Paukenschlag in der Landesliga

"Ein Punkt, an dem es nicht mehr weiter geht" - Reil tritt beim TSV Ampfing zurück

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Jochen Reil hat beim TSV Ampfing seinen Rücktritt erklärt: „Es war ein Punkt erreicht, an dem es nicht mehr weitergeht.“
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Ampfing - Damit war zu diesem Zeitpunkt und in der Form nicht wirklich zu rechnen: Ampfings Trainer Jochen Reil ist am Mittwoch von seinem Posten zurückgetreten, so dass sich der Landesligist, der ja am Freitag gerade erst seinen ersten Dreier einfahren konnte, um einen neuen Trainer umschauen muss. Am Freitag werden Co-Trainer Robert Unterhuber und Sportlicher Leiter Adrian Malec die Mannschaft beim Gastspiel in Kastl (19.30 Uhr) betreuen.

„Das wird mit Sicherheit keine Dauerlösung sein. Wir brauchen schnellstmöglich einen qualitativ hochwertigen Trainer, aber die laufen ja nicht einfach spazieren“, so Malec, der klar macht: „Es wird keine interne Lösung geben. Robert und ich wollen das nicht mehr machen.“ Für die Spieler kam der Rücktritt von Reil jedenfalls völlig überraschend: „Die Mannschaft war schockiert, die Jungs konnten das gar nicht fassen“, beschreibt Technischer Leiter Günther Sabinsky die Situation, die für die Verantwortlichen nicht ganz aus heiterem Himmel kam, aber eben nicht zu diesem Zeitpunkt erwartet wurde.

"Die mehrfach angekündigte Konsequenz"

Immer wieder hatte Reil strukturelle Probleme angemahnt, fehlende Wertschätzung und Vertrauen bemängelt: „Der Verein hat es nicht geschafft, eine abgesprochene Linie einzuhalten, dabei Wertschätzung gegenüber Spielern und mir zu formulieren und dafür einen nötigen Wandel einzuleiten.“ Auch Malec weiß, dass längst noch nicht alles am Schnürchen läuft: „Wir haben noch sehr viel Arbeit.“ Arbeiten, die Reil oft zusätzlich zu seiner gestiegenen beruflichen Belastung und seiner Tätigkeit als Trainer übernommen hat: „Deshalb ist mein Rücktritt die bereits mehrfach angekündigte Konsequenz. Die unnötigen zusätzlichen Belastungen waren in der Form für mich nicht mehr zu leisten. Ansonsten werde ich meiner Linie treu bleiben, ich verbinde Fußball sehr gerne mit verschiedenen Charakteren von Spielern, viel Aufwand, immer neuen Herausforderungen und einem gemeinsamen Ziel.“

Sabinsky ist sich sicher, dass „die Summe vieler Dinge“ Reil zum Rücktritt bewogen haben: „Jochen ist ein Perfektionist und ein Trainer, für den der Teamgedanke ganz oben steht. Es waren ja keine sportlichen Gründe, die ihn zu diesem Schritt veranlasst haben. Wir haben beim 3:1 gegen Hallbergmoos ein gutes Spiel gemacht.“ Dass es nach dem insgesamt überraschenden Aufstieg erst einmal Schwierigkeiten in der Landesliga geben würde, war ja keine Überraschung, auch wenn sich das in Ampfing sehr schnell nervöse Umfeld vielleicht den Start anders vorgestellt hätte.

"Ich werde die Spieler sicherlich vermissen"

Kein großes Geheimnis ist überdies, das Reil und Abteilungsleiter Andreas Schwarzmeier keine gleiche Wellenlänge gefunden haben – zu unterschiedlich waren da die Auffassungen, wie ein Verein erfolgreich im Fußball ist: „Als Trainer ist meine Handschrift in all den Jahren klar in den Leistungen, aber auch im Zusammenhalt mit Respekt und Disziplin nachzuweisen. Jedoch wird in meinem Leitbild immer der gegenseitige Respekt zu den Spielern als oberste Priorität bleiben und dafür werde ich mich auch immer einsetzen. Mein Motto ‚manche reden von großen Leistungen, während andere wach sind und sie vollbringen‘. In diesem Sinne wünsche ich dem TSV Ampfing viel Erfolg und werde die Spieler sicherlich vermissen. Macht weiter Jungs!“

Dass ein Trainer-Rücktritt nach dem sechsten Spieltag ebenso ungewöhnlich wie unglücklich ist, muss man nicht diskutieren, trotzdem geht es natürlich für die Mannschaft weiter. Im Kellerduell beim TSV Kastl, der bislang wie Ampfing vier Punkte erringen konnte, wird sich zeigen, wie die Mannschaft mit dieser Situation umgeht. Eine hochspannende Angelegenheit, denn schließlich stehen ja viele Spieler im Kader, die Reil geholt und die auch wegen dem Trainer Reil gekommen sind.

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dg/TSV Ampfing (MB)

Quelle: rosenheim24.de

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