Provokativ oder dröge: Was denken Sie über Sarrazins Buch?

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Thilo Sarrazin: Ist sein neues Buch doch nur dröge?

Berlin - Der Provokateur meldet sich zurück: Ex-Finanzsenator und Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin legt jetzt beim Thema Euro nach. Was denken Sie über sein neues Buch?

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Vom Euro versteht Thilo Sarrazin wirklich etwas– anders als von Integrationspolitik, wo er mit kruden und später teilweise widerrufenen Thesen vom „jüdischen Gen“ seine Unwissenheit offenbarte. Im Bundes­finanzministerium unter Theo Waigel war er Anfang der 90er Jahre zusammen mit dem späteren Bundespräsidenten Horst Köhler für die deutsch-deutsche Währungsunion zuständig, später arbeitete der promovierte Volkswirt beim Internationalen Währungsfonds und zuletzt im Vorstand der Bundesbank. So ist Sarrazins neues Bucheine weitgehend sachliche, eher dröge wissenschaftliche Arbeit geworden, wie der Vorabdruck in Ausschnitten im Focus zeigt.

Hier lesen Sie Auzüge aus Thilo Sarrazins neues Buch: "Europa braucht den Euro nicht" (Deutsche Verlags Anstalt, 22,99 Euro) im Wortlaut:

Sarrazin zur Behauptung „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“: Diejenigen, die jede Diskussion um den Euro oder den Austritt Griechenlands mit einem „Scheitern Europas“ in Verbindung bringen, argumentieren letztlich wie Erich Honecker, der kurz vor dem Fall der Mauer sagte: „Vorwärts immer, rückwärts nimmer.“ Wer so denkt, offenbart ein profundes Misstrauen in die natürliche Stabilität der europäischen Integration und gegen die Vernunft der Europäer überhaupt.

Zu gemeinsamen Euro-Anleihen (Eurobonds): Angela Merkel hat sich Mitte 2011 zu der Sprachregelung durchgerungen, dass Eurobonds nur am Ende einer Integration der Finanzpolitik stehen könnten. Das ist einerseits nicht falsch, es lässt andererseits aber die Konturen eines gefährlichen „Kompromisses“ erkennen (...): Demnächst könnte der Kompromiss darin bestehen, Eurobonds im Austausch gegen wirksame Stabilitätsvorgaben der EU für die nationalen Haushalte zu gewähren. Real umgesetzt – und zwar unwiederbringlich – würde nur der erste Teil werden.

Zu Griechenland: Es ist der falsche Weg, Griechenland durch detaillierte Vorgaben von außen zu infantilisieren, wie dies seit zwei Jahren geschieht. Griechenland kann nicht durch Druck von außen gezwungen werden, sich innerlich zu ändern, wenn es dies selbst nicht will. Richtig wäre es, damit aufzuhören, weiteres Geld nach Griechenland zu schicken, und es den Griechen selbst zu überlassen, ihren Weg zu finden.

Zur Zukunft des Euro: Die Europäische Währungsunion erfordert, wenn sie funktionieren soll, dass sich die Volkswirtschaften und Gesellschaften aller teilnehmenden Staaten mehr oder weniger so verhalten, wie es deutschen Standards entspricht. (...) Das empfinden nicht ganz zu Unrecht viele in den betroffenen Ländern als deutsche Arroganz. (...) Die Euroländer, ob klein, ob groß, ob arm, ob reich, sollen sich als Gleiche begegnen können. Staatliche Transferströme, die nicht strikt begrenzt sind auf die Mittel des EU-Strukturfonds, untergraben dieses Prinzip: Sie schaffen ein Gefälle zwischen Gebern und Nehmern und nähren Abneigung und Vorbehalte unter den Völkern. Wenn ein Land unter der Disziplin der gemeinsamen Währung nicht leben kann oder will, so soll es jederzeit frei sein, zu seiner nationalen Währung zurückzukehren.

tz

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