Majdancevic und Weber treffen im Rosenaustadion

Remis im Chancenfestival - 1860 erkämpft Punkt in Augsburg

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Moment mit Seltenheitswert - Rosenheims Eigengewächs Sebastian Weber trifft mit seinem Premieren-Tor in der Vierten Liga zur 2:1 Führung für die Sechziger.
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Augsburg - Einen hart erkämpften Punkt brachten die Rosenheimer Sechziger vom Viertliga-Nachholspiel beim FC Augsburg II mit nachhause. Die Zuschauer im Augsbuger Rosenaustadion bekamen dabei ein unterhaltsames und richtig interessantes Match geboten. Die Rothemden agierten auch in der Fremde gegen die Bundesliga-Reserve forsch und mutig, lagen durch Majdancevic und Weber zweimal in Führung – mussten gegen Ende der Partie allerdings hochzufrieden sein, dass es noch zu diesem einen Zähler reichte.

Aufgrund der Tabellensituation der beiden Kontrahenten und ihrer Spielstärke versprach es ein interessantes Flutlichtduell zu werden im Rosenaustadion – und das wurde es. Die Anfangsphase war eine recht ausgeglichene Angelegenheit, bei der sich beide Teams auf Augenhöhe begegneten - auch wenn die Sechziger zunächst gefährlicher wirkten. Eine erste Chance aber hatten die Gastgeber: Efkan Bekiroglu kam an den Ball und konnte fast alleine auf das Rosenheimer Tor zusteuern – erst im letzten Moment konnte er an der Strafraumgrenze entscheidend gestört werden und es gab lediglich einen Eckstoß, der nichts einbrachte (11.).

Ausgeglichenes Match - Majdancevic bringt 1860 in Front

Nach 22 Minuten unterlief den Youngstern der Fuggerstädter ein verhängnisvoller Ballverlust: Rosenheims Goalgetter Danijel Majdancevic schnappte sich das Leder, ging energisch zentral in Richtung Strafraum und schnalzte es Augsburgs chancenlosem Keeper Flemming Niemann aus etwa achtzehn Metern Torentfernung herrlich ins rechte Eck! Das war trocken, das war frech – und das saß. 1:0 Führung für die Rosenheimer in der Rosenau.

Doch diese hielt keine zwei Zeigerumdrehungen. Denn so forsch und mutig die Sechziger sich hier immer wieder in Pressingsituationen und auf dem Weg nach vorne präsentierten, so flatterhaft und wacklig agierten sie teilweise hinten. Bei den Augsburgern war es ähnlich. In der Defensive oftmals anfällig und durchaus auszuhebeln, war ihr Offensivspiel geprägt von Spiellaune, Tempo und sehenswerten Ballstafetten. Wenn die Gastgeber ins Laufen kamen, hatten die Rosenheimer erhebliche Schwierigkeiten sie zu bremsen.

Augsburg gleicht im Gegenschlag umgehend aus

So auch im praktisch direkten Gegenschlag. Die U23 des FCA zeigte sich unbeeindruckt, spielte schnell über mehrere Stationen nach vorne – zu schnell für die Rothemden, die mit den Gedanken noch etwas bei ihrem soeben erst erzielten Führungstreffer zu sein schienen. Ohne das die Sechziger es geschafft hätten dazwischenzufunken, kam der Ball zum an diesem Abend überragenden Bekiroglu am linken Strafraumeck. Der bediente mustergültig den rechts im Sechzehner von einer in der Rückwärtsbewegung unsortierten Gästeabwehr völlig frei gelassenen Christopher Lannert – und der musste nur noch zum 1:1 einschieben (24.).

Service:

So schnell sie gekommen war, so schnell war sie also wieder dahin, die Führung für den TSV 1860. Was folgte war ein erstaunlich offener Schlagabtausch. Mit defensiven Mängeln auf beiden Seiten, guten Möglichkeiten für beide Offensivabteilungen – und insgesamt leichten Vorteilen für die sehr spielstarke Heimelf, die gerade in diesem Punkt eine deutlich bessere Performance ablieferte, als in den letzten Aufeinandertreffen beider Teams. Der Angriffswirbel, den die Augsburger teilweise erzeugten, war schon beachtlich.

Offener Schlagabtausch - beide haben Stärken in der Offensive

Trotzdem behaupteten sich die Sechziger immer wieder. Mit Glück, Geschick, der nötigen Ruhe – und vor allem jeder Menge entschlossenem Kampfgeist. Körperlich hauten die Rosenheimer hier alles raus, was sie drin hatten – die kleine Pause schien ihnen in dieser Beziehung gut getan zu haben. Denn es war viel Laufarbeit, welche auf dem großen Feld im Rosenaustadion gegen Gastgeber, die immer wieder rochierten und die Seiten wechselten, zu verrichten war.

FC Augsburg II - 1860 Rosenheim

Nach 28 Minuten war es wieder Majdancevic, der abzog. Wieder zentral, diesmal aus 25 Metern – und wieder wurde es brandgefährlich. Fast wäre dem Stürmer der Innstädter eine Dublette seines ersten Treffers gelungen – doch der Ball strich knapp am rechten Pfosten vorbei. Erneute gute Gelegenheit für die Rosenheimer. Welche direkt im Anschluss mächtig Dusel hatten: Nach einer ganzen Reihe von Verlagerungen und Passkombinationen rund um den Gästestrafraum, gelangte der Ball im Sechzehner zum ebenfalls auffälligen Lannert. Der hatte aus zwölf Metern freies Schussfeld – aber jagte die Kugel über das von Mario Stockenreiter gehütete Gehäuse (30.).

Denz und Maier fehlen - und damit der Zugriff im Zentrum

Das Mittelfeld gehörte jetzt zunehmend den Augsburgern, bei denen Ex-Bayern-Profi Markus Feulner sich als Dreh- und Angelpunkt erwies. So gut wie jede Offensivbemühung der Einheimischen lief über diese Schaltzentrale. Feulner, der mit seiner Aggressivität und auch gegenüber Gegenspielern und Referee durchaus streitbar auftrat, konnte man nicht absprechen, dass er an nahezu jeder Szene, die gefährlich wurde, im Aufbau beteiligt war. Die Sechziger bekamen hier einfach nicht genügend Zugriff, um dies zu unterbinden.

Dies lag natürlich auch daran, dass der Gelb-Rot gesperrte Philipp Maier und der beruflich verhinderte Michael Denz dem Spiel der Roten im Defensiven Mittelfeld schmerzlich fehlten. Die beiden hätten mit ihren Fähigkeiten in der Ballverteilung, als Anspielstationen, als ordnende Hände und vor allem auch mit ihrer zupackenden Art gegen den Ball zu spielen, sicherlich für mehr Kompaktheit und Balance in der Zentrale der Gäste gesorgt. In Vertretung von Denz machte allerdings Sebastian Weber ein sehr ordentliches Spiel – und fiel vor allem durch seinen unermüdlichen Einsatz auf.

Weber macht's mit dem Außenrist - 2:1 für Rosenheim!

Doch nicht nur in dieser Hinsicht konnte Weber auf sich aufmerksam machen – er wagte sich in entscheidenden Momenten auch nach vorne: In der 32. Minute nahm der Rosenheimer einen nach Mayerl-Hereingabe abgewehrten zweiten Ball zentral an der Strafraumgrenze einfach mal mutig mit dem Außenrist – und das Leder zappelte zum 1:2 im Netz der Gastgeber! Webers Schuss war nicht einmal sonderlich fest – nahm aber solch eine raffinierte Flugbahn, dass Niemann im Tor der Schwaben nicht mehr herankam. Ein toller Treffer – und ein wichtiger zum richtigen Zeitpunkt. Erneute Führung für die Rosenheimer - mitten hinein in eine starke Phase der Reinhardt-Elf..

Die Nachwuchstruppe des Bundesligisten zeigte sich davon zwar für einige Minuten doch beeindruckter als vom ersten Gegentreffer – dennoch setzte sich das muntere und unterhaltsame Hin und Her beider Mannschaften fort. Den Rosenheimern gelangen noch einige potentiell gefährliche Torannäherungen gegen die nicht immer stabile Augsburger Defensivabteilung - aber sie verpassten es, diese Situationen auch gewinnbringend auszuspielen. Auf der Gegenseite mussten sie selbst mehrmals schwitzen und bangen, dass einer der Abschlussversuche des FCA den Weg ins Tor finden würde.

Stockenreiters Glanztat rettet 1860 die Halbzeitführung

Quasi mit dem Halbzeitpfiff wäre es fast soweit gewesen: Augsburgs Lannert flankte von links herein und auf Höhe des kurzen Pfostens setzte der Mitten im Sechzehner mit zuviel Raum ausgestattete Artur Mergel zum Fallrückzieher an – doch Stockenreiter war hellwach, zeigte sich von seiner besten Seite und konnte den Ball mit einer Glanzparade gerade noch parieren (45.)!

Nach dem Seitenwechsel kamen beide Mannschaften unverändert zurück – und auch das Spielgeschehen fand nahezu unverändert seine Fortsetzung. Es war ein kurzweiliger Kick hier in der Rosenau. Beide Equipen bekämpften sich nach wie vor mit offenem Visier, zeigten teilweise überraschende Verwundbarkeit in der Defensive – und wollten das Match über Mut und Elan in der Offensive gewinnen, beziehungsweise zunächst das nächste Tor erzielen.

Trotz eigener Chancen - Rosenheimer müssen Tempo Tribut zollen

Bei einem Geschoss von Maximilian Höhensteiger musste Niemann sein ganzes Können aufbieten (57.). Wären die Rosenheimer im ein oder anderen Moment noch effektiver oder zielstrebiger gewesen – sie hätten auch auf 1:3 davonziehen können, auch wenn dies nicht den Spielanteilen entsprochen hätte.

Das Ganze ging so etwa bis zur 65. Minute weiter. Nach etwas mehr als einer Stunde machte sich dann doch die Laufarbeit auf Seiten der Gäste bemerkbar – die Rosenheimer, die zuvor gearbeitet hatten, mussten dem hohen Tempo des wilden Ritts Tribut zollen. Sie wurden jetzt notgedrungen passiver, ihre Vorstöße immer sporadischer – auch wenn ihr Blick und ihre Spielausrichtung erstaunlich nach Vorne orientiert blieben. Da bei den Sechzigern vorne nicht mehr allzu viel herum kam – nahmen logischerweise ihre Nöte in der Defensive erheblich zu.

Augsburger Offensive beeindruckt - allerdings nicht durch Treffsicherheit

Teilweise schwammen die Rosenheimer in der Abwehr gegen immer wütender aufdrehende Augsburger jetzt regelrecht – jedoch gelang es ihnen immer irgendwie oben zu beiben. Immer war doch noch ein Fuß dazwischen, ein Sechziger warf sich mit letzter Kraft in den Ball - oder die FCA-Youngster verballerten beste Chancen. Manchmal war es schon ein Wahnsinn – zählt man alle Chancen, Halbchancen und verpatzten aussichtsreichen Angriffe der Schwaben an diesem Abend zusammen, dürfte man locker auf über zwanzig kommen.

Es war extrem ungewöhnlich, dass die Rosenheimer ihrem Gegenüber derart viele Möglichkeiten gestatteten – aber eben auch ein Nachweis der offensiven Klasse der Augsburger. Allein – diese trafen einfach nicht. Wie in der 67. Minute bei einer der größten Möglichkeiten der Fuggerstädter zum Ausgleich zu kommen: Stockenreiter und einer seiner Abwehrspieler waren sich nicht einig, wer den Ball annehmen sollte, Augsburgs Bekiroglu schaltete am schnellsten und ging dazwischen – doch der kurz zuvor eingewechselte Thomas Stowasser konnte sein Zuspiel zum Glück für die Rosenheimer nicht mehr erreichen.

Verdienter Ausgleich - Stowasser trifft per Kopf

Nur kurz drauf war dann allerdings das Fortune der Gäste aufgebraucht – und der Joker der Gastgeber stach: Die Rosenheimer konnten dem Dauerdruck und den Augsburgern, denen es gelang, die Schlagzahl nochmals zu erhöhen, nicht mehr standhalten. Ein weiteres Mal ging es zu fix für die Sechziger, die Platzherren nutzten eine Lücke auf der linken Außenbahn zu einer herrlich hereingeschnittenen Flanke – und Stowasser donnerte das Leder im zentralen Sechzehner aus vollem Lauf per Kopf in die Maschen (70.)! Der verdiente 2:2 Ausgleich für den FCA.

Die letzte Viertelstunde war für die Rosenheimer dann reiner Überlebenskampf, der nur noch durch gelegentliche Konter über die eingewechselten Korbinian Linner und Leopold Krüger unterbrochen wurde. Es war schon auffällig, dass die Rosenheimer auch in dieser Situation offensiv wechselten – und über die Schnelligkeit ihrer frischen Spitzen den gegen diese Abwehr durchaus möglichen „Lucky Punch“ suchen wollten. Bei den Gegenangriffen sprang zwar nichts mehr Zählbares heraus – zumindest aber sorgten sie wenigstens kurzfristig für Entlastung.

Rosenheim schwimmt - Krätschmer rettet Punktgewinn

Denn vor dem eigenen Tor brannte es teilweise lichterloh. Das Augsburger Publikum konnte es kaum fassen – und auch auf der Bank der Gäste dürfte der Ein oder Andere so manches Mal die Luft angehalten hatten. Was waren das für steinige letzte Minuten. Mehrmals segelte der Ball etwa auf Höhe des Fünfers durch den Strafraum der Sechziger ohne dass er einen Abnehmer fand. Mehrmals kam es zu Situationen, in denen die Augsburger gleich zu vier, fünf im letzten Moment geblockten Schussversuchen innerhalb des Sechzehners kamen – bei denen auch ein Elfmeterpfiff stellenweise nicht fern war.

Den Höhepunkt fand das Ganze schließlich in der 83. Minute: Der FCA drückte aufs Tempo und drängte mit Vehemenz auf den Ausgleichstreffer. Stowasser bekam zentral an der Strafraumgrenze die Schusschance, zog ab – und bei seinem ebenso satten wie exakten Schuss wäre 1860-Torhüter Stockenreiter, der alles andere als einen ruhigen Abend erlebte, geschlagen gewesen. Doch auf der Linie war Rosenheims auch diesmal wieder unerschrocken aufspielender Abwehrspieler Pius Krätschmer zur Stelle – und rettete seinem Team mit dem Kopf den Punkt in Augsburg!

Bis zum Schlusspfiff änderte sich am Resultat nichts mehr – nach einem flotten, unterhaltsamen Regionalligaspiel teilten beide Kontrahenten schließlich die Punkte. So viele Chancen, wie die Augsburger herausgespielt hatten: Da sie nicht in der Lage waren, diese zu verwerten – und gleichzeitig in einem offenen Spiel auch mehrfach hätten K.O. gehen können, letztendlich ein im Wesentlichen leistungsgerechtes Ergebnis. Am Ende glücklich für die Rosenheimer – aber wenn man sich angesehen hatte, wie die Jungs in Rot hier um jeden Zentimeter Rasen gekämpft und das Letzte gegeben hatten und bis zum Ende mutig geblieben waren, eben auch auf keinen Fall unverdient.

Stimmen der Trainer:

Tobias Strobl (1860 Rosenheim):

"Das war ein brutal intensives Spiel über 90 Minuten. Die erste Halbzeit war ausgeglichen, und wir sind glücklich in Führung gegangen. Ab der siebzigsten Minute ist uns die Puste ausgegangen. Daher können wir mit dem Punktgewinn gut leben."

Dominik Reinhardt (FCA II):

"Für die Zuschauer war das heute ein sehr attraktives Spiel mit vielen Chancen auf beiden Seiten. Wir haben unsere vielen Chancen leider nicht nutzen können. Wir sind in der zweiten Halbzeit gut raus gekommen und konnten verdient den Ausgleich erzielen. Meine Mannschaft hat stark gekämpft und sich den Punkt redlich verdient."

Quelle: rosenheim24.de

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