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Kapitän des TSV Buchbach im Gespräch

Petrovic über Jugend-Ausbildung: „Uns fehlen die typischen Straßenfußballer“

„Uns fehlen die typischen Straßenfußballer“, sagt Buchbachs Kapitän und Regionalliga-Rekordspieler Aleksandro Petrovic.
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„Uns fehlen die typischen Straßenfußballer“, sagt Buchbachs Kapitän und Regionalliga-Rekordspieler Aleksandro Petrovic.

„Wo sind die Unterschied-Spieler, die Individualisten, die uns wieder einmal zu einem WM-Titel führen können“, fragt sich Aleksandro Petrovic schon seit geraumer Zeit und sieht derzeit in Deutschland keinen Spielmacher und keine Flügelstürmer auf Weltklasse-Niveau. Die Gründe dafür liegen für den Rekordspieler der Regionalliga Bayern in der allzu standardisierten Ausbildung der Nachwuchsspieler, bei der Typen, die auch mal gegen den Strom schwimmen, durchs Raster fallen.

Buchbach - „Ein Zlatan Ibrahimovic hätte es bei uns doch nicht mal bis zur B-Jugend geschafft“, mutmaßt Petrovic, „deswegen sind uns andere Nationen weit voraus, einen wie Kylian Mbappé, der Spiele im Alleingang entscheidet, haben wir nicht annähernd.“

Petrovic prangert an, dass Talente stomlinienförmig sein müssen

Der Kapitän des TSV Buchbach, der selbst in der Jugend des FC Bayern München ausgebildet wurde, ehe ihn sein Weg über Dynamo Dresden zu den Rot-Weißen führte, glaubt, dass viele Talente aussortiert werden, die charakterlich nicht stromlinienförmig genug sind.

Von scheinbar körperlichen Defiziten wie Größe oder Sprintschnelligkeit ganz schweigen: „Die meisten Nachwuchsspieler können einen Ball aus 100 Meter in ein Loch schießen, beherrschen 17 Systeme, sind am Ball brillant, aber wenn eine Situation auftritt, die in ihrem Schema nicht vorkommt, sind sie überfordert.“ 

„Ich kann das Spiel besser lesen“

Zu viel Schema, zu wenig individuelle Klasse, in der C-Jugend bei Bayern unter Trainer Heiko Vogel ist das noch etwas anders gelaufen. „Bei Heiko war schon auch Disziplin angesagt, aber vorne im letzten Drittel sollten wir immer der Nase nach spielen, uns was zutrauen, auch mal rotzfrech sein. Scheitern inklusive. Wenn man diese individuellen Situationen nicht übt, dann bekommt man da auch keine Routine. Und die größte Qualität, die man sich aneignen kann, ist die Erfahrung. Das kann ich mittlerweile ganz gut beurteilen“, so der 33-Jährige, der feststellt: „Ich kann nicht besser flanken, nicht besser schießen als früher, aber ich kann das Spiel besser lesen. Ich habe die unterschiedlichsten Situationen schon 1.000 Mal erlebt und weiß deswegen eher, wie ich reagieren muss.“

„Es braucht diese Individualisten, die andere mitreißen können“

Wenn man freilich immer nur nach Schema-F agiert, stockt die Entwicklung und so gibt Petrovic auch freimütig zu: „Ich habe nicht immer das gemacht, was der Trainer vorgegeben hat. Auch nicht unter einem Anton Bobenstetter. Es braucht auch Herz, Mut und Spielfreude. Man muss lernen, das Risiko abzuwägen. Natürlich ordne ich mich auch dem System unter, das der Trainer vorgibt. Selbst wenn es mir nicht so entgegen kommt, aber es gibt genug Situationen, da muss man intuitiv entscheiden. Das erfordert die Toleranz der Mitspieler und das Spielverständnis, weil es ja auch nicht immer so aufgeht, wie man sich das gedacht hat. Mir ist schon klar, dass es nicht elf Kreativspieler in einer Mannschaft geben kann, aber es braucht schon diese Individualisten, die andere mitreißen können.“

„Uns fehlen die typischen Straßenfußballer“

Die Fähigkeiten, um Situationen individuell und kreativ zu lösen, werden in der Nachwuchsleistungszentren zu wenig gefördert, findet Petrovic: „Typen haben es schwer. Wenn man nicht angepasst ist, kriegt man schnell eine auf den Deckel. Uns fehlen die typischen Straßenfußballer.“

Petrovic sieht da vor allem die Trainer in der Pflicht und sympathisiert in diesem Punkt mit Mehmet Scholl, der die Generation der Laptop-Trainer schon vor Jahren an den Pranger gestellt und wieder mehr Praxis-Trainer gefordert hat. „Es gibt heute so viele Trainer, die so klug über Fußball reden können und Fachbegriffe kennen, die kein Spieler versteht. Aber viele von diesen Trainern wissen offenbar nicht, dass auf der anderen Seite auch elf Spieler stehen, die es vielleicht ganz anders machen als auf dem Laptop geplant.“

MB

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