Kommentar über Doppelmoral bei den Testpflichten

Kinder müssen und Erwachsene dürfen? Fehlende echte Testpflicht für Unternehmen ist eine Frechheit

Symbolbild Testpflicht Schulen Unternehmen
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Während weder Homeoffice noch das Durchführen eines Corona-Tests in Unternehmen verpflichtend ist, gilt an bayerischen Schulen seit 12. April eine Testpflicht.

Testen, Testen, Testen. Das ist immer noch ein wichtiger Bestandteil der Corona-Strategie. Aber dann bitte für alle. Oder doch nicht? Ein Kommentar von Volontär Max Darga.

Aktuell schlagen viele Eltern aus verschiedensten Gründen Alarm bei der Testpflicht an Schulen. Währenddessen hat sich die Bundesregierung nach monatelangem Verschließen der Augen zur „Testpflicht“ für Unternehmen durchgerungen, die eigentlich keine solche ist.

Zwei Tests pro Woche, egal welche Inzidenz vorherrscht: Darauf müssen sich jedenfalls Schülerinnen, Schüler und die im Schulsektor Beschäftigte seit 12. März einstellen, wenn der Unterricht mit Präsenz stattfinden soll. Das setzt voraus, dass die Inzidenzen mitspielen, denn sonst droht Wechselunterricht oder die komplett digitale Version. Diese Regelung wurde bereits ziemlich spät umgesetzt, nachdem schon im vergangenen Jahr gefordert wurde, an Schulen zu testen. In der Pflege und in Krankenhäusern war diese Pflicht längst normaler Bestandteil des alltäglichen Konzepts.

Testpflicht für Unternehmen: Fehlanzeige

Anders sieht es bei den Unternehmen aus. Hier wurde nach einer sehr lockeren Empfehlung zum Homeoffice festgelegt, dass es auch eine Testpflicht geben soll. Ab Dienstag (20. April) soll diese Pflicht gültig sein. Nur dass die Testpflicht für Unternehmen lediglich eine „Testangebotspflicht ist, denn die Tests müssen nur zur Verfügung gestellt werden. Eine regelmäßige Durchführung eines Tests oder gar eine Dokumentation ist nicht verpflichtend. Wer sich unwohl damit fühlt, keine Lust hat oder den Ernst der Lage vollkommen verkennt, kann sich ohne weitere Folgen enthalten.

Angesichts der immer wieder und wieder aufs Neue hervorgehobenen Brisanz des Infektionsgeschehens und der Bedrohung durch die mittlerweile weit verbreiteten Corona-Mutanten ist dieses Vorgehen schwer zu verstehen. Auf der einen Seite bangen die Schulkinder, Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern von Woche zu Woche darum, aufgrund der Inzidenz erneut schließen zu müssen. Und das, obwohl das Testen verpflichtend ist.

Auf der anderen Seite sehen sich Unternehmen, in denen die Mitarbeiter sich im Büro täglich begegnen, mit keinerlei derartigen Problemen konfrontiert. Sie müssen nicht schließen, wenn die Inzidenz steigt. Das Homeoffice ist nicht verpflichtend und die Tests sind es genauso wenig.

Mal so, mal so: Ungleichheit entzieht dem Verständnis für Maßnahmen die Grundlage

Der Kampf vieler Eltern um die Planbarkeit und nachvollziehbare Konzepte, die letztendlich auch den Schutz ihrer Kinder garantieren sollen, rückt durch dieses nicht mehr verständliche Ungleichgewicht der Maßnahmen in ein ganz anderes Licht. Es sind oft keine Querdenker, keine Impfgegner oder anderweitig kritisierbaren Gruppierungen, die ihrem Ärger Luft machen. Es sind schlicht Eltern in einer Pandemie, die den beschlossenen Maßnahmen keine Logik mehr abgewinnen können. Nicht weil die Maßnahmen keinen Sinn haben, sondern weil sie nicht für jeden gelten.

Auch wenn vielen Bürgerinnen und Bürgern die Maßnahmen - das Testen inbegriffen - einleuchten, beginnt die Stimmung langsam zu kippen. Die Redaktion erreichen immer öfter besorgte Anfragen über die Umsetzung des Testkonzepts an Schulen und dessen Sinnhaftigkeit. In den sozialen Medien wird die Strategie kontrovers diskutiert.

Testpflicht auch in Unternehmen? Ganz oder gar nicht!

Die Diskrepanz ist zu groß, um sie übersehen zu können. Eine zum Großteil unmündige Bevölkerungsgruppe, die zum Testen gezwungen wird, während eine andere mündige Gruppe, die eigentlich ein besseres Verständnis der Situation haben sollte, sich frei dagegen entscheiden kann. Vor diesem Hintergrund ist das schwindende Vertrauen in diesem Bereich nachvollziehbar.

Solange nicht in allen Bereichen der Schutz aller Mitglieder der Gesellschaft ganz vorne steht, wird das Verständnis für die Maßnahmen nicht wachsen. Eine Frage steht für viele im Raum: Wieso soll die Testpflicht an Schulen so wichtig sein, wenn sie nicht auch für Unternehmen gilt? Wenn die Tests also verpflichtend sind, dann bitte auch in den Unternehmen. Alles andere ist eine Frechheit gegenüber denen, die die aktuelle Lage ernst nehmen.

mda

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