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"80.000 Fans, die Hymne - der Wahnsinn"

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Ehrenrunde nach dem WM-Sieg gegen die USA: Patrick Hager (Mitte) mit dem überragenden deutschen Torhüter Dennis Endras.

Rosenheim - Patrick Hager ist derzeit zusammen mit Philipp Grubauer der erfolgreichste Spieler, der in den letzten Jahren aus dem Rosenheimer Eishockeynachwuchs hervorging. Das OVB traf ihn zum Interview!

Patrick Hager ist derzeit zusammen mit Philipp Grubauer der erfolgreichste Spieler, der in den letzten Jahren aus dem Rosenheimer Eishockeynachwuchs hervorging. Der 1,77 Meter große Flügelstürmer begann seine Karriere bei den Starbulls Rosenheim. 2006 unterschrieb der Linksschütze einen Vertrag bei den Krefeld Pinguinen in der Deutschen Eishockey Liga, wo er in 145 DEL-Spielen 36 Tore und 33 Assists schaffte. Für einen 21-Jährigen beachtliche Werte.

Diese Woche war er bei der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft im Sommercamp (Sichtung vom erweiterten Kader) in Füssen. Davor war Patrick Hager kurz zu Besuch in Rosenheim bei seinen Eltern und nahm sich Zeit für ein Interview mit der OVB-Sportredaktion.

Frage: Stichwort Eishockey-WM in Deutschland. Welchen Gedanken haben Sie da im Kopf?
Hager: Das war natürlich für jeden eine Riesensache - schon das Eröffnungsspiel auf Schalke. Ich glaube es hat sich keiner so extrem vorgestellt wie es dann wirklich war. Der Sieg gegen die USA war ein Bilderbuchspiel mit Verlängerung und Videobeweis - ein echter Krimi. Dieses Spiel hat uns den Schub für das ganze Turnier gegeben. Mit solchen Spielen wächst eine Mannschaft zusammen. Danach haben wir an unsere eigene Stärke geglaubt, egal wie der Gegner hieß.
Ihr persönliches Highlight in diesem Turnier? Vor 70.000 zu spielen?
Auch. Aber die Nationalhymne nach dem Sieg gegen die USA war unglaublich. Für Fußballer mag das normal sein, aber für uns Eishockeyspieler war es der Wahnsinn, als rund 80.000 Fans die Nationalhymne sangen. Da ist es mir eiskalt den Rücken runtergelaufen. Ich hab' im Sport noch nichts Schöneres erlebt, als diese Minuten.
Bei den Olympischen Spielen waren Sie nicht dabei, dafür bei der WM. Hatten Sie damit gerechnet in Vancouver dabei zu sein?
Die Chance war mit Sicherheit da auch bei den Olympischen Spielen in Vancouver dabei zu sein. Allerdings hatte ich mir im Februar das Innenband gerissen und war erst nach Olympia wieder fit. Aber an meine Chance hatte ich schon geglaubt. Umso schöner, dass es bei der WM geklappt hat.
Da gab es die Szene gegen die Schweiz, als Ernst Höfner mit einem Schweizer Spieler aneinander geriet. Kann es sein, dass Sie der Auslöser waren, weil Ihnen der Schweizer vor der deutschen Bank einen Crosscheck verpasst hat?
Kann sein. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon einen Mittelhandbruch wie sich später herausstellte und konnte gar nicht raufen. Als vor unserer Spielerbank zwei Schweizer auf einen meiner Mitspieler losgegangen sind, bin ich trotzdem dazwischen gegangen. Dann habe ich plötzlich von der Seite einen Crosscheck bekommen und musste mit blutender Nase in die Kabine. Die ganze Rauferei hätte gar nicht mehr passieren dürfen. Das war von den Schiedsrichtern ganz schwach. Die Teppiche waren bereits ausgerollt und dann wurde noch eine Sekunde gespielt. Da war klar, dass etwas passiert, weil die Schweizer so angefressen waren. Die waren sich so sicher, dass sie das Ding reißen. Außerdem hätten sich die beiden Linesmen sofort an die Banden der jeweiligen Mannschaften stellen müssen. Als 20 Spieler auf dem Eis standen war es zu spät.
Wie ist es zu der Handverletzung gekommen?
Das war unglücklich, vielleicht war ich aber auch selbst schuld. Nach einem Zweikampf an der Bande hatte ich plötzlich gespürt dass etwas nicht stimmt. Ich konnte meinen Schläger nicht mehr halten. Pech für mich, dass ich beim Halbfinale gegen Russland und im Spiel um Platz drei nicht mehr dabei sein konnte. Am Halbfinaltag bin ich bereits in der Früh operiert worden.
Wie lange haben Sie noch einen Vertrag in Krefeld. Gab es auch andere Angebote aus der DEL?
Von anderen Angeboten weiß ich nichts, würde mich aber auch nicht damit befassen, weil ich noch zwei Jahre Vertrag in Krefeld habe und den auch erfüllen werde. Ich fühle mich wohl in Krefeld, habe meine Überzahl- und Unterzahl-Einsätze und kann mich dort weiterentwickeln.
Wie geht es den beiden anderen Rosenheimern in Krefeld Danijel Kovacic und Sinan Akdag?
Eigentlich ganz gut. Kovi hat letzte Saison ein bisschen Pech gehabt weil Scott Langkow sehr gut gehalten hat. Aber wenn er gespielt hat, brachte Kovi starke Leistungen. Er trainiert gut und er ist auch nicht der Typ, der den Kopf in den Sand steckt. Er ist noch jung und es ist in der DEL nicht normal, dass ein so junger Keeper die klare Nummer eins ist. Sinan fuhr mit mir in das Sommercamp und er hat letzte Saison auch gut gespielt. Er wird nächste Saison wieder einen Schritt nach vorne machen. Die Nationalmannschaft ist für ihn sicher auch eine Option.
Ihre Ziele für die nahe Zukunft? Im Verein, in der Nationalmannschaft und persönlich?
Ziel in Krefeld ist, dass wir die Play-off Runde wieder einmal erreichen. Ich glaube, dass wir das Potential dazu haben. Für die nächsten zwei Jahre muss das Ziel sein wieder einmal den Halbfinaleinzug zu schaffen. In der Nationalmannschaft ist es jedes Jahr das gleiche. Ich muss im Verein beständig starke Leistungen bringen und einen guten Eindruck hinterlassen, dann werde ich auch für Deutschland spielen. Natürlich will ich zur nächsten WM in der Slowakei, nachdem ich jetzt zwei Jahre hintereinander dabei war.
Ist die National Hockey League (NHL) auch ein Ziel?
Die NHL ist für jeden Spieler ein Traum, und wenn man die Chance bekommt, dann muss man sie nutzen. Ich werde aber nicht verbissen darum kämpfen und mich selbst anbieten. Entweder will dich ein Club von drüben haben und dir eine Chance geben, weil er überzeugt von dir ist oder eben nicht. Aber selbst anbieten bringt nichts. Dafür gibt es in Kanada und den USA viel zu viele gute Spieler.
Wo liegen ihre Stärken? Wo können Sie sich noch verbessern?
Ich glaube, dass ich ein unangenehmer Spielertyp bin und von meiner körperlichen Spielweise lebe. Auch wenn ich mit 1,77 Metern nicht der Größte bin gehe ich keinem Zweikampf aus dem Weg, versuche immer den direkten Weg zum Tor zu finden, um dort die Abpraller zu bekommen. Da tut es zwar manchmal auch weh, aber hier mache ich meine Tore und bin auch gefährlich. Verbessern kann man sich immer, egal in welcher Hinsicht. Das merkt man vor allem, wenn man gegen die Weltklassespieler aus Russland, USA oder Kanada spielt Die Ruhe vor dem Tor zu bewahren, auch wenn man nicht viel Zeit hat - das ist der Punkt. Ich will deshalb vor allem an meinen Abschluss arbeiten. Ziel ist innerhalb kürzester Zeit einen platzierten und harten Schuss abzufeuern.
Sie haben auch schon gegen den russischen Superstar Alexander Ovechkin gespielt. Was ist er für ein Typ?
In der Defensive hat er nicht viel gemacht. Er spielt seine Position, steht bei seinem Mann, aber wenn er die Scheibe bekommt, dann geht der ab wie eine Rakete. Er hört nicht zu laufen auf, auch wenn er seine Körpertäuschungen macht und die Scheibe führt. Dadurch hat er oft den Schritt voraus, wenn er dich auf dem falschen Fuß erwischt. Von der Art ist Ovechkin eigentlich kein typischer Russe. Klar hat er gute Hände und einen Super-Schuss, aber gleichzeitig spielt er auch knüppelhart.
Rosenheim ist Meister geworden. Verfolgst du das Geschehen bei deinem Ex-Verein

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Ich bin immer dabei. Wenn wir kein Spiel haben schaue ich mir den Live-Ticker bei Rosenheim 24.de an, ansonsten besorge ich mir sofort nach unserem Spiel das Starbulls-Ergebnis. Es spielen ja auch noch viele Freunde in Rosenheim mit denen ich selbst gespielt habe. Zum Beispiel Robin Hanselko, der mich vor kurzem in Krefeld besucht hat. Ich habe auch die beiden Halbfinalspiele gegen Herne gesehen und die Daumen gedrückt.
Was traust du den Starbulls in der 2. Liga zu?
Das erste Jahr in der 2. Liga ist immer schwierig, aber wenn Rosenheim befreit aufspielen kann oder der Gegner sie unterschätzt, dann geht es auch ganz schnell, dass ein Aufsteiger an die Play-off-Plätze hinkratzt. Man hat das schon oft erlebt. Schwierig ist meistens das zweite Jahr. Ich denke der Kader ist gut, Torhüter Maracle ist sicher eine Verstärkung, wenn er sein Leistungsniveau abruft, was er übrigens auch letzte Saison in Köln wieder getan hat. In meiner ersten Saison in Krefeld habe ich gegen ihn gespielt und da war er überragend. Wichtig ist natürlich auch, dass die anderen Ausländer passen.

Interview Hans-Jürgen Ziegler/Oberbayerisches Volksblatt

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