Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Prozess in Den Haag

Völkermord von Srebrenica: Lebenslange Haft für serbischen Ex-General Mladic bestätigt

Das UN-Kriegsverbrechertribunal hat die lebenslange Haftstrafe des serbischen Ex-Generals Ratko Mladic bestätigt. Dessen Schuld an den Gräueltaten im Bosnienkrieg sei erwiesen.

Den Haag - Es ist ein historisches Urteil: Fast 26 Jahre nach dem Völkermord von Srebrenica bestätigte das UN-Kriegsverbrechertribunal die lebenslange Haftstrafe für den serbischen Ex-General Ratko Mladic. Seine Schuld an den Gräueltaten im Bosnienkrieg sei zweifelsfrei erwiesen, urteilten die Richter in Den Haag am Dienstag. Sie folgten damit dem Urteil der ersten Instanz von 2017.

Mit dem 78-jährigen Madlic ist weltweit vor allem ein Bild verbunden: Ein bulliger Mann im Kampfanzug, das Haar millimeterkurz geschoren, verteilt Schokolade an Kinder, beruhigt weinende Frauen. Nur wenig später wird derselbe Mann befehlen, die Väter dieser Kinder zu töten. Die Männer, Söhne, Brüder der Frauen. Es ist der 11. Juli 1995, der Völkermord von Srebrenica beginnt. Etwa 8000 muslimische Männer und Jungen werden in den Tagen danach von Mladics Männern ermordet.

Völkermord von Srebrenica: Mladic lebenslang ins Gefängnis

Der Ex-General ist einer der Haupttäter der Gräueltaten im Bosnien-Krieg (1992-1995) mit etwa 100.000 Toten und Millionen Vertriebenen. Auch das Berufungsgericht sah seine Schuld zweifelsfrei als erwiesen an. Er wird den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen, wie auch sein politischer Weggefährte. Der frühere Serbenführer Radovan Karadzic war im März 2019 bereits wegen des Völkermords von Srebrenica zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Chefankläger Serge Brammertz begrüßte am Dienstag das Urteil und mahnte in Richtung Mladic‘ Anhänger: „Es ist Zeit, die Wahrheit zu akzeptieren.“ Mladic sei einer der „berüchtigtsten Kriegsverbrecher der modernen Geschichte“. US-Präsident Joe Biden sprach von einem „historischen Urteil“. „Es stärkt auch unsere gemeinsame Entschlossenheit, künftige Gräueltaten überall auf der Welt zu verhindern.“ EU-Ratspräsident Charles Michel sprach von einem wichtigen Schritt für Gerechtigkeit für die Opfer.

Völkermord-Prozess in Den Haag: Mladic erst 16 Jahre nach Kriegsende gefasst

Mladic war erst 2011 gefasst und dem Tribunal übergeben worden. 16 Jahre nach Kriegsende. Er wurde wie auch Karadzic für viele Opfer und Überlebende zur Symbolfigur des Grauens. Auf dem Platz vor dem Gericht hatten sich schon Stunden vor der Urteilsverkündung Demonstranten versammelt. „Gerechtigkeit für Bosnien“ steht auf manchen Plakaten. „Heute ist ein historischer Tag“, sagte Munira Subasic, Vorsitzende der „Mütter von Srebrenica“.

Das Ziel von Mladic und Karadzic und anderen war ein „ethnisch reiner serbischer Staat“, urteilte das Gericht. Ihre Mittel: Terrorisierung der nicht-serbischen Bevölkerung bis hin zum Mord. Es war der letzte Auftritt von Mladic vor dem Gericht. Vor Beginn der Sitzung gab er sich - gekleidet in einen dunklen Anzug mit blauem Schlips - betont locker. Er lachte und schnitt Grimassen zu den Fotografen, die Corona-Schutzmaske locker in der Hand. Doch während der Verlesung des Urteils blickte er fast unbewegt vor sich. Und als die Richterin seine Schuld von Srebrenica feststellte, schüttelte er mehrfach den Kopf. Als das Urteil gefallen war, schwieg er.

Völkermord von Srebrenica: Mladic sieht Schuld nicht ein

In den letzten Jahren hatte Mladic die Sitzungen oft zum Spektakel gemacht, die Richter angepöbelt oder einfach ignoriert. Für ihn war das UN-Gericht ein Instrument westlicher Mächte. Er hatte auch nie eine Schuld eingesehen. „Ich bin kein Heiliger, ich bin nur ein einfacher Mann“, sagte er in seinem Schlusswort im vergangenen Jahr. „Das Schicksal hat mich in die Lage versetzt, mein Land zu verteidigen, das von westlichen Mächten zerstört wurde.“

Mit diesem Urteil geht auch das letzte große internationale Srebrenica-Verfahren zu Ende. Doch bis heute werden die Täter verherrlicht, klagte Chefankläger Brammertz. Mladic sollte weltweit von allen führenden Politikern verurteilt werden. „Sein Name muss auf die Liste gesetzt werden zu den schlimmsten und barbarischsten Figuren der Geschichte.“ (dpa)

Rubriklistenbild: © PETER DEJONG/afp

Kommentare