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Wie es auf der Insel weitergeht

Zypern-Rettung: Das sind die Konsequenzen

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Wie geht es jetzt in Zypern weiter?

Brüssel - In letzter Minute hat Zypern den Staatsbankrott abgewendet. Nun muss das Bankensystem radikal schrumpfen. Zur Rettung müssen Großkunden beitragen. Die weiteren Konsequenzen.

Zypern wird vorerst nicht pleitegehen. Die internationalen Geldgeber greifen dem Inselstaat mit einem zehn Milliarden Euro schweren Hilfspaket unter die Arme. Im Gegenzug muss Zypern seinen überdimensionierten Bankensektor radikal verkleinern. Dafür werden Großkunden, Gläubiger und Aktionäre herangezogen. So sehen die Folgen der Rettung aus:

Was ist der Unterschied zum ersten, gescheiterten Rettungsplan?

Dass Kleinsparer nun doch verschont bleiben - sie werden nicht für die Rettungskosten herangezogen. „Konten bis zu 100 000 Euro sind geschützt, daran gibt es keinen Zweifel“, sagte Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem. In der EU sind Guthaben bis zu dieser Grenze bei Bankpleiten sicher. Europa will so das Vertrauen in die europäische Einlagengarantie wahren. Beim ersten Anlauf vor zehn Tagen hatten die Euro-Finanzminister eine Zwangsabgabe auf sämtliche Sparguthaben in Zypern geplant. Das stieß auf heftige Proteste nicht nur in Zypern. Das zyprische Parlament lehnte die Pläne ab; auch international gab es Unruhe. „Mit dem beschlossenen Rettungspaket kehrt mehr Ruhe und Stabilität in die Eurozone zurück“, sagt der Präsident des Bankenverbandes, Andreas Schmitz.

Wie wird verhindert, dass die zyprischen Sparer Geld abziehen?

Das zyprische Parlament hat bereits Gesetze verabschiedet, um den freien Zahlungsverkehr einzuschränken - damit die Kunden der Banken auf Zypern in den kommenden Tagen keine großen Summen ins Ausland bringen können. Sonst würden die Banken und die gesamte Wirtschaft zu sehr belastet. Die Filialen sollen nach rund zehn Tagen Schließung nach Informationen des staatlichen Rundfunks am Dienstag wieder öffnen. Auch dann können Kontoinhaber aber erst einmal nur kleinere Beträge abheben oder überweisen. Die technischen und rechtlichen Vorkehrungen sind getroffen.

Welche Rolle spielen die Banken bei der Zypern-Rettung?

Der überdimensionierte Bankensektor der Insel wird drastisch verkleinert. Zypern muss das aus eigener Kraft schaffen, aus dem Hilfsprogramm gibt es laut Erklärung der Eurogruppe keine Mittel für Finanzspritzen an die Banken. Erstmals in der Euro-Schuldenkrise müssen alle bluten: Die beiden insolventen Großbanken Zyperns werden auf Kosten von Großkunden, Gläubigern und Aktionären zusammengelegt und die größte stabilisiert. Reiche Bankkunden mit mehr als 100 000 Euro Guthaben verlieren einen erheblichen Teil ihres Vermögens. Damit will die EU reiche Ausländer belasten, vor allem Russen, die hohe Summen auf Konten in Zypern halten.

Wie sieht das im Detail aus?

Die zweitgrößte Bank Laiki wird komplett abgewickelt. So kann Zypern viel Geld sparen, das sonst zur Stützung des maroden Instituts nötig wäre. Der überlebensfähige Teil - inklusive der gesicherten Guthaben unter 100 000 Euro - wird auf den Marktführer, die Cyprus Bank, übertragen. Die Einlagen der Kleinsparer sind dort laut Regierung ausdrücklich geschützt. Der Rest wird in eine „Bad Bank“ ausgelagert, auch nicht bediente Bankkredite. Somit verlieren alle großen Gläubiger, Anteilseigner und Großkunden von Laiki ihre Forderungen ersatzlos, insgesamt geschätzte 4,2 Milliarden Euro. Ebenfalls übertragen werden Notkredite (ELA) der Zentralbank von 9 Milliarden Euro.

Die Cyprus Bank bleibt erhalten, wird aber gestutzt. Guthaben über 100 000 Euro werden in haftendes Kapital umgewandelt, bis eine Kernkapitalquote von 9 Prozent erreicht ist, wie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erklärt. Die betreffenden Kontoinhaber verlieren demnach gut die Hälfte ihres Geldes.

Was wird künftig aus dem internationalen Finanzplatz Zypern?

Der dürfte weitgehend verschwinden. „Das Geschäftsmodell war einfach nicht brauchbar“, sagt EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. „Zypern muss neue Quellen für Wachstum finden.“ Experten rechnen mit einer Kapitalflucht von der Insel, die bislang als Steuer- und Geldwäscheparadies galt. Zyperns Wirtschaft wird wohl in eine tiefe Rezession stürzen. „Die nahe Zukunft wird für das Land sehr schwierig werden“, sagt EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn. Brüssel verspricht Unterstützung und schickt eine Expertengruppe (Taskforce).

Gibt es Wege, die gefundenen Regeln rechtlich anzugreifen?

Aktionärsschützer Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), hält diese Gefahr für sehr gering. Der zyprische Gesetzgeber habe es in der Hand, die Regelung wasserdicht zu gestalten. Sollte die Sache dennoch vor Gericht gehen, müssten Juristen die Kosten des Nichtstuns abwägen, die noch viel höher wären, sagt DSW-Sprecher Jürgen Kurz. Denn die Pleite einer Bank hätte alle Guthaben oberhalb der gesetzlichen Einlagensicherung von 100 000 Euro getroffen.

Mit Zypern schlüpft das fünfte Euroland unter einen Rettungsschirm - ist die Krise nun endlich überwunden?

Nein, aber die letzte Woche hat gezeigt, dass die Märkte längst nicht mehr so nervös auf eine drohende Staatspleite reagieren wie vor einigen Monaten. Die Schutzmauern von Politik und Zentralbank zeigen Wirkung. Zudem gehen vom kleinen Inselstaat Zypern ohnehin geringere Gefahren aus als von einem großen Land wie etwa Italien. Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem bilanziert: „Wir haben die Unsicherheit für Zypern und die Eurozone beendet.“

dpa

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