktur Alexander Dobrindt (43/CSU): CSU-Chef Horst Seehofer hat ihm einen Ministerposten versprochen. Als Generalsekretär hat er im Bundestagswahlkampf Managerqualitäten bewiesen und sich in den Koalitionsverhandlungen zu einem der wichtigsten Sprachrohre der CSU entwickelt. Beschimpfungen wie die des FDP-Koalitionspartners als „Gurkentruppe“ kommen Dobrindt kaum noch über die Lippen. © dpa
Agrarministerium Hans-Peter Friedrich (56/CSU). Bisher Innenminister, ist der 56-jährige Franke nun für das Agrarressort zuständig, das bisher seine Parteifreundin Ilse Aigner leitete. Er ist nur noch für die Landwirtschaft zuständig, nicht mehr für den Verbraucherschutz. © dpa
Justitzministerium Heiko Maas (47/SPD): Für den studierten Juristen ist der Umzug ins Bundesjustizministerium so etwas wie eine letzte Chance. Dreimal bewarb er sich für die SPD um das Amt des Regierungschefs in Saarbrücken, dreimal zog er den Kürzeren. Von 1999 bis 2012 stand der gebürtige Saarländer an der Spitze der Landtagsfraktion, seit 2000 führt er auch die Landes-SPD. 1998 übernahm er als damals jüngster Minister in Deutschland das Umweltministerium - wenngleich nur kurz, denn die SPD musste bereits ein Jahr später der absoluten CDU-Mehrheit weichen. © dpa
Familienministerium Manuela Schwesig (39/SPD): Sie ist das „Gesicht“ der ostdeutschen SPD mit einer Blitzkarriere seit ihrem Parteieintritt 2003. Die gebürtige Brandenburgerin studierte Steuerrecht und folgte ihrem Mann, mit dem sie einen Sohn hat, nach Schwerin. 2002 bis 2008 arbeitete sie dort im Finanzministerium. 2008 übertrug Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) der damals 34-Jährigen Diplom-Finanzwirtin das Sozialressort. © dpa
Entwicklungsministerium: Der bisherige Parlamentarische Staatssekretär im Agrarministerium, Gerd Müller (CSU), wird Entwicklungshilfeminister in der schwarz-roten Koalition. © dpa

Der falsche Dobrindt twitterte ihr auch gleich zurück, dass es ihm ebenfalls eine Freude sei - und der Netzausbau in Deutschland sich positiv auf die digitale Infrstruktur der EU auswirke. Auf weitere Konversationen zwischen Kroes und dem Fake-Dobrindt müssen wir leider verzichten. Denn das Profil von @Datenminister wurde am Freitagmittag gelöscht. Dass es sich um ein Fake-Profil handelt, hat am Freitag das Bundesverkehrsministerium auf Anfrage unserer Onlineredaktion bestätigt. Dobrindt selbst hat kein Twitter-Profil. Und will auch keines anlegen. Im Interview mit der "Bild am Sonntag" sagte er kürzlich: "Meine Aufgaben für die Zukunft der digitalen Welt können Sie nicht mit 140 Zeichen beschreiben. Außerdem: Egal ob ich twittere oder nicht, davon hat niemand im Bayerischen Wald oder in der Eifel ein schnelleres Netz."

Twitter markiert echte Promi-Accounts

Etwas peinlich ist die Geschichte für Internet-Kommissarin Kroes trotzdem: Denn ein falsches Twitter-Profil ist ziemlich leicht zu erkennen.  Das soziale Netzwerk zeichnet Accounts, unter denen wirklich die genannten Prominenten schreiben, mit einem kleinen Häkchen aus. Entsprechend sind etwa die Profile von Sängerin Lena Meyer-Landrut oder von Dobrindts Staatssekretärin Dorothee Bär markiert.

Die internetaffine Bär hat den Twitter-Schwindel bereits durchschaut: Am Donnerstag schrieb sie auf ihrem Profil: "Bin ganz stolz auf die vielen Fake-Accounts v. Alexander #Dobrindt! (@Datenminister o.ä.) Das spricht für seine Qualität!:-) Große Fans hier!"

Vielleicht sollte Neelie Kroes künftig mal bei Dorothee Bär nachfragen, bevor sie wieder Fotos von Politiker-Treffen twittert...

fro 

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