Zollitsch warnt vor übereiltem Atomausstieg

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, warnt vor einem übereilten Ausstieg aus der Atomkraft.

Hamburg - Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, warnt vor einem übereilten Ausstieg aus der Atomkraft. Ein Verzicht setze Alternativen voraus. Er sprach vor allem von Nachteilen.

“Zunächst einmal gilt: Wir brauchen eine stabile und zuverlässige Energieversorgung“, sagte der Freiburger Erzbischof dem “Hamburger Abendblatt“ (Samstagausgabe).

Der Verzicht auf die Atomenergie setze Alternativen voraus, sagte Zollitsch und erinnerte an die Nachteile der bisher diskutierten Alternativen zur Atomenergie: “Stromimporte bedeuten im Zweifelsfall Atomstrom aus Frankreich, neue Kohlekraftwerke verstärken den Klimawandel, Wind- und Solarenergie brauchen neue Netze, die Geothermie ist noch nicht ausgereift und Bioenergie steht in anderen Zielkonflikten.“

Die Atomkraftwerke in Deutschland und Europa

Die Atomkraftwerke in Deutschland und Europa

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In Deutschland sind 17 Atomkraftwerke in Betrieb (Gesamtleistung 20 490 Megawatt) © dpa
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In Bayern stehen insgesamt fünf AKW: Hier das Atomkraftwerk in Gundremmingen. © dpa
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Hier die beiden Atomkraftwerke Isar 1 und 2 nahe Essenbach in Niederbayern. Der Reaktor Isar 1 steht seit Jahren in der Kritik. © dpa
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Hier das Atomkraftwerk in Grafenrheinfeld bei Schweinfurt in Bayern. © dpa
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In Hessen stehen die beiden seit Jahren umstrittenen Atomkraftwerke Biblis A und Biblis B. Biblis A wurde im Jahr 1974 in Betrieb genommen und ist der älteste noch genutzte Reaktor. © dpa
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Niedersachsen zählt insgesamt drei Atomkraftwerke: hier das AKW in Grohnde an der Weser. © dpa
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Hier das Kernkraftwerk Emsland nahe Lingen in Niedersachsen. © dpa
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Das Kernkraftwerk Unterweser nahe Rodenkirchen in Niedersachsen. © dpa
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In Schleswig-Holstein sind insgesamt drei AKW am Netz. Hier das Kernkraftwerk Brokdorf. © dpa
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Hier das AKW Brunsbüttel in Schleswig-Holstein. © dpa
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Das Kernkraftwerk in Krümmel (Schleswig-Holstein). © dpa
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In Baden-Württemberg sind insgesamt vier AKW am Netz. Hier die besonders umstrittenen Kraftwerke Neckarwestheim 1 und 2. © dpa
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Hier die Kraftwerke Philippsburg 1 und Philippsburg 2 in Baden-Württemberg. © dpa
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In Europa sind derzeit 195 Kernkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 170 Gigawatt am Netz (Stand Januar 2011). © dpa
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In Belgien sind sieben Atomkraftwerke in Betrieb (5 926 Megawatt) © dpa
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Finnland betreibt vier AKW (2 716 MW) © dpa
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In Frankreich sind 58 AKW in Betrieb mit einer Gesamtleistung von 63 130 MW (hier der Standort Cattenom) © dpa
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In Großbritannien gibt es 19 AKW (10 137 MW) © dpa
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Die Niederlande betreiben nur ein Atomkraftwerk (487 MW) © dpa
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32 Atomkraftwerke stehen in Russland (22 693 MW) © dpa
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In der Schweiz sind fünf AKW am Netz mit einer Gesamtleistung von 3 238 MW (hier der Standort Leibstadt) © dpa
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Vier Atomkraftwerke stehen in der Slowakei (1 792 MW) © dpa
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Nur ein Kraftwerk mit einer Gesamtleistung von 666 MW ist in Slowenien in Betrieb. © dpa
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In Bulgarien gibt es zwei AKW (1 906 MW) © dpa
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Acht Atomkraftwerke sind in Spanien am Netz (7 516 MW, hier Asco) © dpa
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In Tschechien werden sechs AKW betrieben (3 678 MW) © dpa
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Ungarn zählt vier Kraftwerke (1 889 MW) © dpa
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In der Ukraine sind 15 AKW mit einer Gesamtleistung von 13 107 MW am Netz (hier Tschernobyl, bei dem sich im Jahr 1986 ein Super-GAU ereignete) © dpa
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In Rumänien stehen zwei Atomkraftwerke (Gesamtleistung 1 300 MW) © dpa
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In Schweden sind zehn AKW am Netz (9 303 MW, hier der Standort Oskarshamm) © dpa

Zugleich betonte Zollitsch, dass die katholische Kirche Bedenken habe, die Kernenergie als langfristig tragfähige Lösung zu betrachten - “vor allem auch wegen der ungelösten Endlagerproblematik“. Die Entscheidung über den zeitlichen Horizont des Ausstiegs aus der Atomkraft sei jedoch eine politische.

Warnung vor politischem Missbrauch der Ethikkommission

Der Erzbischof warnte davor, die von der Bundesregierung ins Leben gerufene Ethikkommission politisch zu missbrauchen. Es könne nicht Aufgabe dieser Ethikkommission sein, möglicherweise schon feststehenden politischen Entscheidungen über den weiteren Umgang mit Kernenergie “einen ethisch legitimen Anstrich“ zu geben, appellierte Zollitsch an die Bundesregierung.

Natürlich werde es in der Kommission auch um eine risikoethische Beratung der Kernenergie gehen, sagte der Theologe weiter. Er hoffe aber, dass es der Kommission darüber hinaus gelinge, die ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Dimensionen der Energieproblematik insgesamt deutlich zu machen.

dapd

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