Vom Enzingerboden auf die Hohe Fürleg

Wandertipp: Familienfreundlicher „Fast-Dreitausender“ am ewigen Eis

Eine tolle Aussicht auf die umliegenden Berge ergibt sich vom Gipfel der Hohen Fürleg!
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Eine tolle Aussicht auf die umliegenden Berge ergibt sich vom Gipfel der Hohen Fürleg!

Uttendorf – Jeden Freitag lesen Sie hier unseren Wander-Tipp. Dieses Mal geht es vom Enzingerboden auf einen aussichtsreichen Berg nahe der 3.000 Meter-Marke.

Steht man unten am Enzingerboden, mag man den Berg kaum ausmachen. Und tatsächlich: Der Hauptgipfel der Hohen Fürleg zeigt nur sodann und wann, höchstens vom Berghotel Rudolfshütte kann man ihn erspähen. Doch so sehr er sich auch versteckt, umso aussichtsreicher ist es von oben. Neben einen eindrucksvollen Blick auf das Sonnblickkees, über dem sich Granatspitze und Stubacher Sonnblick erheben, stehen auch die Nachbarberge toll da. Doch nicht nur die tolle Aussicht ist ein Grund, den Gipfelsturm zu wagen, außerdem ist der Berg leicht erreichbar und technisch nicht schwierig!


Die Wanderung im Überblick

Berg/Gipfel: Hohe Fürleg, 2.943 Meter, Hohe Fürleg Nordgipfel, 2.925 Meter, Granatspitzgruppe


Höhenmeter der Wanderung: Circa 1.600 Höhenmeter

Wanderparkplatz/Adresse fürs Navi: Enzingerboden, 5723 Österreich, kostenlos

Gehzeit: Circa fünf Stunden hinauf, drei Stunden hinab.

Schwierigkeit: Technisch einfacher, aber konditionell anspruchsvoller Berg, sofern man den ganzen Weg auf sich nimmt.

Einkehrmöglichkeiten: Berghotel Rudolfshütte, 2.310 Meter

Wann sollte man aufpassen? Ab der Staumauer ist Trittsicherheit gefragt, im Gipfelbereich außerdem etwas Schwindelfreiheit.

Ist die Wanderung für Anfänger geeignet? 5/5 Punkte: Da ungefähr die Hälfte der Wegstrecke mit der Seilbahn abgekürzt werden kann, ist Anfängern diese Tour zu empfehlen. Nur an ausreichend Trinken denken!

Für Familien mit Kindern geeignet? 5/5: Auch Familien mit Kindern ist die Tour absolut zu empfehlen: Nur selten kommt man mit noch weniger Aufwand noch höher!

Für Hunde geeignet? 3/5: Die Leitern auf dem Hans-Gruber-Weg können abschreckend wirken, aber danach ist die Tour auch für Hunde machbar. Da mit fortschreitender Höhe keine Quellen mehr bestehen, sollte daran gedacht werden, die Trinkwasservorräte frühzeitig aufzufüllen!

Lohnt der Gipfel-Ausblick? 4/5: Lediglich der Blick in den Süden und den Osten bleibt durch die höheren Nachbarn verwehrt, ansonsten tolle Rundschau in die Glockner- und Venedigergruppe, zu Wilder Kaiser und den Berchtesgadener Alpen!

Drei Gründe, warum sich die Wanderung lohnt

Leichte Erreichbarkeit: Dadurch, dass man bis auf 2.300 Meter mit der Seilbahn fahren kann, lässt sich einiges an Wegstrecke einsparen.

Ewiges Eis: Die Route bewegt sich teilweise nur wenige Meter vom Sonnblickkees entfernt. Besonders bei aperen Verhältnissen wirken dessen tiefe Spalten imposant!

Ein Berg für (fast) alle: Dadurch, dass die Seilbahn auf über 2.300 Meter führt, ist die Tour im Grunde für jeden machbar. So war es wenig verwunderlich, dass das Publikum am Tag der Tour sehr gemischt und der Berg dementsprechend gut besucht war.

Für wen die Tour nix ist

Wem die schroffen Türme der Fürleg zu große Angst einflößen, sollte sich besser mit einer Wanderung um den Gletscher, beziehungsweise um den Weißsee zufrieden geben.

Andiamo!

Wir starten unsere Tour am Enzingerboden, der Endpunkt einer 17 Kilometer langen Strßae von Uttendorf ist. Uns bleibt nicht viel Zeit zum Eingehen, denn kurz nach der Talstation der Seilbahn geht es schon recht steil hinauf. Auch wenn wir uns auf einem Fahrweg befinden, gewinnen wir schnell an Höhe und nach einer guten Dreiviertelstunde befinden wir uns schon an der Mittelstation der Seilbahn auf 1.780 Metern. Danach wird der Weg schmaler, aber keineswegs problematisch: Nach der Station wird es nämlich wieder ebener und außerdem fühlt sich der Steig so an, als würde man in jemandes Garten gemütlich herumspazieren. Nach gut eineinhalb Stunden ist die Baumgrenze bereits erreicht und über gut präparierte Felshalden und Rasenflächen geht es weiter nach oben. Bald schon kommt die Staumauer vom Weißsee in Sichtweite und zweieinhalb bis drei Stunden, nachdem wir aufgebrochen sind, sind wir auf Höhe des Berghotels Rudolfshütte. Hier befindet sich auch die Endstation der Seilbahn. Ein gutes Backup, sollten uns auf dem Rückweg die Kräfte ausgehen...

Von hier aus geht es auf jeden Fall erst einmal über die Staumauer. Der Komfort des Weges ist jetzt passé, allerdings wird es auch nie sonderlich gefährlich. Nicht recht viel später, nachdem wir die Mauer überwunden haben, kommen mehrere Leitern in Sicht: Diese wirken zwar etwas abschreckend, sind allerdings auch die einzigen auf der Tour. Sind diese bezwungen, befinden wir uns im Nationalpark Hohe Tauern, genauer gesagt in dessen Außenzone. Hin und wieder müssen Bachläufe überquert werden, außerdem kommen die pyramidenförmige Granatspitze und sein rechter Nachbar, der Stubacher Sonnblick, immer näher. Ungefähr dreieinhalb Stunde nach unserem Aufbruch gelangen wir an einen See, der vom Schmelzwasser der spaltenreichen Sonnblickkeeses gespeist wird. Hier bietet sich eine Rast in umwerfender Kulisse an! Weiter geht es auf beschildertem und hervorragend markiertem Wege in Richtung Hohe Fürleg, die auch als „Hochfürleg“ bezeichnet wird. Das Gelände wird nun wieder steiler und ab und an sind auch unsere Hände gefragt; die gefährlichsten Stellen werden allerdings durch ein Seil entschärft. Auf circa 2.800 Metern haben wir die Möglichkeit, einen Abstecher zu steil abfallenden Fürlegpfeiler zu machen, allerdings sind hier weder Weg, noch Markierung, noch ein Gipfelkreuz vorhanden. Die Aussicht ist trotzdem einen Umweg wert!

Zurück auf dem markierten Aufstiegsweg ist es nicht mehr lange bis zur Scharte. Von dort sind es nur mehr circa zehn Minuten leichte und etwas ausgesetzte Blockkletterei und dann steht man schon auf dem Gipfel! Von hier aus zeigt sich der Großglockner von einer ganz ungewohnten Seite, außerdem ist der Blick hinüber zu Großvenediger, dem Wilden Kaiser, den Berchtesgadener Alpen und der restlichen Glocknergruppe sowie hinunter zu den Stauseen Enzingerboden, Tauernmoossee, Grünsee und Weißsee sehr eindrucksvoll. Konditionsstarke Wanderer können außerdem noch den etwas niedrigeren Nordgipfel in Angriff nehmen, der nochmal ungefähr 30 Minuten in Anspruch nimmt und entweder vom Gipfel oder über den Gletscher (für den aber bei guten Verhältnissen keine Steigeisen benötigt werden) erreicht werden kann. Ansonsten Abstieg wie Aufstieg.

Die passende Bekleidung und Ausrüstung zum Wandern und für andere Outdooraktivitäten, finden Sie bei McTREK im Aicherpark Rosenheim.

Simon Schmalzgruber

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