Von Lofer auf das Große Ochsenhorn

Auf den höchsten Berg der einsamen Loferer Steinberge

Lofer – Jeden Freitag lesen Sie hier unseren Wander-Tipp. Dieses Mal geht es von Lofer auf den höchsten Berg der nach dem Ort benannten Steinberge.

Mehrere Gipfel jenseits der 2.000er-Marke bieten die vergleichsweise kleinen Loferer Steinberge, mit dem Hinterhorn und dem Ochsenhorn, unserem heutigen Ziel, sogar zwei über 2.500. Während sich in den umliegenden Gebirgsgruppen wie den Chiemgauer oder Kitzbüheler Alpen durch starke Erschließung viele Menschen von nah und fern tummeln, sind die Loferer und Leoganger Steinberge relativ unberührt geblieben. Lediglich an der Südwestseite, bei Hochfilzen, befindet sich ein Truppenübungsplatz des österreichischen Bundesheeres. Somit sind alle Touren auf die hohen Gipfel aus Dachsteinkalk den konditionsstarken Wanderern vorbehalten.


Die Wanderung im Überblick

Berg/Gipfel: Großes Ochsenhorn, Loferer Steinberge, 2.511 Meter

Höhenmeter der Wanderung: 1.950 Höhenmeter.


Wanderparkplatz/Adresse fürs Navi: Parkplatz Loferer Hochtal, Endpunkt der Stichstraße, die am Ortseingang von Lofer Richtung Waidring links liegt, kostenlos

Gehzeit: fünfeinhalb bis sieben Stunden.

Schwierigkeit: Lange und konditionsraubende Tour, die neben zahlreichen Gegenanstiegen über karstiges Gelände auch mit ungesicherten Kletterpassagen im I. Grad im brüchigen Dachsteinkalk sowie Querungen von Altschneefeldern aufwartet.

Einkehrmöglichkeiten: Schmidt-Zabierow-Hütte, 1.966 Meter

Wann sollte man aufpassen? Besonders ab 2.000 Metern Höhe erweist sich das Terrain als für den erfahrenen Alpinisten vorbehalten: Neben größeren und kleineren Schneefeldern, die bei fehlender Trittsicherheit unangenehm werden können, sind auch die Kletterpassagen nicht zu unterschätzen. Zwar ist das Kalkgestein sehr griffig, aber auch sehr brüchig, weswegen man ziemlich auf lockere Steine aufpassen muss, bevor man sich weiter empor hangelt.

Ist die Wanderung für Anfänger geeignet? 0/5 Punkte: Länger als die Tour zum Sonnblick, zudem technisch und konditionell schwieriger: Anfänger sollten die Loferer Steinberge höchstens bis zur Schmidt-Zabierow-Hütte erwandern!

Für Familien mit Kindern geeignet? 1/5: Nur hochalpin erfahrene Familien dürfen sich an die Besteigung dieses Berges wagen, schließlich strapaziert neben bereits genannten Faktoren besonders die Karst-Passage zwischen Schmidt-Zabierow-Hütte die Füße.

Für Hunde geeignet? 0/5: Eine sehr lange Tour, an der es ab der Hütte keine Möglichkeit mehr gibt, Wasser zu tanken. Zudem sind die Kraxeleinlagen für Hunde ungeeignet! Darum sollte man lieber auf andere Berge ausweichen!

Lohnt der Gipfel-Ausblick? 5/5: Alle Mühen lohnen sich: Fuscher-Kapruner-Kamm, Großglockner und Großvenediger, die keine 50 Kilometer vom Gipfel entfernt sind, liegen einem quasi zu Füßen. Bei guter Sicht sind außerdem Dachstein, Zillertaler Alpen und das Wettersteingebirge zu erkennen. Da die Loferer Steinberge exponiert hinter den viel niedrigeren Chiemgauer Alpen stehen, ist auch ein guter Blick ins Alpenvorland zu Chiemsee und Traunstein, an guten Tagen sogar bis nach München möglich!

Drei Gründe, warum sich die Wanderung lohnt

Ruhe und Einsamkeit: Selbst an hochsommerlichen Wochenendtagen kann man die Anzahl der Bergfreunde, die einem zwischen Hütte und Ochsenhorn entgegenkommen, an zwei Händen abzählen. Auf dem Weg zur Schmidt-Zabierow-Hütte sind zwar noch mehr Leute unterwegs, das liegt aber daran, dass diese der einzige Stützpunkt in den Loferer Steinbergen und somit Ausgangspunkt für die Besteigung aller markanten Gipfel in der Berggruppe ist.

Flora und Fauna: Obwohl es oberhalb der 2.000 Meter sehr karg zugeht, erfreuen sich die Bereiche darunter üppige Blumenpracht. Und auch im Tierreich kann man Tieren begegnen, die man nicht so häufig zu sehen bekommt: Vor allem Gämse kommen hier recht zahlreich vor.

Schmidt-Zabierow-Hütte: Durch den langen Aufstieg auf's Ochsenhorn ist es zu empfehlen, die Tour auf zwei Tage aufzuteilen. Die nach dem Gründer der Alpenvereinssektion Passau benannte Hütte liegt ungefähr auf der Mitte des Weges und man merkt gleich beim Betreten, dass hier keine Massenabfertigung von Touristen wie im benachbarten Kitzbühel stattfindet, sondern vielmehr Service an erster Stelle steht. Zwar sind die Preise für Essen und Trinken nicht unbedingt günstig, das liegt aber vor allem daran, dass die Hütte einerseits noch durch Träger und Hubschrauber beliefert werden muss, andererseits stammen alle Zutaten für's Essen von Betrieben, die höchstens zehn Kilometer Luftlinie entfernt sind. Und das schmeckt man. Nicht nur die Qualität der Zutaten sorgen für höchsten Genuss, sondern auch die ausgezeichnete Bewirtung durch Kathi Filzer und ihr Team, die einem von Anfang ein Gefühl wie daheim geben. Essenstipp: Gemüserisotto, das es über einen Zeitraum von jeweils wenigen Wochen gibt!

Voran!

Wir starten am Parkplatz Loferer Hochtal, welcher auf einer steilen Sandstraße (Vorsicht vor der fiesen Mulde kurz vor Ende der Strecke!) erreicht wird. Steil lautet das Credo dieser Tour, denn es wird knapp zweitausend Höhenmeter permanent bergauf oder bergab gehen. Höhenmetertechnisch betrachtet übertrifft der Aufstieg zum Ochsenhorn sogar den zum Großglockner – wir haben also einen wahrhaft anstrengenden Weg vor uns! Zuerst müssen wir einen Starkstromzaun überwinden, der für Personen unter 1,70 schlagartig unangenehm werden kann. Nachdem wir uns gut fünf Minuten auf dem Sandweg eingehen konnten, werden wir alsbald ins kalte Wasser geschmissen: Wir folgen der Beschilderung und schlagen nach links ein. Von nun an geht es in der Steigung gut drei Stunden nach oben. Dazu jagen uns die lästigen Bremsen, die scharf auf frisches Bergsteigerblut sind. 

Auf dem sehr gut instandgehaltenen Weg geht es mal über Schrofen, mal über Treppen, dann wieder über Sand rechtsseitig der Schwarzwand zügig bergauf. Bald schon ergeben sich die ersten Ausblicke auf unseren Parkplatz und Lofer. Nach einer guten Stunde erreichen wir eine klare Bergquelle, deren eiskaltes Wasser unsere Kehlen wie unsere Geister erfrisch t. Es geht weiter durch den dichten Wald, der mit zunehmender Höhe jedoch lichter und lichter wird. Allmählich wird auch das Gehgelände steiler. Nach eineinviertel Stunden bekommen wir schon mal einen Vorgeschmack, wie der Charakter der zweiten Etappe sein wird: Durch einen noch breiten, von Felsen eingerahmten Serpentinensteig geht es weiter in Richtung Baumgrenze. Vorher tauchen wir ein letztes Mal noch in den Bergwald ein und können an einer zweiten Quelle erneut Kraft tanken. Nun geht es durch von den letzten Latschen besetztes Gelände, über der Graskante zeigt sich bereits das Reifhorn, nicht recht viel später unser morgiges Ziel, das Große Ochsenhorn. 

Auf's Dach der Loferer Steinberge

Blick vom benachbarten Sonntagshorn auf die Loferer Steinberge: Großes Ochsenhorn (von links nach rechts), Skihörndl, Reifhörner, Breithorn, Mitterhorn/Hinterhorn und Rothörner. © Simon Schmalzgruber
Unser Parkplatz im Loferer Hochtal... © Simon Schmalzgruber
...liegt auf 807 Metern. © Simon Schmalzgruber
Es geht nur kurz... © Simon Schmalzgruber
...in dieser gemütlichen Steigung nach oben... © Simon Schmalzgruber
...denn nach nicht mal zehn Minuten geht es fortan in dieser Steigung nach oben! © Simon Schmalzgruber
Noch begleiten uns üppige Vegetation... © Simon Schmalzgruber
...und andere Bergfreunde. Spätestens ab der Hütte verläuft sich's aber! © Simon Schmalzgruber
Über's Steigerl... © Simon Schmalzgruber
...gehts zu einer Quelle, die uns besonders in heißen Tagen mehr als willkommen ist. © Simon Schmalzgruber
Weiter durch den Wald... © Simon Schmalzgruber
...spitzt bald das Breithorn (2.413 Meter) hervor. © Simon Schmalzgruber
Wir testen das hochalpine Feeling an... © Simon Schmalzgruber
Seile werden uns wenig zuhilfe kommen. © Simon Schmalzgruber
Eine zweite Energietankstelle. © Simon Schmalzgruber
Nun zeigen sich Reifhörner... © Simon Schmalzgruber
...die wir nochmal näher ranholen. © Simon Schmalzgruber
Nicht viel später taucht auch unser morgiges Ziel auf. © Simon Schmalzgruber
Eine Gams schaut zu uns rüber... © Simon Schmalzgruber
...die andere präsentiert sich vor den Wänden des Breithorns. © Simon Schmalzgruber
Dieser Weg kann bei direkter Sonneneinstrahlung zur Qual werden! © Simon Schmalzgruber
Endlich ist nun auch die Schmidt-Zabierow-Hütte zu sehen! © Simon Schmalzgruber
Bis wir sie erreichen, müssen wir aber noch eine gute Dreiviertelstunde einplanen! © Simon Schmalzgruber
Dabei sind... © Simon Schmalzgruber
...die ersten Schneefelder zu queren. © Simon Schmalzgruber
Auch die ersten leichten Kraxelpassagen sind zu meistern. © Simon Schmalzgruber
Nun ist die Hütte endlich erreicht... © Simon Schmalzgruber
...die uns mit einer herrlichen Aussicht auf das nächtliche Lofer und das Berchtesgadener Alpenvorland beschert! © Simon Schmalzgruber
Am nächsten Morgen begrüßen uns die bereits sonnenverwöhnten Reifhörner... © Simon Schmalzgruber
...sowie diese zwei freundlichen Damen: Kathi (links) und Evelyn sowie ihr Team lassen durch ihren großartigen Service ein Gefühl wie zuhause vermitteln. © Simon Schmalzgruber
Nun machen wir uns auf zur nächsten Etappe! © Simon Schmalzgruber
Dafür müssen wir erst einige Höhenmeter absteigen. © Simon Schmalzgruber
Auch tüchtige Wirtsleut haben mal eine Pause verdient! © Simon Schmalzgruber
Blau, blau, blau blüht der Enzian! © Simon Schmalzgruber
Das ist noch nicht die tiefste Stelle, zu der wir zwischenzeitlich absteigen müssen... © Simon Schmalzgruber
Davor passieren wir einen Teil des Klettergartens. © Simon Schmalzgruber
Links geht's weiter! © Simon Schmalzgruber
Am Fuße der Reifhörner vorbei... © Simon Schmalzgruber
...geht es alsbald über ein Schneefeld... © Simon Schmalzgruber
...und noch eins. © Simon Schmalzgruber
Noch immer nicht endet die lange Rechtskurve um den dritthöchsten Berg der Loferer Steinberge... © Simon Schmalzgruber
...die zunehmend über Dolinen führt. © Simon Schmalzgruber
Das Webermarterl erinnert an einen tödlichen Streit unter Wilderern. © Simon Schmalzgruber
Nun zeigt sich das Große Ochsenhorn über der Kleinen Wehrgrube mit seinen Trabanten Traunspitzl und Skihörndl. © Simon Schmalzgruber
Ja, da, wo die Bergsteiger entlanggehen, werden auch wir bald sein! © Simon Schmalzgruber
Vorher nochmal über ein kleines Schneefeld... © Simon Schmalzgruber
...und an der nächsten Gams vorbei. © Simon Schmalzg ruber
Es ist angerichtet! © Simon Schmalzgruber
Nochmal geht's über eins empor! © Simon Schmalzgruber
Eine nächste kleine Kraxelei! © Simon Schmalzgruber
Eigentlich war es schön angenehm im Schatten...aber es nützt nichts, jetzt müssen wir mit der Sommersonne nach oben! © Simon Schmalzgruber
Erst ein Pfeil... © Simon Schmalzgruber
...dann ein Schild, das uns den Weg nach oben weist. Praktischerweise mit aktueller Höhenangabe. © Simon Schmalzgruber
Der Schutt wird unser steter Begleiter auf die nächsten Höhenmeter sein. © Simon Schmalzgruber
Nun zeigt sich auch die markante, freistehende Säule des Ochsendaumens. © Simon Schmalzgruber
Die Sonne wird stärker und stärker... © Simon Schmalzgruber
Nun auf den Daumen zu... © Simon Schmalzgruber
...und im Ier-Grad nach oben. © Simon Schmalzgruber
Dafür gewinnen wir aber auch gut an Aussicht! © Simon Schmalzgruber
Mit steigender Höhe wird das Gelände weniger brüchig. © Simon Schmalzgruber
Immer wieder Klettereinlagen... © Simon Schmalzgruber
...die unsere Arme fordern. © Simon Schmalzgruber
Der Gipfel ist nun bald erreicht! © Simon Schmalzgruber
Vorher muss aber noch das mitunter schwierigste Stück überwunden werden: Am Seil geht es schmal über einer Schuttrutschung vorbei... © Simon Schmalzgruber
Fünf Minuten bis zum Gipfelkreuz noch! © Simon Schmalzgruber
Das Gipfelkreuz auf 2.511 Metern begrüßt uns mit einer Schau... © Simon Schmalzgruber
...zu den Berchtesgadener Alpen... © Simon Schmalzgruber
...über den Schidergraben zu den Leoganger Steinbergen mit dem Gipfelkönig Birnhorn (2.634 Meter)... © Simon Schmalzgruber
...und in die Hohen Tauern! © Simon Schmalzgruber
Der Wilde Kaiser zeigt sich von einer sonst recht ungewöhnlichen Perspektive. © Simon Schmalzgruber
Hinter den Reihörnern erhebt sich das nur fünf Meter niedrigere Hinterhorn... © Simon Schmalzgruber
...das  je nach Ort der Ansicht auch Mitterhorn genannt wird. © Simon Schmalzgruber
Rechts hinter dem 2.413 Meter hohen Breithorn zeigen sich Kampenwand, Hochplatte, Chiemsee und Hochgern... © Simon Schmalzgruber
...sowie die östlichen Chiemgauer Alpen mit Hochgern, Hochfelln, Dürrnbachhorn, Unternberg, Sonntagshorn und Staufen. © Simon Schmalzgruber
Die Reiter Alm zeigt sich hier besonders imposant. © Simon Schmalzgruber
Im Dunst verschwinden sieht man Traunstein und den Hochberg. © Simon Schmalzgruber
Hinterm Hochkalter spitzt noch der Hohe Göll raus... © Simon Schmalzgruber
...sowie hinter der Hocheisgruppe der Watzmann. © Simon Schmalzgruber
Links ist mit dem 2.350 Meter hohen, pyramidenförmigen Kahlersberg die höchste Erhebung des Hagengebirges auszumachen, im Dunst verschwindet der Dachstein. © Simon Schmalzgruber
Fast an einer Kette aufgereicht stehen Hochkranz, Seehorn und Großer Hundstod, rechts davon der Kleine Hundstod, der Diesbach-Stausee, der Funtenseetauern und Teile des Steinernen Meeres. © Simon Schmalzgruber
Der sonst so markanten Schönfeldspitze wird die Show vom Hochkönig gestohlen, dessen Hütte am Gipfel, das Matrashaus, zurückgrüßt. © Simon Schmalzgruber
Einen tollen Tiefblick auf Lofer hat man von hier ebenfalls... © Simon Schmalzgruber
...sowie auch auf die Loferer Alm, die sichtlich mehr erschlossen ist! © Simon Schmalzgruber
Kurz hinter der Straße liegt unser Startpunkt! © Simon Schmalzgruber
Wir erblicken die Reichenspitzgruppe, die durch eine Tragödie mit regionalen Bergsteigern 2017 traurige Berühmtheit erlangte. © Simon Schmalzgruber
Die westliche Venedigergruppe... © Simon Schmalzgruber
...und der Hauptgipfel, der stark vergletscherte und vierthöchste Berg Österreichs, der Großvenediger (3.657 Meter)! © Simon Schmalzgruber
Der Fuscher-Kapruner Kamm mit Bauernbrachkopf, Hoher Tenn, Großem Wiesbachhorn, Bratschenköpfen, Klockerin und Bärenköpfen. © Simon Schmalzgruber
Hinter dem Großen Rettenstein, dem markantesten Berg der Kitzbüheler Alpen bietet sich eine weitere Sicht auf die Zillertaler Alpen. © Simon Schmalzgruber
Links vom Tauernkogel (2.988 Meter) liegt der bekannte Felber Tauern. © Simon Schmalzgruber
Blick auf den Truppenübungsplatz Hochfilzen. © Simon Schmalzgruber
Ein Salamigeier bettelt nach Futter... © Simon Schmalzgruber
Links des Birnhorns liegt das Radhausbergmassiv am Ende des Gasteiner Tals. © Simon Schmalzgrub er
Hier zeigen sich wiederum das Schareck (3.123 Meter)... © Simon Schmalzgruber
...und der höchste Berg der Goldberggruppe, der Hocharn (3.254 Meter). © Simon Schmalzgruber
 © Simon Schmalzgruber
Es macht wieder auf und endlich zeigt sich auch der mit 3.798 Metern höchste Berg Österreichs, der Großglockner. Da erscheint auch das direkt davor liegende Kitzsteinhorn (3.203 Meter) blass. © Simon Schmalzgruber
Segelflieger rauschen an schönen Tagen zuhauf über den Gipfel! © Simon Schmalzgruber
Blick auf's nächtliche Lofer und das Berchtesgadener Alpenvorland!

Warum morgen? Es sei auf jeden Fall empfohlen, die Tour auf zwei Tage aufzuteilen! Einerseits kann man den Aufstieg zur Schmidt-Zabierow-Hütte am Abend erledigen, sodass die gnadenlos brennende Sonne nicht bereits ab der jetzt beginnenden Etappe die Kräfte raubt. Andererseits kann man sich bei der Hütte ausreichend akklimatisieren, um mit dem großen Höhenunterschied, der bei dieser Tour überwunden wird, besser zurechtzukommen. Es geht weiter durch Latschen und blühende Alpenblumen und mit Glück können wir die hier vorkommenden Gämsen erspähen, wie sie äsen und sich souverän ihren Weg durch die Steilstufen bahnen. Nach zweieinhalb Stunden können wir die Schmidt-Zabierow-Hütte am Spörnchen des 1.966 Meter hohen Gamskopfs (Falzköpfl) sehen. So zum Greifen nahe sie auch scheint – eine Dreiviertelstunde müssen wir schon noch mindestens einplanen, bis wir hier sind. Die Vegetation wird nun ziemlich schnell karg – schließlich sind wir ja schon weit über 1.800 Metern und weicht dem Karst. Außerdem müssen erste Schneefelder überwunden werden. Zum Schluss steilt der Weg nochmal gut an und wir müssen erstmalig die Hände zu Hilfe nehmen. Dann ist die Hütte aber erreicht und mit Blick runter nach Lofer und ins Berchtesgadener Alpenvorland können wir den Abend ausklingen lassen. Dabei ergibt sich sicherlich auch mal ein Pläuschchen mit anderen Bergsteigern oder dem überaus netten Hüttenpersonal, ehe es ins Mehrbettzimmer oder ins Matratzenlager geht. 

Am nächsten Morgen erwachen wir mit einem Blick auf die über der Reiter Alm aufgehende Sonne, die intensiv von den Felswänden um die Große Wehrgrube beantwortet wird. Nach einem stärkenden Frühstück brechen wir zur zweiten Etappe auf. Der Wegweiser zeigt uns zweidreiviertel Stunden an, doch diese Zeit ist ganz von Wetter und Tagesform abhängig. Nun macht es das zweite Mal „Platsch!“ - wieder ins kalte Wasser gestoßen. Ziemlich steil geht es unmittelbar nach der Hütte runter und verlieren ordentlich an Höhenmetern. Nach einer guten Viertelstunde gelangen wir an einen Teil des Klettergartens, der um die Hütte rum Touren in verschiedenen Schwierigkeitsgraden bietet. Keine fünf Minuten später trennen sich die Wege: Rechterhand geht’s auf's Reifhorn rauf, halblinks weiter zum Ochsenhorn. Wir passieren langsam, aber sicher den mächtigen Nordsockel des Reifhorns und allmählich kommt die breite Wand des Ochsenhorns voll zur Geltung. Man mag kaum glauben, dass man fast die ganze Route sehen kann – nur erscheint sie in dieser 500 Meter hohen Wand winzig klein. 

Auch über Schneefelder geht's empor!

Über Schneefelder und dann wieder garstig karstig geht es im Auf und Ab weiter zum Fuß des eigentlichen Bergs. Eine gute Stunde später gelangen wir ans Webermarterl, das an einen im Jahre 1844 tödlich geendeten Wildererstreit erinnert. Vom Marterl überblicken wir nun die Kleine Wehrgrube und eine schmale Querung über ein steil anmutendes Schneefeld. Ja, auch darüber wird es gehen! Davor steigen wir aber ein letztes Mal in die Kleine Wehrgrube hinab. Der darauf folgende Wechsel von Schneefeldern undleichter Kletterei in brüchigem Gestein testet uns erstmalig, ob der Berg auch wirklich unseren Besuch duldet. Nach gut eineinhalb Stunden folgen wir dem aufgemalten Wegweiser „Ochsenhorn“, kurz darauf finden wir auch Schilder, die uns den Weg den Grat hinauf zeigen. Im Juli liegt hier oben noch recht viel Altschnee, weswegen wir von der markierten Route abweichen und ein bisschen mehr Kletterei am Grat wagen müssen. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, denn die richtigen Kletterpassagen kommen noch. Über brüchigen Fels geht es nun sehr zügig nach oben und der Blick auf die benachbarten Berge und Gebirgsgruppen wird besser. Allen voran jedoch auf den Ochsendaumen, der uns wie ein Leuchtturm den Weg nach oben weist. 

Die Sonne kann bei hochsommerlichen Tagen auch auf über 2.000 Metern richtig garstig werden!

In lang gezogenen Serpentinen, die mitunter mit Klettereinlagen bestückt sind, knacken wir die 100 Höhenmeter im Halbstundentakt. Zum Glück ist der Weg sehr gut markiert, dennoch ist ein wachsames Auge von Vorteil, das eine noch bessere Kletterroute etwas abseits der Markierung erschließen kann. Gut zwei Stunden kleben wir an der Wand, ehe das Gipfelkreuz in greifbare Nähe rückt. Nun noch einmal ganz gut konzentrieren, es geht am Seil ziemlich schmal an einer Abbruchkante, die in die Tiefe führt, vorbei. Ist dies geschafft, marschieren wir zielstrebig auf's Gipfelkreuz zu und es ist endlich geschafft! Wir stehen auf dem mit 2.511 Metern höchsten Punkt der Loferer Steinberge! Eine tolle Aussicht und ein Rastbankerl am Gipfel belohnen alle Mühen, die wir auf uns nahmen, um diesen Berg zu erklimmen. 

Nachdem wir ausgiebig am Gipfel verweilt sind, müssen wir uns beim Abstieg umso mehr konzentieren, da wir die Traktionsfähigkeit des brüchigen Dachsteinkalks von oben herab schlechter einschätzen können. Durch die durchwegs gute Markierung ist ein Verlaufen, beziehungsweise Versteigen schlecht. Sind der Abstieg vom Grat und die garstige Karstpassage geschafft, können wir zehn Minuten vor der Schmidt-Zabierow-Hütte ein wenig abkürzen, ansonsten folgt die Abstiegs- der Aufstiegsroute. Nach den anstrengenden 1.950 Höhenmetern bietet es sich noch an, eine Runde im eisig kalten Wasser des Kneipp-Beckens kurz vor der Einmündung in die Straße zwischen Lofer und Waidring zu drehen – eine Wohltat für alle Sinne und die geschundenen Beine!

Die passende Bekleidung und Ausrüstung zum Wandern und für andere Outdooraktivitäten, finden Sie bei McTREK im Aicherpark Rosenheim.

Simon Schmalzgruber

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Simon Schmalzgruber



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