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Meinung

Demonstrieren statt Spazieren

Josef Enzinger Kommentarfoto Rahmen
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Josef Enzinger

Kommentar von Redakteur Josef Enzinger zu den „Spaziergängen“ und dem Verständnis von Demokratie und Meinungsäußerung

Sie wollen ja nur spazieren, sie tun ja niemanden etwas. Was andernorts bereits in Krawalle mündet, ist bei uns bislang ein harmloser Aufmarsch von schweigenden Frischluft-Fanatikern. Ein stiller Protest von Impfgegnern und Kritikern von Corona-Maßnahmen, die einen Weg gefunden haben wollen, ihrer in Internet-Chats formulierten Meinung Ausdruck zu verleihen, ohne sich an geltende Hygieneregeln wie das Tragen von Masken halten zu müssen.

Von Diktatur reden, auf Regeln des Zusammenlebens in einer Demokratie pfeifen – das passt nicht zusammen. Zumal sie mit ihren Spaziergängen provozieren. Der AfD-Kreisvorsitzende Oliver Multusch zum Beispiel hielt sich für besonders kreativ. Zigarrenrauchend wollte er sich dem Maskenzwang entziehen.

Die Polizei jedoch hat die Spaziergänger mittlerweile im Auge und beharrt auf die Einhaltung genau dieser Corona-Regeln. Das ist gut so.

Lesen Sie dazu auch: Nach neuen Maßnahmen: Erneut einige Demos gegen Corona-Politik geplant - „Maß ist voll“

Bleibt die Frage: Was hält die „Spaziergänger“ noch davon ab, eine offizielle Veranstaltung anzumelden? Das hätte den Vorteil, dass die vielen Protestler, die zweifellos nichts mit dem rechten Rand zu tun haben (wollen), sich auch öffentlich distanzieren können. So aber bleibt beim Blick in digitale Chatgruppen, in welchen Umsturzfantasien geäußert werden und sich auch Rechtsextreme tummeln, Raum für Spekulationen.

Man darf sich nicht darüber wundern, dass Kritiker an dieser stummen Protestform laut werden, den „Spaziergängern“ eine Nähe nach rechts unterstellen. Allerdings: Schimpftiraden, wie bei der Demo am Montag, tragen nicht gerade zur Konfliktbewältigung bei. Man kann spazierenden Impfpflicht-Kritikern nicht Narrative vom rechten Rand vorwerfen, selbst aber allgemein von „Pack“ sprechen. Diese aggressive Rhetorik kann nicht Anspruch derer sein, die sich als die Guten in der Pandemie hinstellen. Und sie ist gefährlich. Weil dann die vielen, bislang unauffälligen „Spaziergänge“ auch bei uns eskalieren könnten. Wer will das schon?