Zypern

Polizei zwingt syrische Bootsflüchtlinge an Land

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Die syrischen Flüchtlinge gehen im Hafen von Limassol an land.

Nikosia - Ende einer verzweifelten Flucht: Hunderte aus stürmischer See gerettete syrische Bootsflüchtlinge sind von der zyprischen Polizei an Land gezwungen worden. Eigentlich wollten sie Italien erreichen.

Die zyprische Polizei hat am Freitag Hunderte Flüchtlinge aus Syrien dazu gezwungen, das Kreuzfahrtschiff „Salamis Filoxenia“ im Hafen von Limassol zu verlassen. Die Flüchtlinge waren am Vortag rund 50 Seemeilen südwestlich von Zypern bei starkem Seegang an Bord des zyprischen Schiffes genommen worden. Zuvor hatten sie ein Notsignal gesendet. Nach der Ankunft in Limassol weigerte sich die Mehrheit der Flüchtlinge, an Land zu gehen. Sie forderten, nach Italien gebracht zu werden, wie das staatliche zyprische Fernsehen meldete.

Nach mehrstündigen ergebnislosen Verhandlungen mit den Behörden griff die Bereitschaftspolizei ein. „Gegen fünf Uhr morgens (Freitag) wurden die Lichter an Bord des Schiffes ausgeschaltet. Dann ging die Polizei rein“, sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur dpa. Die Migranten kamen wenig später sichtlich aufgeregt heraus. „Wir haben Druck, aber keine Gewalt angewendet“, erklärte der zyprische Justizminister, Ionas Nikolaou, im Radio. Zypern werde die Rechte der Migranten respektieren und jeden Asylantrag einzeln prüfen. Man könne aber nicht die Menschen in eine anderes EU-Land transportieren, hieß es.

Die Migranten stammen nach Angaben der Behörden fast alle aus Syrien. Unter ihnen sind viele Familien, mehr als 50 Kinder sind dabei. Die Flüchtlinge wurden am Freitag in kleineren Gruppen in ein Flüchtlingslager westlich der Inselhauptstadt Nikosia gebracht, wie das Fernsehen zeigte. Zwei Kinder mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Ein Mann habe versucht sich zu erhängen. Die Polizei konnte rechtzeitig einschreiten und ihn davon abhalten, berichtete das Staatsfernsehen (RIK).

„Wir haben sie gerettet, gefüttert und jetzt wollen sie das Schiff nicht verlassen. Wir werden ruiniert“, sagte ein Sprecher des Kreuzfahrtbetreibers im Rundfunk in der Nacht. Durch den Ausfall einer Kreuzfahrt am Freitag habe sein Unternehmen hunderttausende Euro verloren.

Flüchtlinge sagten den Behörden, sie hätten pro Kopf 6000 Euro an eine Schleuserbande gezahlt, die sie aus Syrien nach Italien bringen sollte. Der Kapitän und die Besatzung hätten aber heimlich am Donnerstag den Kutter verlassen und die Menschen ihrem Schicksal überlassen.

Im Mittelmeer sind in den vergangenen Monaten Tausende Flüchtlinge ums Leben gekommen. Die Behörden in Zypern, Griechenland und Italien rechnen mit einer noch größeren Flüchtlingswelle. Allein entlang der türkischen Ägäisküste warten nach Angaben des griechischen Ministers für Handelsschifffahrt mehr als 100.000 Menschen aus dem Nahen Osten auf eine Gelegenheit, nach Griechenland zu kommen.

UNHCR-Vertreter: Wir treiben Flüchtlinge in die Hände der Schleuser

Ein Vertreter des Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen hat die europäischen Staaten aufgefordert, legale Wege für Flüchtlinge nach Europa zu schaffen. „Wir sollten die Flüchtlinge nicht in die Hände der Schmuggler treiben“, sagte der Vertreter des UNHCR in Deutschland, Hans ten Feld, am Freitag im Deutschlandradio Kultur mit Blick auf die vielen Seenot-Fälle im Mittelmeer. Besser als indirekt das Geschäft der Schleuser zu fördern, seien humanitäre Aufnahmeprogramme wie das deutsche Programm für die Aufnahme von 20 000 Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien.

Der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) sprach sich für eine grundlegende Reform der europäischen Asylzuständigkeitsregelung aus. Die sogenannte Dublin-III-Verordnung regelt, dass jeder Asylbewerber seinen Antrag in dem Land stellen muss, in dem er zuerst ankommt. Da die einzelnen europäischen Staaten aber unterschiedlich hohe Standards für die Versorgung von Asylbewerbern haben, ziehen viele Neuankömmlinge weiter - zum Beispiel von Italien nach Deutschland. Die Bundesregierung hat die südlichen Mittelmeeranrainerstaaten aufgefordert, gemäß der Dublin-Verordnung alle Asylbewerber zu registrieren.

dpa

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