Von der Glocknerstraße ins Racheringebiet

Drei einsame Logenplätze im Reich des Großglockners

Wander-Tipp: Glocknerstraße ins Racheringebiet
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Ein paar Schritte noch, dann ist die Albitzenspitz (2.971 Meter) erreicht.

Heiligenblut – Jeden Freitag lesen Sie hier unseren Wander-Tipp. Dieses Mal geht es von der Großglockner-Hochalpenstraße auf die Racherin und zwei Nebengipfel.

Albitzenspitz, Racherin und Wasserradkopf, drei Namen, die schier unbekannt sind. Zu prominent ist der nicht mal zehn Kilometer entfernte Nachbar, der alle Aufmerksamkeit auf sich zieht: Der Großglockner. Dieser erfordert allerdings viel alpines Können und unter Umständen einen Bergführer. Den braucht‘s auf die Racherin nicht. Und trotzdem kommt man auf über 3.000 Meter! Auf geht’s in eine Welt, die vom Touristentrubel noch verschont geblieben ist!


Die Wanderung im Überblick

Berg/Gipfel: Albitzenspitz, 2.971 Meter, Racherin, 3.092 Meter, Wasserradkopf, 3.032 Meter.


Höhenmeter der Wanderung: Circa 1.100 Höhenmeter.

Wanderparkplatz/Adresse fürs Navi: „Schöne Wand“, kleiner Parkplatz zwischen dem Rasthaus „Schöneck“ und dem Glocknerhaus auf der Stichstraße zur Kaiser-Franz-Josef-Höhe (Straßenmaut 37 Euro)

Gehzeit: Circa drei Stunden.

Schwierigkeit: Auf die Racherin technisch einfache, aber markierungs- und weglose Tour, die sehr gutes Orientierungsvermögen erfordert. Albitzenspitz und Wasserradkopf erfordern zudem absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Einkehrmöglichkeiten: Keine.

Wann sollte man aufpassen? Im Weidebereich kann man sich unter Umständen verlaufen und man landet auf dem Südwestgrat. Die Gipfelbereiche von Albitzenspitz und Wasserradkopf sind zudem ausgesetzt, Absturzgefahr!

Ist die Wanderung für Anfänger geeignet? 2/5 Punkte: Sofern man nur die Racherin in Betracht zieht, eignet sich die Tour für Anfänger. Ein guter Orientierungssinn sollte trotzdem vorhanden sein! Außerdem darf man nicht vergessen, dass man sich trotzdem in hochalpinem Gelände befindet!

BILDER: Die Fotos der Wanderung findet Ihr hier.

Für Familien mit Kindern geeignet? 3/5: Auch für Familien gilt: Ist Orientierungssinn vorhanden, ist die Tour zu empfehlen. Dennoch beachten, dass die Nordseite vom Racheringipfel recht steil abfällt!

Für Hunde geeignet? 4/5: Betrachtet man die Tour aus Hundeaugen, so ist die Racherin durchaus geeignet. Bis in den Gipfelbereich zieht sich der Bach hoch, der an heißen Sommertagen Erfrischung verspricht. Dennoch gilt: Anleinen auf der Tour!

Lohnt der Gipfel-Ausblick? 5/5: Wie von allen Bergen im Alpenhauptkamm gibt es auch an der Racherin eine umfassende Aussicht: Allem voran auf den Großglockner, mit 3.798 Metern höchster Berg Österreichs, aber auch auf die Berchtesgadener Alpen, Dachsteingebirge, Niederen Tauern, Goldberggruppe, die Julischen Alpen im Süden und die Schobergruppe.

Drei Gründe, warum sich die Wanderung lohnt

Einsamkeit: Während sich die Menschenmassen auf der nahegelegenen Kaiser-Franz-Josef-Höhe tummeln, hat man den gesamten Weg auf die Racherin hinauf seine Ruhe. Ideal für diejenigen, die dem Trubel entfliehen wollen!

Einfachheit: Sofern man über einen guten Orientierungssinn verfügt, ist die Racherin ein vergleichsweise sehr einfacher Dreitausender, für den nicht mal die Hände zur Unterstützung genommen werden müssen!

Flora und Fauna: Der Nationalpark Hohe Tauern zeigt sich hier von seiner ganzen Pracht: Nicht nur Schneehasen und Murmeltiere können mit etwas Glück erspäht werden sondern auch Pflanzen wie das Edelweiß, das hier dutzendfach vorhanden ist.

Für wen die Tour nix ist

Wer nicht willens ist, 37 Euro für die Straßenmaut zu bezahlen, sollte diese Tour nicht in Angriff nehmen. Außerdem sollten auch diejenigen vom Marsch absehen, die sich im Hochgebirge nicht orientieren können.

Und los!

Wir starten unsere Tour am kleinen Parkplatz zwischen dem Rasthaus Schöneck und dem Glocknerhaus. Von dort machen wir ein paar Meter nach Süden und steigen circa zehn Meter zu einem Gedenkkreuz auf. Von dort geht es in Serpentinen den Steig hoch. Die letzten Bäume lassen wir hinter bald hinter uns und auf dem schmalen Steig geht es nur mäßig steil am Hang des Almgebiets hoch. Wir überqueren zwei Bachläufe und gelangen bald an einen elektrischen Weidezaun. Je nach Größe über- oder unterqueren wir diesen und befinden uns nun im Gebiet der „Albitzen.“ Ab dort ist kein Weg mehr vorhanden und wir müssen uns die Route nach oben selbst suchen. Wichtig ist, nicht mehr geradeaus zu gehen, denn dort gelangt man am Ende auf den Südwestgrat, der die Unternehmung sehr unliebsam machen würde. Wir orientieren uns nordwärts. Unterstützung geben uns dabei sowohl der Weidezaun als auch der Bachlauf. Etwa eineinviertel Stunden später gelangen wir an eine Almhütte, die sich bereits jenseits von 2.400 Metern befindet. Hier bietet sich eine Rast mit Blick auf Schobergruppe und Großglockner geradezu an!

Auf dem grasigen Bergrücken geht es nun etwas steiler hinauf, hin und wieder können wir auch wieder den Trampelpfad ausfindig machen! Auf ihm orientieren wir uns so gut es geht nach oben. Mit etwas Glück können wir ab hier auch das erste Edelweiß erspähen, das ab dieser Höhe zahlreich vorhanden ist. Es folgt ein steileres und wegloseres Stück, wo wir uns rechterhand orientieren und uns dem Schutthang nähern. Auf circa 2.700 Metern hört die Vegetation auf und wir befinden uns in einer kragen Steinwüste wieder. Ab hier treffen wir auch auf Schneefelder, die sich mitunter den ganzen Sommer halten. Den Wasserradkopf mit seinem gut sichtbaren Gipfelkreuz lassen wir erst einmal rechts liegen und halten uns geradeaus. Hier oben können wir noch schlecht beurteilen, welcher der höchste Punkt des Bergmassivs ist: Die schroffe Albitzenspitz links, der unscheinbare Gupf geradeaus oder der Wasserradkopf rechts?

Wir steigen über das Geröll erst einmal linkerhand in eine Scharte auf und statten der Albitzenspitz einen Besuch ab. Diese verlangt auf den letzten 100 Metern absolute Konzentration und Trittsicherheit, weil sie steil in das Spielmannkar abbricht. Dafür ist der Tiefblick vom Gipfel auf die beiden Schmelzwasserseen und in die Gesteinswüste atemberaubend! Wir steigen wieder in die Scharte ab und wenden uns der um 121 Meter höheren Racherin zu. Über Geröll, das etwas mühsam, aber technisch unschwierig ist, erreichen wir nach einer guten halben Stunde den höchsten Gipfel unserer heutigen Tour. Hier bietet sich eine ausgiebige Rast an! Danach steigen wir in eine weitere Scharte ab und wenden uns dem Wasserradkopf zu. Auf einem plattigen Gratrücken müssen wir nun doch noch hin und wieder die Hände zu Hilfe nehmen, damit wir nicht abstürzen. Das letzte Stück ist ausgesetzt, sodass wir hier noch einmal auf unsere Schwindelfreiheit getestet werden. Spätestens 30 Minuten nachdem wir wie Racherin verlassen haben, stehen wir schon auf dem um 60 Meter niedrigeren Wasserradkopf! Der Tiefblick ins obere Mölltal ist herrlich, ebenso ist unser Parkplatz zu sehen. Nach einer weiteren Rast steigen wir erst wieder zurück in die Scharte ab, dann orientieren wir uns an unsere Aufstiegsroute nach unten. Circa zwei bis zweieinhalb Stunden später sind wir dann auch schon wieder unten!

Die passende Bekleidung und Ausrüstung zum Wandern und für andere Outdooraktivitäten, finden Sie bei McTREK im Aicherpark Rosenheim.

Simon Schmalzgruber

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