Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Beinschuss-Direkt mit Klaus Seidel (1860 Rosenheim)

"Es ist alles optimal gelaufen! Das Jahr hat richtig gut getan!"

Klaus Seidel, der den TSV 1860 Rosenheim als Coach zurück in die Regionalliga gebracht hat, spricht über seine Zeit als Cheftrainer an der Jahnstraße.
+
Klaus Seidel, der den TSV 1860 Rosenheim als Coach zurück in die Regionalliga gebracht hat, spricht über seine Zeit als Cheftrainer an der Jahnstraße.

Rosenheim - Bayernliga-Comeback, Relegation, Aufstieg, Regionalliga. Klaus Seidel, der Aufstiegs-Coach der Sechziger, hat einiges erlebt in diesem turbulenten Jahr mit seinem TSV 1860 Rosenheim. Mit Beginn der Winterpause verließ der Trainer die Herrenmannschaft und kümmert sich zukünftig um den Jugendbereich an der Jahnstraße. Im ausführlichen Gespräch mit Beinschuss-Direkt zum Jahresabschluss spricht die "ehrliche Haut" über ihre tolle Zeit als Cheftrainer, die Mannschaft, den Saisonverlauf, den möglichen Klassenerhalt, die Belastung als Regionalliga-Trainer, ihren Abtritt, den Nachwuchsbereich und ihre sportliche Zukunft.

das Interview führte Christian Schulz

Beinschuss Direkt: Servus Klaus! Wie fällt Dein persönliches Fazit dieses wahnsinnig aufregenden Fußballjahres 2016 aus? Auf Dich bezogen und auf den TSV 1860 Rosenheim? An sich ein Traumjahr, oder? In dem unglaublich viel passiert ist - und das voller emotionaler Höhepunkte war. Wie siehst Du Deine Zeit als Chefcoach bei 1860? Was bleibt?

Klaus Seidel: Servus! Ja freilich war es ein Traumjahr! Und passiert ist wirklich ungeheuer viel. Absoluter emotionaler Höhepunkt war sicher die Relegation: Mit dem Auf und Nieder, mit guten Spielen, mit schlechten Spielen und dann letzten Endes dem Aufstieg. Es bleibt eigentlich nur Positives über.

Mir hat das unwahrscheinlich viel gebracht und gegeben. Und ich habe eine perfekte Übergabe hinbekommen - was ja immer das Ziel war. Weil klar war, dass ich das nicht ewig lange machen werde in dieser Funktion bei 1860 Rosenheim. Eigentlich war es ja nur für ein halbes Jahr geplant damals in der Bayernliga, dann haben wir den Aufstieg geschafft - und dann ist man weitergegangen.

Und dass wir jetzt so da stehen in der Regionalliga, mit 25 Punkten - ich glaube besser geht's nicht. Ich übergebe eine intakte Mannschaft, eine gute Punktezahl und beste Voraussetzungen dafür, dass 1860 ein weiteres Jahr in der Regionalliga spielt. Und das ist was über bleibt. Und dass die Öffentlichkeit von meinem Wirken auch Notiz genommen hat, also positiv Notiz genommen, das ist auch schön. Das hat richtig gut getan in diesem Jahr!

Im jüngsten Interview mit dem OVB Print sprichst Du das Thema Selbstvertrauen an und auch gewisse Selbstzweifel, die Du mit Dir herumgetragen hast. Aber auch dass Du der Mannschaft zum Abschied gesagt hast, auch selbst jede Menge dazugelernt zu haben. Wo konkret hat Dich persönlich die Erfahrung Bayernliga und Regionalliga weitergebracht?

Zunächst einmal vor allem das Selbstvertrauen, dass ich auch auf diesem Level sehr gut im taktischen Bereich mitarbeiten kann. Und ich weiß jetzt auch wie man im taktischen Bereich schneller an die Spieler ran kommt oder was die Spieler schneller umsetzen können. Das ist das, was ich vor allem dazugelernt habe. Und das war halt Wahnsinn: Wie ich einen Spieler ansprechen muss oder wie ich es einem Spieler erklären muss, dass er es gleich auf dem Platz umsetzen kann. Und gerade da habe ich eben unwahrscheinlich viel dazugelernt in diesem Jahr. Da habe ich mich wahrscheinlich von Woche zu Woche gesteigert.

In diesem Maße sind auch die Selbstzweifel gewichen und das Selbstvertrauen ist immer mehr geworden. Weil man einfach gewusst hat, was muss ich den Spielern taktisch mitgeben, damit sie auf dem Spielfeld erfolgreich und besser werden. Wenn Du direkt aus einer Profiliga kommst als Trainer, ist das natürlich anders - da hört Dir jeder Spieler gleich zu und lässt sich etwas sagen. Ich musste mir das alles erarbeiten. Und mit der erfolgreichen Umsetzung auf dem Feld ist das natürlich dann gewachsen. Ich bin kein Trainer, der auf ein bestimmtes System fixiert ist - sondern mir ist erst einmal wichtig, dass wir aus einer gewissen Ordnung heraus spielen.

Und auf dieser Grundlage kann man dann das System oder die Systeme wählen, die man braucht oder für die man die Spieler hat. Am Anfang waren da Spieler durchaus skeptisch - aber je mehr die Jungs das, was ich ihnen erklärt habe, auch umsetzen konnten, umso mehr war da auch Vertrauen. In mich selbst und von meinen Spielern.

A propos "dazugelernt": Du hast der Mannschaft auch gesagt, dass sich viele im Kader kontinuierlich um bis zu 30 Prozent gesteigert haben im Verlaufe dieses Jahres. Und dass nur dadurch die bisher erfolgreiche Saison in der Regionalliga möglich war. Gegenüber dem OVB hast Du als Beispiele dafür, welche Spieler 2016 den größten Sprung gemacht haben, Sascha Marinkovic, Danijel Majdancevic und Korbinian Linner genannt. Wo haben sich die Jungs am meisten verbessert?

Man hat in den Relegationsspielen an den anderen Teams bereits gesehen, das Entscheidende ist die Schnelligkeit - sowohl athletisch, als auch was die Handlungsschnelligkeit angeht. Darauf hat man dann sofort reagiert. Das haben wir brutal schnell umgesetzt - wir sind genauso schnell wie die andern. Der Fitness-Bereich war dabei das Entscheidende. Wir waren im Februar/März noch kaputt, haben uns dann Monat für Monat gesteigert - und keinen Einbruch gehabt bis zuletzt. Das war einfach eine gute Performance, wie die Spieler trainiert haben - von der Be- und Entlastung her. Auch nach der mega-kurzen Pause nach der Relegation sind wir voll ins Krafttraining eingestiegen und hatten dementsprechend eine vogelwilde Vorbereitung von den Spielen her, weil nichts mehr gegangen ist und die Jungs am Ende waren. Aber das hat sich dann im Endeffekt ausgezahlt.

Und was das Spiel selbst angeht, haben sich die Spieler am meisten darin gesteigert, dass wir viel weniger Abspielfehler begehen und das Zweikampfverhalten sich enorm verbessert hat. Weniger dumme Fouls, die richtige Zweikampfschulung - wenn man sieht, wie plump da noch in der Bayernliga teilweise hingegangen wurde, da haben sie sich ebenfalls brutal gesteigert. Das Zweikampfverhalten, das Minimieren der Ballverluste, das Spiel ohne Ball - das waren riesengroße Fortschritte.

Korbi Linner habe ich stellvertretend für die jüngeren, unerfahreneren Spieler genannt, weil er sich mit seinem Fleiß von diesen am meisten gesteigert hat. Sascha Marinkovic hat ohnehin körperlich und technisch beste Voraussetzungen und dann noch mehr an sich gearbeitet und darauf gehört, woran er arbeiten muss - und sich dann innerhalb kürzester Zeit nochmals gewaltig gesteigert und gezeigt, dass er auch in der Regionalliga ein echter Top-Stürmer ist. Und Danijel Majdancevic, der das ja schon bewiesen hatte, hat einfach wieder zu seiner alten Form zurückgefunden - und ist vor allem auch menschlich wieder mehr auf die Mannschaft zugegangen. Ein großes Plus - für die Mannschaft, wie für ihn.

Wie beurteilst Du die bisherige Saison, ihren Verlauf und das Abschneiden in den 21 absolvierten Begegnungen? Wenn man sich die Voraussetzungen in Rosenheim vor Augen hält und aus welch schwierigen Zeiten der Verein kommt - eigentlich ein Wahnsinn, oder? Dass ihr von Anfang an so gut im Rennen liegt. Als astreine Amateure - in einer Liga mit haufenweise Halb- und genügend Vollprofis.

Der ungeheure Teamgeist ist hauptverantwortlich dafür, dass wir überhaupt da mitspielen können. Denn der passt einfach - genau wie die Hierarchie innerhalb der Truppe. Das nehmen alle Spieler an, ob sie jetzt Majdancevic oder Marinkovic heißen - und darum können wir auch mithalten. Ich habe eingeführt, dass es weniger Fouls im Training gab - und unter anderem damit hat auch Einzug gehalten, dass wirklich jeder Spieler dem anderen etwas gönnt. Und das ist brutal wichtig! Sascha beispielsweise legt lieber einen Ball auf, als dass er es mit Gewalt selber macht, in einer schwierigen Situation - und das macht Danijel auch. Und so zieht sich das durch das ganze Team.

Es ist für uns bisher alles optimal gelaufen, alles super gelaufen - wirklich optimal. Das darf man nie aus den Augen verlieren! Aber das wird nicht ohne Problematik von selbst so weitergehen. Es wird nicht immer alles optimal laufen - das muss man sich Woche für Woche wieder neu erarbeiten. Die Jungs werden sich noch weiter steigern müssen - denn Fußball ist schnelllebig und Stillstand ist Rückschritt.

Und was das Drumherum angeht: Natürlich ist es Wahnsinn, wenn man sich anschaut, woher der Verein kommt und welche Altlasten er mit sich herumschleppt. Da geht es vor allem - ein altes Rosenheimer Thema - um die Infrastruktur. Plätze, Umkleiden, Toiletten für die Gastmannschaft oder auch für die Zuschauer - da tut sich einfach zu wenig. Manches wären eher Kleinigkeiten, anderes nicht. Da muss sich mehr tun, damit dieser Bereich mit der sportlichen Weiterentwicklung Schritt halten kann. Die Infrastruktur muss sich Schritt für Schritt verbessern - denn wenn die sich nicht weiterentwickelt, dann wird es wahrscheinlich auch wieder einen Rückschritt geben.

Was sich geändert hat, ist, dass wir bessere Spieler haben und die sich wahnsinnig gesteigert haben. Solange der Teamgeist auf dem Feld und die Hierarchie so passen - und umsetzbar sind, weil wir keine Verletzten haben - solange geht das gut. Wenn man sich bei den anderen Clubs so umhört, die tolle Anlagen haben, Nachwuchsleistungszentren und so weiter - die sagen "das ist Wahnsinn, was für eine Arbeit ihr da unten macht! Irrsinn. Dass ihr aus so wenig so viel macht!".

Der Aufstieg nach diesem beeindruckende Comeback in der Bayernliga, der Lauf den ihr euch irgendwann erarbeitet hattet, die unglaublichen Thriller in den Relegationsspielen, der Triumph von Aschaffenburg vor über 3.000 Zuschauern - das alles war sensationell und äußerst emotional. Wäre ein Klassenerhalt in der Regionalliga - zu dem Du dann auch einen gehörigen Teil beigetragen hättest - angesichts der vorhandenen Mittel rein sportlich gesehen sogar die noch größere Sensation?

Ja. Das sehe ich auf jeden Fall so. Ganz einfach, weil - wie angesprochen - die Infrastruktur in Rosenheim nicht in kürzester Zeit wesentlich verbessert werden kann. Und darum wäre das ein absoluter Riesen-Erfolg, gar nicht hoch genug einzuschätzen. Ich hoffe einfach, die Jungs sind weiterhin so erfolgreich. Es kommt ein neuer, jüngerer Trainer - ich weiß nicht, ob er so etwas schon mal erlebt hat... *lacht*

Und darum ist es einfach ein kleines Fußball-Märchen, wenn wir in der Regionalliga bleiben. Damit meine ich nicht unbedingt nur die restliche Runde - da haben wir ja wirklich gute Voraussetzungen, auch wenn noch nichts in trockenen Tüchern ist. Aber es gäbe ja dann auch noch eine nächste Regionalliga-Saison. Und ich glaube, die Anforderungen in dieser Liga werden in Zukunft noch weiter steigen, die Liga noch besser werden.

Sensationen kommen aber nicht von ungefähr. Sondern gerade im hochklassigen Amateurfußball und erst recht in einer Halbprofi-Liga wie der Regionalliga vom überdurchschnittlichen Engagement, welches der ein oder andere "Verrückte" immer wieder um der Sache willen zu investieren bereit ist. Auf diesem Level ist das doch locker noch mal ein extra 40-Stunden-Job. Und das Woche für Woche. Wie bekommt man das neben Familie, Privatleben und Beruf hin?

Eins ist ganz klar - da bleibt Einiges auf der Strecke. Wie bekommt man das hin? Familie und Privatleben sind die eine Sache, der Beruf die zweite und Fußball die dritte. Und eine davon kommt zu kurz - oder man macht zwei Sachen nur zu fünfzig Prozent. Ich habe es bei Sechzig so gemacht: Fußball voll - und Familie und Beruf nur mit jeweils fünfzig Prozent. Mehr war da nicht mehr drin - anders geht das nicht. Ich musste einen Job machen, mit schwieriger Koordination mit dem Fußball. Ich bin freiberuflich tätig und habe da einiges aufgeben müssen - das hat das Fußballgeld dann gerade so ersetzt, mehr verdient habe ich dadurch nicht. Und dann ist Fußball halt, wie er ist - Du machst mehr, mehr, mehr - und wirst auch noch gefragt "kannst Du das noch machen und das vielleicht auch?", damit es im Verein voran geht.

Wenn Du den Job als Regionalliga-Trainer gescheit machen willst, und das habe ich gemacht, dann ist das - ohne ein entsprechend großes Trainerteam, das sich der TSV 1860 nicht leisten kann - definitiv nochmal ein Fulltime-Job. Darunter leidet dann natürlich vor allem das Berufliche extrem. Ich habe dem nur noch die Hälfte der Aufmerksamkeit widmen können - und das war so für mich eine Zeit lang, aber nicht auf Dauer möglich.

Dazu kommt, dass Du zeitlich toujours eingespannt bist. Wenn das auf mehrere Schultern aufgeteilt ist und Du nur 25 Stunden pro Woche mit Deiner Trainertätigkeit beschäftigt bist, dann ist das etwas anderes. Und Du verdienst mit dem Mehr an Zeit für Deinen eigentlichen Job natürlich auch mehr Geld für Dich und Deine Familie. Es ist aber nicht nur, dass Dir kaum noch Zeit für Deine Arbeit bleibt: Du kannst nicht mehr auf den Berg, Du kannst nicht mehr zum Skifahren, Du bist nimmer beim Radlfahren, Du triffst Freunde seltener - und unter den gegebenen finanziellen Voraussetzungen ist das auch über das Konto nicht aufzuwiegen. Klar lebt das dann von einer gewissen Portion "Fußball-Verrücktheit".

Du hast es in Deiner letzten Pressekonferenz schon angedeutet und jetzt im Gespräch mit dem OVB nochmals konkretisiert, dass Du auch "bis zum Saisonende parat gestanden" wärst und Deine Demission zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht komplett freiwillig und eigeninitiativ zustande gekommen ist. Du hättest die Saison gerne noch zu Ende gebracht. Danach hättest Du aufgrund der angesprochenen Gründe aber definitiv aufgehört, oder?

Ja. Nach dieser Saison hätte ich definitiv aufgehört. Ganz einfach weil der Aufwand für mich so nicht mehr zu stemmen war - und ich mich auch wieder mehr um mein berufliches Auskommen kümmern muss. Auch wenn mir der Trainerjob auf diesem hohen Niveau unglaublich viel Spaß gemacht hat. Und ich den Klassenerhalt gerne noch unter Dach und Fach gebracht hätte.

Was hat den Verein dann bewogen, schon jetzt Deinen vorzeitigen Rücktritt und einen früheren, vorgezogenen Wechsel auf der Trainerposition anzustreben? Und warum hast Du das dann letztlich mitgetragen?

Ganz genau kann ich das nicht sagen, warum man zu der Ansicht gekommen ist, dass es besser sei, schon jetzt auf dieser Position zu wechseln. Und ich möchte mich da auch gar nicht groß in Mutmaßungen ergehen. Ich hätte die Saison eigentlich gerne zum Abschluss gebracht - und das auf jeden Fall auch noch hinbekommen. Die sportliche Situation ist gut - was das angeht, bin ich mit mir und dem Verein im Reinen. Mir liegt etwas an diesem Verein - ich habe den Aufstieg erlebt und einen optimalen Abschluss als Herrencoach gehabt, positive öffentliche Aufmerksamkeit bekommen, die ich mir so habe überhaupt nicht vorstellen können. Und darum habe ich das mitgetragen.

Ein Fakt ist sicher, dass der Verein nicht die Möglichkeiten hat, am Spielerkader noch etwas zu drehen und darüber noch ein paar zusätzliche Extra-Prozent herauszukitzeln - und man sich daher vielleicht gedacht hat, über einen "Zwischensprint" der Mannschaft, die in einigen Spielen noch einmal besonders motiviert ist, um mir einen gelungenen Abschied zu verschaffen, wichtige Punkte sichern zu können. Die vielleicht am Ende die entscheidenden für den Klassenerhalt sein können. Und das ist uns ja auch gelungen.

Darüber hinaus gibt natürlich ein neues Trainerteam unter dem sich jeder einzelne Spieler noch einmal neu beweisen muss immer noch einmal frischen Wind. Vielleicht hilft das, vielleicht auch nicht. Es ist in jedem Fall auch ein Risiko. Aber ohne Risiko geht es ja hier eh nicht. *lacht*

Jugendarbeit, sportliche Leitung im Juniorenbereich, Scouting - Dein Ding und alles Bereiche für die der Name Klaus Seidel auch steht. Die Schwierigkeiten, die der Verein in der Vergangenheit hatte, haben sich natürlich auch auf die Junioren ausgewirkt - es gibt jede Menge zu tun, um auch weiterhin für talentierten Nachwuchs für die hochklassig spielenden Herren zu sorgen. Wo siehst Du die Probleme - und wo mögliche Lösungen?

Der praktische sportliche Bereich altersübergreifend, die besten jedes Jahrgangs noch besser zu machen und das dementsprechende Scouting - das genau ist es, was mich neben dem Arbeiten im Herrenbereich reizt.

Auch hier ist das Problem in Rosenheim, neben den Spielklassen der ein oder anderen Jugend, vor allem die Infrastruktur. Mögliche Lösungen sind neben Verbesserungen in diesem Bereich die Identifikation mit dem Verein schon im Jugendbereich zu fördern - etwas, das über allem steht - eine bessere Durchlässigkeit innerhalb der Jahrgänge und bessere Öffentlichkeitsarbeit der Jugendabteilung mit noch mehr Transparenz und Informationen auch für die Eltern und Mitglieder. Und das müssen dann Trainer, Betreuer, alle im Juniorenbereich auch vorleben.

Meiner Meinung nach haben wir auch zu große Kader in den Jugenden. Da wird bislang zu sehr auf komplette Mannschaften geschaut - und zu wenig auf die einzelnen Spieler, die es besonders zu fördern gilt. Das wäre außerordentlich wichtig. Und das ist genau der Bereich, in dem ich gerne etwas bewirken würde. Denn von dieser besonderen Ausbildung der Talente im Jugendbereich lebt 1860 Rosenheim. Auch was die Erste Mannschaft angeht. Das muss nach und nach wachsen - und dafür muss noch mehr Kraft und Energie aufgewandt und noch mehr Fokus darauf gelegt werden. Alles immer unter den Hauptgesichtspunkten Leute mitnehmen und Identifikation!

Du hast ja den Nachwuchsbereich bei den Sechzigern schon einmal äußerst erfolgreich geleitet. Und wolltest nach Beendigung Deiner Tätigkeit bei den Herren auch immer dorthin zurück. Sollen wir besser fragen, ob das nach wie vor der Plan ist - oder wann es los geht? Oder sehen wir Klaus Seidel auch 2017 irgendwo anders als beim TSV 1860 als Chefcoach an der Linie?

Es ist beides möglich. Sowohl eine neuer Job als Herrentrainer irgendwo - als auch eine längerfristige Tätigkeit in einem neu strukturierten Jugendbereich hier an der Jahnstraße. Ich werde jetzt erst einmal interimsmäßig unsere U19 in der Landesliga bis Saisonende übernehmen und mich in übergeordneter Verantwortung um einige weitere Dinge in der Ausbildung im Leistungsbereich bis hinunter zur U15 kümmern. Und dann wird man sehen. Die ein oder andere Anfrage gibt es natürlich, klar - aber ich habe mich bisher nicht wirklich damit beschäftigt.

Wenn die grundsätzlichen Voraussetzungen stimmen, werde ich sehr gerne hier im Verein weiterarbeiten. Dabei geht es nicht um Geld, sondern darum was von meinen Vorstellungen wir gemeinsam umsetzen wollen. Wenn in dieser Hinsicht genügend Deckungsgleichheit herrscht - dann ist Sechzig Rosenheim immer meine erste Adresse. Und das auch gerne längerfristig. Im Endeffekt geht es mir ja genau darum: Längerfristig strategisch etwas aufzubauen - und dabei Spieler besser zu machen, die Jugendarbeit besser zu machen und Talente herauszubringen.

Ich bin keiner, der alle paar Jahre als "Feuerlöscher" von Verein zu Verein tingeln will. Grundsätzlich ist Kontinuität natürlich in einem gut konzeptionierten Juniorenbereich leichter möglich, als in der Verantwortung als Cheftrainer bei den Herren - aber auch da müsste man sich eben anhören, was und wie nachhaltig plant ein Verein und wo will er hin. Möglich ist grundsätzlich alles. Aber egal wo und was - das Konzept und die grundlegende Ausrichtung sind die entscheidenden Dinge. Ich möchte strategisch auf ein Ziel hinarbeiten. Und das am allerliebsten beim TSV 1860 Rosenheim!

Kommentare