SB Chiemgau beim 0:6 ohne den Hauch einer Chance

Debakel vor dem Derby! Traunstein im freien Fall

+
Auch mit dem wiedergenesenen Max Bauer, der seinen SB Chiemgau als Kapitän aufs Feld führte, gab es für die Traunsteiner gegen Vilzing nichts zu holen.
  • schließen

Traunstein – Wenn es hart kommt, dann offensichtlich ganz hart. Zumindest im Falle des SB Chiemgau Traunstein. Der auf den letzten Platz der Tabelle abgerutschte Bayernliga-Aufsteiger musste auch im nächsten Heimspiel als Verlierer das Feld verlassen. Ein chancenloser SBC wurde von einer effizienten und zielstrebigen DJK Vilzing 0:6 auseinander genommen. Zu Beginn noch ordentlich verteidigend, brachen die Chiemgauer nach drei Gegentoren in nur sieben Minuten vollständig auseinander – und bekamen von gnadenlosen Oberpfälzern schonungslos ihre Grenzen aufgezeigt. Am Dienstag wartet das Derby gegen Kirchanschöring – und Traunstein taumelt ihm entgegen.

Dass das Match gegen die Vilzinger aus der Spitzengruppe der Liga eine extrem schwierige Aufgabe werden würde, war klar gewesen – dass es derart desaströs für die Chiemgauer enden würde nicht. Denn das Spiel plätscherte zunächst über weite Strecken im Mittelfeld dahin – auch wenn die DJK von Beginn an das Heft in die Hand nahm.

Mauerkirchner ans Außennetz - danach spielt Vilzing

Die erste Chance allerdings gehörte den Gastgebern: SBC-Sturmtank Stefan Mauerkirchner tankte sich bei einem Gegenstoß der Traunsteiner am linken Flügel energisch durch, kam in Strafraum auch zum Abschluss – traf allerdings nur das Außennetz (6.). Das war es aber auch schon mit der Herrlichkeit der Hausherren – danach ward vom SB Chiemgau nicht mehr allzu viel gesehen.

Zwar operierten die Oberpfälzer mit deutlich mehr Ballbesitz und ließen die Kugel in den eigenen Reihen laufen – wirklich Druck erzeugen und zwingend zu werden gelang ihnen allerdings nicht. Dazu war dann meist das Anspiel ins Angriffsdrittel zu ungenau oder der Vorstoß wurde nicht gut genug zu Ende gespielt. Bis hierhin verteidigten die Traunsteiner das auch noch ordentlich – denn große Torchancen hatten die Gäste mehr als zwanzig Minuten lang nicht zu verzeichnen.

Sieben Minuten besiegeln Traunsteins Schicksal

Doch dann genügte den Vilzingern eine siebenminütige Phase um einen bereits zu diesem Zeitpunkt uneinholbaren 3:0 Vorsprung herauszuschiessen: Der Türöffner gelang Gästekicker David Romminger. Im Anschluss an eine Ecke von links bekam der SB Chiemgau den Ball nicht geklärt, Vilzings Andreas Jünger legte noch einmal ab auf Romminger – und der zirkelte den Ball aus etwa achtzehn Metern halbrechter Position in den linken Winkel (25.).

Nur drei Zeigerumdrehungen darauf – die Traunsteiner hatten sich noch gar nicht erholt – ließ die DJK den Doppelschlag folgen: Nach einem tollen Flankenlauf über die rechte Angriffseite der Gäste schlug Philipp Weber eine präzise Flanke nach innen – wo Andre Luge völlig blank gelassen aus kurze Distanz nur noch einnicken musste (28.).

Zwar vergab im Anschluss auf der Gegenseite Traunsteins Max Bauer eine Gelegenheit nach einem Freistoß (30.) - doch das änderte nichts an der Tatsache, dass bei den von den beiden Wirkungstreffern schwer gezeichneten Gastgberen jetzt alle Dämme brachen: Eigentlich hatte der SBC selbst einen Eckball – doch der Schuss ging gewaltig nach hinten los. Die Vilzinger konnten die Ecke abwehren – und fuhren dann sofort und schnörkellos einen überragenden Konter. Über Michael Faber und Fabian Trettenbach fand das Leder zu Luge, der ganz cool seinen zweiten Treffer des Tages markierte (32.).

Nach einer halben Stunde ist das Match gelaufen

0:3 nach etwas mehr als einer halben Stunde. Das saß – und wenn man ehrlich war, war es das auch schon. Innerhalb weniger Minuten hatten die Traunsteiner hier das Match und damit ein weiteres Heimspiel aus der Hand gegeben. Wobei man anmerken muss, dass die Gäste das auch blitzsauber gespielt beziehungsweise exzellent abgeschlossen hatten. Die Traunstein hingegen waren bedauernswert – ihnen gelang bis zur 38. Minute eigentlich kein einziger wirklich bemerkenswert herausgespielter Angriffszug.

Service:

Dann nutzten die Einheimischen den nun vorhandenen Übermut der Gäste, welche zu offensiv agierten und darüber kurzzeitig die Balance verloren, zu einem schön gespielten Konter. An dessen Ende kam Mauerkirchner von der Strafraumgrenze zum Abschluss – ballerte aber über das von Ladislav Caba gehütete Gehäuse der Oberpfälzer.

Deprimierender Rückstand zur Pause - Torwartwechsel beim SBC

Kurz darauf war Pause – und komplett bedröppelte Traunsteiner schlichen in die Katakomben des Jakob-Schaumaier-Sportparks, in den auch an diesem Abend 400 unverdrossene Sportbund-Anhänger gepilgert waren. Die meisten von ihnen ahnten bereits, dass das Ding an diesem Tag gelaufen war – und es für den heimischen SB Chiemgau keine Punkte mehr zu gewinnen geben würde. Nur zu Beginn schaffte es die Heimelf gegen dominante Gäste dagegen zu halten, dann konnte sie es nicht mehr verteidigen – und dann waren die Vilzinger einfach auch gnadenlos effektiv.

Auch nach Wiederanpfiff sollte es den Traunsteinern nicht gelingen, am Ergebnis noch einmal irgendetwas zu ihren Gunsten zu verändern – oder gar die mehr oder weniger entschiedene Partie noch einmal ins Wanken zu bringen. Daran änderten auch die drei Wechsel nichts, welche der neue Trainer des SB Chiemgau Stephan Schmidhuber mit dem Seitenwechsel vornahm: Stürmer Maximilian Probst kam für Jonas Frisch, Dominik Schlosser ersetzte seinen Bruder Alexander und auch auf der Torhüterposition wurde getauscht – in der zweiten Halbzeit stand Maximilian Tanzer anstelle von Pascal Legat zwischen den Pfosten.

Tanzer wehrt ab - Dietl trifft abgezockt zum 0:4

Die Richtung, in welche dieses Spiel verlief blieb die gleiche: Zumindest durfte sich der frisch eingewechselte Keeper der Traunsteiner auszeichnen. Nachdem erneut Weber für Vilzing hereingeflankt hatte, nahm sein Teamkollege Michael Hamberger aus Elfmeterdistanz ab – doch Tanzer war zur Stelle und drehte den Ball noch um den Pfosten (57.).

Nur kurze Zeit später musste allerdings auch er erstmals hinter sich greifen: Wieder trugen die Gäste einen gut strukturierten, geradlinigen Angriff vor – und wieder spielten sie ihn eiskalt zu Ende. DJK-Kapitän Christoph Schwander flankte auf den kurz zuvor eingewechselten Markus Dietl, der erst ebenso ruhig wie geschickt verzögerte – und dann zur Freude der Oberpfälzer zum 0:4 einschoss (61.).

Vilzing verwaltet Vorsprung - und schlägt noch zweimal zu

Nach dem vierten Treffer verlegten sich die Gäste auf Ergebnisverwaltung. Dies zogen sie auch ungefährdet durch – nicht allerdings ohne den Chiemgauern, die nicht mehr Konstuktives zustande bekamen als zuvor, nochmals weh zu tun. Denn es klingelte noch zwei weitere Male im Kasten des SBC.

Vilzings Faber hatte offensichtlich noch nicht genug und ließ es sich daher nicht nehmen, sich höchstselbst mittels eines weiteren Doppelschlags gleich zweifach in die Torschützenliste einzutragen. Beide Male nach tollen Kontern gegen vollständig konsternierte Hausherren: Erst zog er in Robben-Manier von der rechten Außenbahn druckvoll nach innen – und traf von der Sechzehnergrenze ins lange Eck (83.). Dann musste Faber nach überragender Vorarbeit von Vilzings Einwechselspieler Korbinain Menacher nur noch zum 0:6 Endstand einschieben (85.).

Kantersieg der Oberpfälzer geht in Ordnung

Das Ergebnis geht auch in dieser Höhe vollkommen in Ordnung. Die Hausherren waren hier nach allen Regeln der Kunst demontiert worden. Sie hatten sich eine richtig üble Heimklatsche abgeholt. Traunstein war zu keinem Zeitpunkt präsent genug, einfach nicht mit dem eigentlichen Potential auf dem Rasen - und nie in der Lage gewesen, den stark aufspielenden Oberpfälzern aus Vilzing etwas entgegenzusetzen.

Was ist nur aus dem vor Wochen und Monaten noch so selbstsicheren, kompakten und schwer zu überwindenden SB Chiemgau Traunstein geworden. Der Trend ist nicht nur nicht länger ein Freund der Traunsteiner – er ist zu einer Katastrophe geworden. Zu einem mächtigen Sog, aus dessen Wirkungsbereich die Chiemgauer sich nicht befreien zu können scheinen – und der den Verein immer tiefer hinabreißt.

Katastrophale Bilanz - und jetzt wartet das Derby

Zehn Spiele in Folge nicht mehr gewonnen, in zehn Auftritten nur einen Punkt geholt, satte neun Mal verloren. Insgesamt dreizehn Niederlagen. Der letzte dreifache Punktgewinn – einer von nur dreien in dieser Saison - datiert von Ende Juli. Die Bilanz eines glasklaren Abstiegskandidaten. Dazu kommt, dass man jetzt auch noch anfängt richtig dicke Packungen zu kassieren. Allein in den letzten vier Partien fingen sich die Traunsteiner fünfzehn Gegentore – die einstige defensive Stabilität der Landesliga-Jahre unter Jochen Reil ist dahin.

Und ausgerechnet jetzt steht das Derby vor der Tür. An einem „Feiertag“, der eigentlich das große Fußballfest in der gesamten Region sein sollte, den die Traunsteiner aber nur schwerlich werden entspannt genießen können. Dienstag um 16:00 Uhr geht es im heimischen Stadion gegen das „kleine“ - aber bayernligaerfahrene – Kirchanschöring, über welches die Traunsteiner nach ihrem prestigeträchtigen Sieg im Auftaktspiel der Hinrunde bereits kräftig gefrotzelt hatten. Derzeit haben die Gelb-Schwarzen gut lachen. Ob sich daran ausgerechnet im Lokalduell etwas ändert? Wir werden es erleben. Mehr mit dem Rücken zur Wand als die Traunsteiner kann man jedenfalls nicht in ein Derby gehen.

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayernliga Süd

Auch interessant

Kommentare