Präsidentschaftswahl 2016

USA-Experte: Darum hat Donald Trump so viel Erfolg

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Ein Anhänger von Donald Trump mit einem Button für die US-Präsidentschaftswahl 2016.

Washington - Was ist für Donald Trump bei der US-Wahl drin? Im tz-Interview gibt USA-Experte Dr. Josef Braml eine Einschätzung über die Taktik und die Erfolgsaussichten Trumps.

Update vom 9. Dezember: Das US-Magazin "Time" kürt Kanzlerin Merkel zur "Persönlichkeit des Jahres". US-Präsidentschaftskandidat giftet bei Twitter postwendend gegen Merkel.

USA-Experte: Darum hat Donald Trump so viel Erfolg

Dr. Josef Braml.

Donald Trump (69), wortgewaltiger Milliardär und erfolgreichster Bewerber im Rennen um die republikanischen Präsidentschaftskandidatur, fordert nach der Terrorattacke im kalifornischen San Bernardino mit 14 Opfern ein komplettes US-Einreiseverbot für Muslime. Erneut ruft der Mann mit der wirren Föhnfrisur und den teils wirren Ansichten damit allseitiges Entsetzen hervor. Zu Beginn war Trumps Bewerbung belächelt worden. Jetzt zittert das Republikaner-Establishment vor dem schrillen Außenseiter. Die tz bat den USA-Experten Josef Braml darum, Donald Trumps Chancen zu analysieren. Bramls Buch „Auf Kosten der Freiheit: Der Ausverkauf der amerikanischen Demokratie und die Folgen für Europa“ erscheint im März beim Quadriga-Verlag.

Warum hat Donald Trump so viel Erfolg mit seinen drastischen Forderungen, wie der, allen Muslimen die Einreise zu verwehren?

Dr. Josef Braml, USA-Experte, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik: Er kommt sehr gut bei weißen, schlecht gebildeten Amerikanern an. Diese Menschen sind durch die Terroranschläge vom 11. September 2001 und die anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise besonders verunsichert. Sie haben Abstiegsängste, fürchten sich vor Fremden, insbesondere wenn diese auch noch einer anderen, nicht-christlichen Religion angehören. Sie haben, wie mittlerweile die meisten Amerikaner, eine tiefe Abneigung gegen die etablierte Politik. Das wird in jeder Umfrage deutlich. Das für die meisten Amerikaner wichtigste Thema ist nicht etwa Terrorismus, auch nicht die Wirtschaft oder Arbeitsplätze, sondern die Tatsache, dass eine Handvoll ihrer Landsleute zu viel Einfluss auf die Politik haben. Dass das politische System korrumpiert ist. Die drei republikanischen Bewerber, die jetzt in den Umfragen vorne liegen, wären in normalen Zeiten undenkbar: Trump, Ben Carson und Ted Cruz. Zusammen haben sie über 60 Prozent! Das ist Systemkritik. Bezeichnenderweise kann dann einer wie Trump, der sagt, mich kann keiner kaufen, weil ich selber so viel Geld habe, dermaßen punkten.

Ist die Rassismus-Karte ein Erfolgsrezept?

Braml: Trump geht durchaus strategisch vor. Am häufigsten bringt er Latinos gegen sich auf. Damit will er den Parteifavoriten Jeb Bush und Marco Rubio den Wind aus den Segeln nehmen. Die beiden sind in der Einwanderungsfrage sehr liberal eingestellt, und Trump nimmt die Gegenposition ein. Damit wird er in den Vorwahlen der Republikaner punkten. Bei den Hauptwahlen würde er damit keinen Blumentopf holen. Das scheint ihm derzeit egal zu sein. Trump ist aber auch dafür bekannt, dass er heute dies sagt und morgen das Gegenteil. Das kann man nur machen, wenn man sein Wahlvolk als dumm einschätzt – der bisherige Erfolg scheint ihm Recht zu geben.

Die Parteielite der Republikaner sieht diesen Erfolg mit Entsetzen. Wie kann sie seinen Aufstieg verhindern?

Braml: Das kann sie nicht. Im Grund ist das Phänomen Trump ein weiterer Beweis dafür, dass es in den USA keine Parteien gibt. Sie spielen keine Rolle in der Politik­gestaltung, es gibt keine Fraktions- oder Parteidisziplin. Selbst die Minimalfunktion als Wahlverein haben sie mittlerweile an Interessengruppen und Milliardäre verloren, etwa die Ölmagnaten Charles und David Koch, die ihr eigenes Spiel spielen.

Donald Trump könnte also wirklich Kandidat werden?

Braml: Ja. Er hat schon beim ersten Fernsehduell angedroht, dass er, sollte er nicht nominiert werden, auf eigene Faust kandidiert. Wenn das passiert, sind die Republikaner auch erledigt. Die Gefahr, dass ihre harte Haltung in der Einwanderungsfrage den Republikanern eine weitere Wahl vereitelt, ist inzwischen sehr hoch. Obama verdankte seine beiden Wahlsiege den Minderheiten, insbesondere den Latinos, die von den Republikanern in den Vorwahlen verprellt wurden. Auch dieses Mal sage ich: Die Minderheiten werden Mehrheitsbeschaffer. Latinos sind in den umkämpften Staaten stark vertreten und das Zünglein an der Waage.

Könnten die Demokraten gegen Donald Trump einen Sieg von Hillary Clinton erwarten?

Braml: Nicht mit 100prozentiger Sicherheit. Es kann noch viel passieren. Sie kann nur gewinnen, wenn sie gegen einen Hardliner wie Trump antreten darf. Gegen den moderaten, jugendlichen und charismatischen Marco Rubio etwa hätte sie aus meiner Sicht viel größere Probleme. Aber egal wer Präsident wird, er oder sie wird auf jeden Fall von einer der beiden Kammern im Kongress blockiert. Das amerikanische System funktioniert einfach nicht mehr, es ist blockiert. Kongress und Präsident können sich nicht mal zusammenraufen, um die drängendsten Probleme gemeinsam anzugehen. Es muss noch schlimmer werden, bevor es hoffentlich wieder besser wird.

Das ist Donald Trump

Der New Yorker Donald John Trump (69) ist seit langem einer der bekanntesten Geschäftsleute der USA. Sein Großvater Frederick Trump und Großmutter Elisabeth Christ kamen aus der Pfalz. Trumps Vater Frederick machte Millionen mit dem Bau von Mietshäusern, Sohn Donald stieg in die Branche ein. Zunächst hatten seine Unternehmungen in Manhattan großen Erfolg, in den 80er Jahren aber geriet er in finanzielle Turbulenzen. Heute ist der Name Donald Trump auf vielen Bauwerken und Produkten zu lesen: Bekleidung, Parfüm und Gesellschaftsspielen. Seit 1999 verfügt er mit dem Trump Model Management über eine Modelagentur. Er hatte TV-Sendungen und organisierte Miss-Universe-Wettbewerbe. Jetzt will er Präsident werden. Die extrovertierten Auftritte des Milliardärs treffen bei der liberalen Elite auf Ablehnung, bei einfacheren Gemütern auf Begeisterung. Donald Trump ist zum dritten Mal verheiratet und hat fünf Kinder.

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