TSV 1860 Rosenheim - SpVgg Bayreuth 1:0

Glückliche Sechziger - Heimsieg gegen Bayreuth

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Rosenheims Angreifer Danijel Majdancevic - er erzielte den Siegtreffer für die Sechziger und wurde anschließend mit Rot vom Platz geschickt.
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Rosenheim – Im zerfahrenen Duell mit dem TSV 1860 Rosenheim mussten die Gäste der SpVgg Bayreuth sage und schreibe die siebte Pleite in Folge hinnehmen. Auch im Jahnstadion gab es keine Punkte für die Oberfranken – obwohl diese die weitaus besseren Chancen hatten und dem Sieg eigentlich näher waren. Am Ende aber zeigten sich die Sechziger effektiv – und mühten sich schließlich mit Glück und Geschick zum ersehnten Heimsieg. In vorderster Front allerdings hapert es weiter.

Nach zwei verlorenen Heimspielen in Folge und – inklusive des sensationellen Elfmeter-Erfolgs im Pokal gegen die Würzburger Kickers – drei Partien ohne eigenen Treffer auf heimischem Rasen, wollten die Rosenheimer gegen die Oberfranken natürlich unbedingt dreifach punkten. Zumal die Gäste aus der Altstadt wirklich alles andere als stark und mit breiter Brust daherkamen. Die traditionsreiche SpVgg hatte zuvor sage uns schreibe sechs Partien in Serie verloren – im Jahnstadion drohte also die siebte Pleite am Stück.

Beide Mannschaften unter Zugzwang

Doch auch bei den Sechzigern lag der letzte Sieg bereits etwas mehr als einen Monat zurück. Mitte September wurde die Zweite Mannschaft der SpVgg Fürth II im Heimspiel bezwungen – das klare 4:1 war auch das letzte Mal, das die Rothemden sich wirklich offensivstark zeigten und einem Gegner richtig einschenkten. Wollte man nicht nur alle zwei bis drei Wochen Lob für bestimmte Aspekte des eigenen Spiels bekommen, in der Tabelle aber trotzdem nach unten schauen müssen – dann war da also doch ein gewisser Druck vorhanden.

Service:

Der Beginn der Sechziger sah an sich etwas solider, griffiger und bei bestem Fußballwetter auch gefälliger aus, als das Spiel am vergangenen Dienstag bei der Niederlage gegen die Kleinen Bayern. Doch bereits nach nur fünf Minuten hätte das alles Makulatur und der Matchplan der Hausherren über den Haufen geworfen sein können: Denn nach einem Rückpass vertändelte 1860-Torhüter Mario Stockenreiter den Ball, weil er halb an ihm vorbeilief anstatt ihn zu verarbeiten. Bayreuths Top-Angreifer Ivan Knezevic luchste ihm links im Strafraum den Ball ab – traf aber dann beim Versuch einzuschieben aus acht Metern nur den kurzen Pfosten! Riesenglück für den TSV – das hätte gleich der Blitzschock sein können!

Pfostenglück für 1860 - Rosenheim verliert schnell den Faden

Nach einer Viertelstunde in der man die Hoffnung haben konnte, die Kicker von der Jahnstraße könnten vielleicht ein dominanteres Spiel hinlegen, sich nach und nach entscheiden durchsetzen und den verunsicherten Kontrahenten verdientermaßen in seine Schranken weisen – wurde man vom Gegenteil überzeugt. Der Faden war zu schnell wieder verloren, das eigene Spiel erneut fahrig – es scheint, als fiele es den Amateuren des TSV 1860 zu Zeit angesichts der Dauerstrapazen in der auf Profilevel daherkommenden Vierten Liga durchaus schwer, mental die nötige Frische aufzubringen. Vielfach fehlte der berühmte Funken Feuer, wurden Entscheidungen zu spät getroffen, lief das ganze zu behäbig – und man tat sich von Minute zu Minute schwerer.

1860 Rosenheim - SpVgg Bayreuth

Nach einem langen Ball in den zentralen Sechzehner der Heimelf ließ deren Torwart den Ball erst hoch aufspringen, erwischte dann im Duell mit Bayreuths Patrick Hobsch nicht den optimalen Zeitpunkt hochzuspringen – und hatte mächtig Glück, dass Schiedsrichter Tobias Schultes das Einsteigen des Gästeakteurs abpfiff. Den Stockenreiter kam nicht heran, griff am Ball vorbei – und Hobschs Kopfball aus sechs Metern landete im Tor. Vielleicht eine Kann-Entscheidung, vielleicht richtig entschieden – aber entscheidend ist, dass es zu dieser Situation gar nicht erst hätte kommen dürfen (20.).

Spiel ohne Torchancen - Mannschaften beackern sich im Mittelfeld

Im Anschluss plätscherte das Match im wahrsten Sinne des Wortes dahin. Das Geschehen spielte sich vorwiegend im Mittelfeld ab – Torraumszenen blieben auf beiden Seiten absolute Mangelware. Das lag daran, dass die Gäste natürlich zunächst einmal ihr Augenmerk darauf richteten, auf gar keinen Fall in Rückstand zu geraten – und erst in zweiter Linie versuchten, immer zahnloser agierende Gastgeber zu bedrängen.

Bei den Rosenheimern ging nach vorne rein gar nichts. Die beiden Spitzen Danijel Majdancevic und Korbinian Linner rackerten sich zwar ab, hingen aber größtenteils auch in der Luft, weil so gut wie kein konstruktives Anspiel kam. Der letzte Ball - daran haperte es auch heute wieder. Es war umkämpft – aber alles andere als ein gute Regionalligaspiel.

Vor der Pause lässt Bayreuth beste Chancen liegen!

Die Rosenheimer hatten zwar den ein oder anderen Abschluss – aber zu mehr als Halbchancen oder Versuchen, die weit am Kasten von Gästekeeper Alexander Skowronek vorbeigingen, reichte es nicht. Dafür wurden die Oberfranken noch vor der Pause zweimal richtig gefährlich:

Erst schlug Bayreuths Dominik Schmitt einen Freistoß von der rechten Seite auf den Kopf seines Mitspielers Hobsch – und der verfehlte das Gehäuse der Einheimischen aus zehn Metern nur knapp (40.). Dann leisteten sich die Sechziger noch einen fast fatalen Abwehrschnitzer unmittelbar vor der Pause – und wieder wäre Knezevic fast der Profiteur gewesen. Diesmal traf der auffälligste Offensivspieler an diesem Tag aus vierzehn Metern an den rechten Außenpfosten (45.)! Richtig viel Pech für die SpVgg – letztendlich hätten die Bayreuther gegen harmlose Gastgeber spätestens jetzt endgültig führen müssen.

So ging es mit einem 0:0 und damit einem eher schmeichelhaften Remis für die Hausherren in die Kabinen. Die SpVgg Bayreuth hatte unter dem Strich mehr von einem mittelmäßigen Kick und mehrere dicke Chancen liegen lassen – während Rosenheim enttäuschte. Vor allem in der Vorwärtsbewegung – ein Problem das nachhaltiger zu sein und tiefer zu liegen scheint. Aber auch der ein oder andere leichtfertig begangene Fehler in der Defensive gab Zuschauern und Trainerteam zu denken.

Linner und Majdancevic produzieren aus dem Nichts die Führung!

Auch nach der Pause schien es zunächst so weiterzugehen. Bayreuths Johannes Golla kam links im Sechzehner der Rosenheimer ans Leder - schoss jedoch aus sechs Metern ebenfalls nur ans Außennetz. Erneut konnten sich die Sechziger in dieser Situation des nötigen Fortunes sicher sein. Es war zum Haareraufen aus Sicht der in den letzten Wochen ja ohnehin schon reichlich gebeutelten Gäste.

Doch dann kam urplötzlich der Moment der Rosenheimer – und die Elf von Trainer Tobias Strobl ging eiskalt und effizient in Führung. Fast wie aus dem Nichts – und auch hier nicht ohne Zuhilfenahme des notwendigen Ballglücks. Nach einem die rechte Seite entlang nach vorne gespielten Ball und einem Kopfballeinsatz von Robert Köhler, erreichte das Leder im rechten Strafraum Angreifer Linner. Dessen eigentlich als instinktiver Schussversuch gedachter Querball wurde zur perfekten Vorlage für seinen Sturmkollegen Majdancevic – der den Ball auf Höhe des langen Pfostens aus zwölf Metern satt zum vielumjubelten 1:0 einschoss (50.)!

Bayreuth kann nicht kontern - Krätschmer verballert Elfer

Grundsätzlich ließ eine richtige und vor allem wirkungsvolle Reaktion der Oberfranken auf sich warten. Zwar versuchten sie es unermüdlich weiter und hinterließen dabei keineswegs den Eindruck eines Teams, welches sich frustriert aufgibt – aber so wirklich viel ging auch bei ihnen nicht. Nach einer unübersichtlichen Situation im Strafraum der Rosenheimer brachte Knezevic aus fünf Metern den Ball nicht aufs Tor (60.) - das war es im Wesentlichen. Allgemein konnten die Gäste aus Bayreuth zum Glück für die Sechziger nicht mehr zulegen, schafften es nicht noch ein paar Prozentpunkte draufzupacken.

Dann bekamen die Rosenheimer erneut unverhofft die ganz große Chance ihre Führung zu erhöhen – und damit wohl den Deckel auf diese Partie zu machen: Diesmal leistete sich Altstadt-Keeper Skowronek einen furchtbaren Fauxpas. Nach einem Rückpass wollte er herausspielen und das Spiel der Gäste eröffnen – spielte jedoch kerzengerade exakt in die Füße des vor dem Strafraum postierten, kurz zuvor eingewechselten Bruno Goncalves Ferreira. Der 1860-Youngster schaltete sofort, kam beim Versuch auf dem Weg zu Tor an Skowronek vorbeizugehen zu Fall – und bekam den Strafstoß. Die Verantwortung beim folgenden Elfmeter übernahm Rosenheims Neuzugang Pius Krätschmer – drosch das Leder aber mit viel Schnitt über den Kasten (64.)!

Das hätte es sein können. Die Sechziger hätte hier Ruhe und die drei Zähler quasi in der Tasche haben können – von diesem zweiten Punch hätte sich ein Gegner in der Verfassung der SpVgg nicht mehr erholt. So musste angesichts des Hängen und Würgens, mit dem die Partie weiter auf Messers Schneide stand, weiter gezittert werden bis ganz zum Schluss. Nach 67 Minuten nahm Strobl einen Wechsel vor – brachte in der Spitze Routinier Markus Einsiedler für den abgekämpften Linner.

Glatt Rot für Majdancevic - eine glatte Fehlentscheidung

Für den nächsten Aufreger sorgte dann das Schiedsrichtergespann. Mit einer eklatanten Fehlentscheidung in der 74. Minute: Nach einem aus der Rosenheimer Abwehr geklärten Ball traf Majdancevic einen Bayreutehr Gegenspieler, den er aus seinem Rücken kommend nicht wirklich sehen konnte unglücklich mit dem hohen Fuß am Kopf. Auch der Rosenheimer tat sich dabei weh – beide gingen zu Boden. Das auch ein unabsichtliches Foulspiel ein Foul bleibt – muss man das abpfeifen. Doch Schiedsrichter Schultes zückte nach Rücksprache mit seinem Linienrichter zum Entsetzen des gesamten Jahnstadions glatt Rot! In dieser Szene fahrlässig in Kauf genommenes gefährliches Spiel oder gar Absicht zu unterstellen, war schon abwegig.

Jetzt wurde es noch einmal ganz eng für die wackelnden Sechziger. Vor allem auch, weil sich 1860-Keeper Stockenreiter nur kurz darauf die nächste Unsicherheit leistete. Weil der Rosenheimer Schlussmann einen hohen Ball nicht kontrollieren konnte und ausließ, bekam Bayreuths Darius Held am Fünfer gleich zweimal die Chance einzuschiessen – schaffte es allerdings beide Male nicht, das Leder zum Ausgleich im Netz unterzubringen (77.).

Die Rosenheimer hatten im Bezug auf ihr Torwartspiel einige Male gehörig Glück. Stockenreiter ist ein junger Mann, der noch dazulernen wird und auch schon in einigen Szenen für sein Team die Kohlen aus dem Feuer geholt hat – dass ihm noch Fehler unterlaufen ist normal, aber an diesem Tag hätte das ins Auge gehen können.

Sechziger wackeln sich zum ersehnten Heimerfolg

Für Bayreuth kam danach noch Tobias Ulbricht aus acht Metern nur in leichter Rückenlage zum Kopfball – und deshalb die Kugel nicht auf das Gehäuse (81.). Für die Rosenheimer vergab der eingewechselte Einsiedler, nach dem er nach einem Konter ganz alleine auf SpVgg-Torhüter Skowronek zusteuerte, diesen allerdings nicht überwinden konnte (83.).

Dann war Schluss – und die Rosenheimer hatten den wichtigen Heimdreier irgendwie eingefahren und nachhause gebracht. An diesem durchwachsenen Tag war das alles was zählte. Drei weitere Zähler auf dem Punktekonto der Sechziger bedeuten in der Tabelle den Sprung auf Rang Acht und wieder sechs Punkte Vorsprung auf die Relegationsränge.

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Marc Reinhardt (SpVgg Bayreuth): "Es war heute eine bittere Niederlage, da wir einen sehr hohen Aufwand betrieben haben und heute die bessere Mannschaft waren. Leider konnten wir unsere Torchancen nicht nutzen und sind unglücklich in Rückstand geraten. Danach stand Rosenheim sehr tief und beim Elfmeter hatten wir noch etwas Glück. Aber dennoch müssen wir bereits vorher ein Tor schießen. In den nächsten Spielen brauchen wir ein Erfolgserlebnis."

Tobias Strobl (1860 Rosenheim): "Heute hat nicht die bessere Mannschaft gewonnen. Bayreuth ist sehr selbstbewusst aufgetreten und hat uns alles abverlangt. Wir sind überhaupt nicht ins Spiel gekommen und waren mental etwas müde. Dennoch sind wir sehr glücklich über diese drei Punkte, auch wenn sie heute sicher etwas unverdient waren."

Quelle: rosenheim24.de

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