SB Chiemgau Traunstein - TSV 1860 München II 1:2

Traunsteins Talfahrt nimmt kein Ende - Heimpleite gegen 1860 II

+
Da möchte man am liebsten die Augen verschließen - die schwarze Serie von Stefan Mauerkirchner und Aufsteiger SB Chiemgau Traunstein hält an.
  • schließen

Traunstein – Die Trendwende beim stark angeschlagenen SB Chiemgau Traunstein lässt weiter auf sich warten. Auch gegen den Tabellenvierzehnten, die U21 der Münchner Löwen, mussten die Traunsteiner vor 1.300 Zuschauern eine bitter Heimniederlage quittieren. Nicht vom Glück verfolgt, bekamen sie erst keinen Elfmeter zugesprochen, trafen dann nur den Pfosten und mussten in einem mäßigen Bayernligaspiel Sekunden vor der Halbzeit einen Gegentreffer hinnehmen. Einmal im Rückstand gelang es ihnen in ihrer derzeitigen Verfassung nicht mehr zurückzukommen und die erneute Heimpleite abzuwenden.

Zwei Sachen waren von Beginn an klar: Die Traunsteiner mussten ein weiteres Heimspiel gegen eine Gästemannschaft aus dem unteren Tabellendrittel endlich einmal erfolgreich gestalten – und die U21 der Münchner Löwen wollte, selber auf einem Abstiegs-Reglegationsrang beheimatet, beim Tabellenletzten keines Falls Federn lassen. Die Anfangsphase des Matches zwischen den Roten aus Traunstein und den Hellblauen aus Giesing verlief, wie die erste Halbzeit im Allgemeinen, sehr ausgeglichen.

Mauerkirchner von Torwart gestoppt - kein Elfmeter!

Einziger Aufreger war gleich kurz nach Anpfiff eine Situation in der die Chiemgauer und ihr Publikum Elfmeter forderten: Nach einem exakten langen Ball von Traunsteins rechtem Außenverteidiger Faruk Zeric war die Sechziger-Abwehr überrumpelt und Stefan Mauerkirchner konnte aus 25 Metern halbrechter Position auf und davon in den Strafraum ziehen. Im Duell mit 1860-Keeper Johann Hipper im zentralen Sechzehner wollte Mauerkirchner an diesem vorbeiziehen, wurde gestoppt und kam dabei zu Fall (6.). Die Pfeife von Schiedsrichter Wolfgang Haslberger blieb stumm – schwer zu entscheiden, aber hier hätte man auch durchaus Strafstoß geben können. Kein Fortune für das Schlusslicht.

Auch danach konnte keines von beiden Teams große Vorteile für sich beanspruchen. Das taxieren setzte sich fort – und die Partie präsentierte sich wie eine Art ellenlange Abtastphase. Beide Mannschaften waren sichtlich darum bemüht, dem Gegner wenig anzubieten, im Zweifelsfall möglichst wenig zuzulassen, um ja nicht als erstes in Rückstand zu geraten. Daneben wurde von beiden dann so etwas wie die eigene spielerische Linie gesucht – und nicht so wirklich gefunden. Zu wenig risikobereit, zu abwartend, aber auch in manch einer Szene zu nervös, agierten sowohl die Akteure des SBC als auch die der Kleinen Löwen.

Ausgeglichenes Match ohne Tormöglichkeiten

Dementsprechend wenig Konstruktives brachten sowohl die Heimelf als auch die Gäste im Spiel nach vorne zustande – Torraumszenen waren rar gesät, wirklich gefährliche Aktionen gab es kaum. Es war kein sonderlich gutes Spiel, welches die zahlreichen Zuschauer angeboten bekamen – aber damit dürften in Anbetracht der Ausgangslage auch die wenigsten von ihnen gerechnet haben. Vielmehr war das, was sich auf dem Rasen des Jakob-Schaumaier-Sportparks abspielte der erwartbare Bayernliga-Abstiegskampf in Reinkultur - zerfahren, mutlos, fehlerbehaftet.

Service:

Abschlüsse gab es kaum zu sehen – und wenn dann waren diese harmlos. Meist hakte es auf beiden Seiten jedoch schon am viel zu durchsichtigen Versuch das Spiel in die Spitze einzuleiten – und so plätscherte das Spiel größtenteils im Mittelfeld dahin. Wenn in den Strafräumen und vor den Toren nicht gähnende Flaute herrschte, war dies meist weniger dem Spielaufbau einer Mannschaft geschuldet, als gröberen Fehlern der jeweils anderen. Und von diesen unterliefen beiden doch der ein oder andere.

Fehler sorgen für Großchancen - zweimal Aluminium

Nach 23 Minuten konnten sich die Kleinen Löwen einmal ansehnlich durchspielen – und es wurde gefährlich. Von der linken Außenbahn kam die schöne Flanke herein und in der Mitte waren die Traunsteiner in Unterzahl. Der neue SBC-Kapitän Waldemar Daniel musste sechs Meter vor dem Tor mit dem Kopf hin, um den Ball vor dem einschussbereit lauernden Gästestürmer am langen Pfosten zu klären. Doch statt über die Latte zur Ecke oder wenigstens seitlich weg vom eigenen Gehäuse, köpfte Daniel mit dem Hinterkopf parallel zum eigenen Fünfer zurück – und servierte so für Sechzigs Abdelahim Njoya Montie. Pascal Legat zwischen den Pfosten der Einheimischen wäre geschlagen gewesen – doch der Kopfball klatschte nur auf die Torlatte.

Auf ähnlich unbeholfene Art seitens des Gegners kamen auch die Traunsteiner zu ihrer größten Chance: Im Aufbauspiel aus der eigenen Abwehrkette heraus unterlief Gästeakteur Okan Memetoglu, der sich hatte zurückfallen lassen, ein folgenschwerer Abspielfehler beim Versuch eines einfachen Doppelpasses im Zentrum. Traunsteins Sebastian Mayer schaltete am schnellsten - und grätschte das Leder aus dem rechten Halbfeld diagonal in den Lauf von Maximilian Probst. Der Goalgetter des SBC hatte völlig freie Bahn und zog von der halblinken Strafraumgrenze entschlossen ab – aber schlenzte den Ball zu genau, so dass dieser vom Innenpfosten wieder heraussprang (33.)! Auch 1860-Keeper Johann Hipper wäre hier ohne jede Chance gewesen. 1:1 nach Alutreffern.

Klischees im Abstiegskampf bestätigen sich

Wie es Mannschaften, die ganz tief unten drin stehen so ergeht, davon können die seit Wochen leidgeplagten Kicker des SB Chiemgau Traunstein ja mittlerweile ein Lied singen – an diesem Abend kam eine weitere Strophe hinzu. Fast klischeehaft erwischte es die gebeutelte Heimelf zum psychologisch wohl absolut ungünstigsten Zeitpunkt – praktisch mit dem Halbzeitpfiff.

Erst hatten sie kein Glück – und dann kam auch noch Pech dazu. Um es sprichwörtlich auszudrücken. Oder eben das Unvermögen zum miesest möglichen Zeitpunkt, welches Mannschaften, die sich schwertun vom Tabellenende wegzukommen, für gewöhnlich eigen ist. Minuten lang war eigentlich nichts mehr passiert, die Traunsteiner hatten das Geschehen zumindest weitestgehend im Griff.

Sekunden vor der Pause fängt der SBC das Tor!

Dann konnten sich die Gäste erneut über links durchsetzen und das Spiel schnell machen. Endlich einmal ein gelungener Spielzug: Njoya Montie hinterlief, wurde bedient – und versuchte auf seinen Teamkollegen Mohamad Awata am kurzen Fünfereck hereinzugeben. Doch Torhüter Legat war auf dem Posten, sprang dazwischen und konnte in dieser Situation noch vor dem Angreifer zur Ecke klären.

Doch Sekunden später traf Awata dann doch: Beim nachfolgenden Eckstoß von links schüttelte der 1860-Stürmer mittels einer einfachen Körpertäuschung im zentralen Sechzehner seinen Bewacher Daniel ab – und musste anschließend am Fünfer nur noch den Außenrist hinhalten, um die Kugel zum 0:1 ins Netz zu lenken (45.).

Konsternierte Chiemgauer schaffen kein Comeback

Viel bitterer hätte es für den SB Chiemgau nicht in die Pause gehen können. Nach dem Seitenwechsel probierten es die Traunsteiner eine Zeit lang noch einmal, so gut sie es in ihrer derzeitigen Verfassung eben konnten. Der SBC von Saisonbeginn hätte sicherlich anders ausgesehen. Aber sie mühten sich, versuchten sich gegen das frustrierende Ergebnis zu stemmen – das war ihnen nicht abzusprechen. Allein es kam nicht sonderlich viel dabei herum. Es schien als schienen den Traunsteinern momentan dazu auch ganz einfach die Mittel zu fehlen.

In der 54. Minute legte Alexander Schlosser, der halbrechts an der Strafraumgrenze im Zweikampf entschlossen das Leder behauptet hatte, überlegt entlang der Sechzehnerlinie quer zu Mauerkirchner – doch dessen gefährlicher Schlenzer ging rechts unten knapp am Pfosten vorbei. Das wäre sie gewesen, die fast einzige Gelegenheit für den SB Chiemgau zum Ausgleich gekommen – ansonsten kam da nicht mehr viel in Sachen Torgefährlichkeit.

Spätestens nach einer Stunde begannen die Junglöwen das Geschehen bei niedrigem Tempo zu beherrschen – und behielten es bis zum Ende der Begegnung unter Kontrolle. Es war eine erstaunlich emotionlose, blutleere Veranstaltung in dieser letzten halben Stunde. Die Gastgeber, bei denen einfach nichts zusammengehen wollte, wirkten konsterniert – es gelang ihnen zu keiner Zeit mehr sich zu entfalten, so etwas wie Druck aufzubauen, das Heimpublikum mitzunehmen und zumindest ein wenig Feuer zu entfachen.

Junglöwen machen den Deckel drauf

Die Gäste schauten sich das in aller Ruhe an und machten dann mit der Gelassenheit desjenigen, der eben noch nicht ganz tief drin im Schlamassel steckt, endgültig den Sack zu: Nach schöner Seitenverlagerung in der eigenen Hälfte, spielten die Kleinen Löwen zielstrebig über links nach vorne, am Ende einer feinen Kombination tanzte 1860-Akteur Memetoglu im linken Strafraum die SBC-Abwehr überragend aus – und seinen mit Auge hereingespielten Querpass musste Awata in der Mitte des Fünfmeterraums nur noch zum 0:2 einschieben (73.).

Danach war das Match durch. Zu harmlos war das, was die Traunsteiner, denen dieser Wirungstreffer anzumerken war, bei ihren wenigen Abschlüssen zustande brachten - und zu souverän traten die durch ihre beruhigende Führung bestärkten Gäste nun auf. Der SB Chiemgau kam zwar unmittelbar vor Ende der Partie noch zu einer Resultatsverbesserung, als Mayer nach einer Ecke von rechts zentral im Sechzehner von den Giesingern vergessen wurde und zum 1:2 einköpfen konnte (90.) – am Ausgang der Partie änderte dies allerdings nichts mehr.

Achte Niederlage im neunten sieglosen Spiel in Folge

Der SB Chiemgau Traunstein verliert also erneut. Erneut in einem Heimspiel. Und erneut gegen einen unmittelbaren Konkurrenten im Kampf um den Bayernligaerhalt aus dem unteren Tabellendrittel. Es ist die achte Niederlage im neunten sieglosen Spiel in Folge – eine verheerende Bilanz des Aufsteigers, die so nach dem guten Saisonbeginn nicht zu erwarten war.

Der SBC steckt ganz tief drin in der Krise – und weiß momentan scheinbar selber nicht so recht, wie er aus dieser herauskommen soll. Den Joker mit einem Wechsel auf der Trainerposition haben sie an der Traun schon gezogen. Sicher ist nur eines: Der SB Chiemgau muss mehr als dringend dreifach punkten – wenn der Anschluss zu den in der Tabelle über ihm postierten Teams nicht frühzeitig verloren gehen soll.

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayernliga Süd

Auch interessant

Kommentare