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Krieg und Inflation

Lebensmittel teuer wie nie: Woran das liegt und was man dagegen tun kann

Eine Hand übergibt einer anderen Geldscheine vor einem Korb mit Gemüse
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Nahrungsmittel sind überall teurer geworden. Der Preisanstieg von März 2021 zu März 2022 liegt bei über sieben Prozent.

Seit Monaten steigen die Preise für Lebensmittel. Und der Handelsverband Deutschland rechnet damit, dass sie noch deutlicher nach oben gehen werden. Begonnen hat das alles schon vor dem Krieg. Mehr über die Ursachen und was Experten jetzt raten, lest Ihr hier.

Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes sind Nahrungsmittel teurer geworden und zwar in allen Lebensmittelgruppen. Der Preisanstieg von März 2021 zu März 2022 liegt bei insgesamt mehr als sieben Prozent.

Im März leitete der Discounter Aldi eine neue Runde der Preiserhöhungen ein, andere werden folgen. Laut einer jüngst veröffentlichten Befragung des Ifo-Instituts planen fast alle Firmen aus Deutschlands Nahrungs-Einzelhandel Preiserhöhungen.

Ist der Ukraine-Krieg alleine schuld an den steigenden Preisen?

Diese Frage kann man mit einem klaren “Nein” beantworten. Natürlich spielen die Folgen des Kriegs eine große Rolle. Aber schon vorher sind die Preise im Handel über die Produktpalette hinweg um gut fünf Prozent gestiegen. Grund waren die gestiegenen Energiekosten

Mit dem Krieg hat sich die Situation natürlich noch verschärft. „Seit Beginn des Ukraine-Krieges gibt es Sprünge bei den Einkaufspreisen, die wir so noch nicht erlebt haben“, sagte Aldi-Kommunikationschef Scholbeck in einem Bericht der dpa. Klar, die Agrarexporte aus Russland und der Ukraine werden in einem signifikanten Umfang ausfallen. 

Sie zählen bisher auf dem Weltmarkt zu den wichtigsten Exporteuren von Weizen, Mais und Ölsaaten wie Raps. Russland produziert rund zehn Prozent, die Ukraine etwas vier Prozent des weltweit gehandelten Weizens. Laut Aussage des Verbandes der ölsaaten-verarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID) sind die Ukraine mit 51 und Russland mit 27 Prozent die weltweit wichtigsten Exportländer für Sonnenblumenöl.

Auch Daniela Krehl, Fachberaterin im Referat Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherzentrale Bayern e.V., weiß, dass viele Faktoren die Situation in der Landwirtschaft und der Lebensmittelwirtschaft verändern. “Die Kosten für Energie und Düngemittel sind gestiegen, Arbeitskräftemangel und Mindestlohn verteuern die Personalkosten. Bereits im Juli 2021 setzte der erste Preisschub bei Lebensmitteln ein, der sich bis heute Monat für Monat fortsetzt.”

Nicht alle Preissteigerungen basieren aber auf höheren Herstellungskosten. Denn es wird zwar vor allem mit Energierohstoffen wie Erdöl und Gas an den Börsen spekuliert, aber auch mit knappen Lebensmitteln.

In der Verbraucherzentrale Bayern wünscht man sich einen kritischen Blick von Politik und Kartellamt auf die Handelsunternehmen und einen Teil der Lebensmittelhersteller, falls einige die Gunst der Stunde nutzen, um die eigenen Erträge zu verbessern.

Werden Lebensmittel knapp?

In Deutschland besteht aktuell kein Grund zur Sorge. “Temporäre Engpässe in einzelnen Supermärkte gibt es bei Mehl und Speiseöl”, sagt Daniela Krehl. “Aber Verbraucher:innen werden in Deutschland auch in Zukunft ein ausreichendes Lebensmittelangebot vorfinden.” Und weiter: “Der Selbstversorgungsgrad mit Weizen liegt in Deutschland bei über 100 Prozent.

”Die Ernährungssicherheit ist vor allem in Ländern bedroht, die große Mengen Getreide für die menschliche Ernährung importieren müssen, wie einige nordafrikanische und asiatische Länder sowie die Türkei. “In Deutschland landen dagegen große Mengen importierter Agrarrohstoffe in Futtertrögen von Tieren. Verbraucher:innen müssen also mit Verteuerungen bei Fleisch rechnen”, so Krehl.

In Deutschland können Verbraucher übrigens problemlos auf andere Speiseöle zurückgreifen. Dazu zählen zum Beispiel raffiniertes Rapsöl zum Braten und Olivenöl. Bei denen sind keine Engpässe zu erwarten.

Hamsterkäufe sind auf jeden Fall nicht notwendig. Im Gegenteil: Sie erzeugen künstliche Engpässe, weil die vorhandenen Lieferketten nicht in der Lage sind, auf kurzfristig stark steigende Nachfragen angemessen zu reagieren.

Vor dem nächsten Einkauf: praktische Spartipps

Gerade für Verbraucher mit einem geringen Einkommen können die Preissteigerungen bei Lebensmitteln zu einem Problem werden. “Sie müssen konkret unterstützt werden, um ihnen eine gesunde Ernährung zu ermöglichen”, erklärt Krehl.

Die Verbraucherzentrale hat einige Spartipps zusammengestellt:

  • Saisonale Lebensmittel kaufen: Obst und Gemüse, das über viele tausend Kilometer zu uns transportiert werden muss, ist entsprechend teuer. Deutlich günstiger ist die Ernährung mit heimischen saisonalen Lebensmitteln. Einen guten Überblick bietet hier der Saisonkalender der Verbraucherzentralen.
  • Mit Plan einkaufen: Es lohnt sich, einen Essensplan für die Woche aufzustellen und dann mit Einkaufszettel in den Supermarkt zu gehen. Das reduziert die oft teuren Spontankäufe. Vorab sollte man die Vorräte und den Kühlschrank checken und von hinten nach vorne räumen. Auch kann man ein Budget für den Einkauf festlegen.
  • Selber kochen: Es ist meist günstiger, selbst zu kochen, in Portionen einzufrieren und dann zum Mitnehmen aufzutauen als Fertigmahlzeiten zu kaufen. Auch kleine Snacks unterwegs gehen ins Geld. Besser: Brotzeit schmieren und den Kaffee im Thermobecher mitnehmen. Das spart auch Verpackungsmüll.
  • Von Lagerung bis Selbstanbau: Lebensmittel, die nur noch kurz haltbar sind, werden meist in Supermärkten reduziert angeboten. Übermässige Lebensmittelabfälle sollten vermieden werden, Speisereste weiterverwendet. Damit sie sich möglichst lange halten, sollten Lebensmittel zu Hause richtig gelagert werden. Und auch bei Getränken gibt es Sparpotenzial: Wasser, vor allem Leitungswasser, ist deutlich günstiger als Softdrinks. Es ist besonders umweltschonend und kann mit einem Spritzer Zitrone oder Ingwer aufgepeppt werden. Zu guter Letzt: Wer einen Garten oder Balkon hat, kann Kräuter, Gemüse und Obst selbst anbauen.

Quelle: Verbraucherzentrale Bayern e.V.

Wie geht es mit den Preisen weiter?

Es wird an der Supermarktkasse sicherlich erst einmal keine anhaltende Abwärtsbewegung mehr geben. „Die zweite Welle an Preissteigerungen kommt, und die wird sicherlich zweistellig“, prognostiziert Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverband Deutschland (HDE) in einem dpa-Bericht.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen sieht Handlungsbedarf, da es für einkommensschwache Haushalte immer schwieriger werde, sich ausgewogen und gesund zu ernähren. Eine Forderung: die Anhebung des ernährungsbezogenen Satzes bei Transfereinkommen wie dem Arbeitslosengeld II. “Auch eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte halten wir für geboten”, sagt Verbraucherschützerin Krehl.

as/dpa

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