Geballte Kritik

Kardinal Marx: Vatikan-Papier „sät Misstrauen“ und „vertieft Gräben“

Mit einem Paukenschlag hat der Vatikan die sommerliche Ruhe der katholischen Kirche beendet. Eine Instruktion setzt kirchlichen Reformen nun enge Grenzen.

  • Der Vatikan sorgt mit einem Papier für großen Wirbel in der katholischen Kirche in Deutschland.
  • Papst Franziskus hat das Dokument abgesegnet, dass die Regeln im Kirchenrecht verschärft.
  • Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat sich zu der neuen Vatikan-Instruktion geäußert.

München - Eine Instruktion der vatikanischen Kleruskongregation sorgt für großen Wirbel in der katholischen Kirche in Deutschland. Das von Papst Franziskus abgesegnete Papier „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“ verschärft Regeln im Kirchenrecht: Laien als Gemeindeleiter sind demnach nicht möglich. Dabei werden in einigen deutschen Bistümern – darunter auch im Münchner Erzbistum – neue Leitungsmodelle von Gemeinden und Pfarrverbänden erprobt. Angesichts des drastischen Priestermangels ist eine Entlastung der wenigen Priester nach Überzeugung der Verantwortlichen unverzichtbar.

„Es gibt keine Alternative. Wenn wir nicht vorhandene und neue Ressourcen nutzen, können wir zusperren“, sagte der Projektverantwortliche Robert Lappy, Leiter der Hauptabteilung Strategie- und Organisationsentwicklung im Münchner Ordinariat, im vergangenen Jahr unserer Zeitung. Zudem belastet das Vatikan-Papier den beginnenden „Synodalen Weg“, auf dem das Verhältnis zwischen Klerus und Laien sowie die Machtverteilung wichtige Themen sind.

„Da kann nicht einer etwas verkünden, und die anderen sollen einfach folgen“ so Kardinal Marx zu den neuen Vatikan-Instruktionen

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat die neue Vatikan-Instruktion deutlich kritisiert und ein stärkeres Aufeinanderhören in der Kirche eingefordert. „Es ist schon etwas merkwürdig, wenn ein Dokument von Rom kommt, ohne dass jemals mit uns darüber gesprochen wurde – ist das ein Miteinander von Universal- und Teilkirche, wie man sich das wünscht? Eigentlich nicht“, sagte der Erzbischof von München und Freising, der doch zu den engsten Beratern des Papstes gehört. Die Instruktion habe Misstrauen gesät und Gräben vertieft, was zu neuen Spaltungen und Spannungen führe, erklärte Marx. Um die Zeichen der Zeit zu lesen im Lichte des Evangeliums, brauche man zunächst die Sensibilität des Hörens. „Da kann nicht einer etwas verkünden, und die anderen sollen einfach folgen, sondern da müssen wir aufeinander hören, miteinander lernen, die Erfahrungen der Ortskirche aufnehmen – was ich in dem Dokument, das in diesen Tagen erschienen ist, vermisse“, so Marx. „Als hätten wir in Deutschland noch nie über missionarische Pfarreien nachgedacht!“

Papst Franziskus erntet viel Kritik und wenig Lob

Nur wenige Bischöfe – vor allem der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki – begrüßten das Papier. Auch Laienvertreter reagierten empört. Von Klerikalismus, Weltfremdheit und Mangel an Innovationskraft ist die Rede. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick erklärte: Die Instruktion hätte besser nicht veröffentlicht werden sollen. Es sei „nicht annehmbar“, dass das Papier nur an Vorschriften des Kirchenrechts erinnere, ohne die Lehrentwicklung und die Verhältnisse vor Ort zu berücksichtigen. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode sieht in dem Papier eine „Umkehr zur Klerikalisierung“. Engagierte Laien würden abgeschreckt. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf empfindet das Papier als Motivationshemmer. Er sorge sich „um die vielen (noch) Engagierten“. Bald würden sie „genug davon haben, wenn ihr Engagement nur misstrauisch beäugt und von oben herab bewertet wird“. Die Vorsitzende des Münchner Katholikenrats, Hiltrud Schönheit, ist fassungslos. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk erklärte sie: „Die Stimmung ist entsetzlich. Ich höre von ganz vielen: Vielleicht hilft nur noch der Austritt.

Lange warteten Reformer und Konservative auf eine klare Stellungnahme von Papst Franziskus zum Thema Zölibat. Nun kam sie.

Rubriklistenbild: © Bernd Von Jutrczenka/dpa

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