Höwedes als Augenzeuge

DFB-Team nach Unfall im Schockzustand

Benedikt Höwedes
+
Benedikt Höwedes trainiert einen Tag nach dem Autounfall bei einem Sponsorentermin der Nationalmannschaft mit dem Team.

St. Martin - Viele Fragen zu dem folgenschweren Unfall bei einer Sponsorenaktion im DFB-Trainingscamp bleiben. Die Beteiligten sind noch betroffen. Die WM-Vorbereitung aber geht weiter.

Der Unfallschock wirkt noch nach - die Arbeit von Joachim Löw mit seinen Spielern für das große WM-Ziel aber geht weiter. Die Normalität, erst recht die Unbeschwertheit, war im WM-Vorbereitungscamp der Fußball-Nationalmannschaft am Tag nach den tragischen Ereignissen bei einem Sponsorentermin mit einem schwer verletzten deutschen Urlauber noch nicht zurückgekehrt. „Natürlich haben wir uns auch im Kreis der Spieler darüber unterhalten“, berichtete Sami Khedira: „Ich hoffe, dass der Mann schnell gesund wird und aus dem Krankenhaus kommt.“

Augenzeugen Höwedes und Draxler tief betroffen

Vor allen die unmittelbar Beteiligten Benedikt Höwedes und Julian Draxler, die im Unfallauto von DTM-Pilot Pascal Wehrlein und im Mercedes von Formel-1-Star Nico Rosberg gesessen hatten, brauchten noch einigen Zuspruch, wie Oliver Bierhoff am Mittwoch berichtete. „Beide Fahrer waren geschockt, das gilt auch für die beiden Spieler. Sie hatten das Bedürfnis, sich auszutauschen“, sagte der Teammanager bei einer extra anberaumten Pressekonferenz zu dem Unfall auf der schmalen und kurvenreichen Prantach-Straße nach St. Martin.

Dass sich beide Schalker schnell wieder auf dem Fußballplatz dem Alltag gestellt haben, bewertete Bierhoff für die Spieler und das Team als „gut“. Trotz des schlimmen Ereignisses, nach dem viele Fragezeichen bleiben, sieht er „keine Konsequenzen für die Vorbereitung“ bis zum Ende des Aufenthaltes im Passeiertal am Samstag. Allerdings konnte Bierhoff nicht verhindern, dass auch die Menschen in Italien Fragen nach dem Sinn der Fahrten mit den PS-starken Autos in einem Fußball-Trainingslager aufwarfen.

Erstmals 25 Spieler im Training

Man müsse sich trotz aller Tragik weiter auf die Trainingsarbeit und alle sportlichen Maßnahmen konzentrieren, betonte Khedira: „Das ist unsere Aufgabe und Arbeit.“ Mit dem Einstieg des Champions-League-Siegers hatte Löw am achten Tag des Trainingslagers erstmals 25 Spieler auf dem Trainingsrasen. Nur der an der Schulter verletzte Torwart Manuel Neuer fehlte. Der 28 Jahre alte Münchner ist weiter in der Rehabilitation. Seine Kollegen wollen sich aber noch nicht mit dem Plan B, der Roman Weidenfeller heißt, beschäftigen.

„Davon gehen wir einfach nicht aus. Er ist sehr, sehr zuversichtlich, macht einen ruhigen Eindruck. Manuel strahlt unglaublich viel Zuversicht aus“, sagte Khedira. Dagegen hält aus der Ferne Franz Beckenbauer den Münchner Neuer für das gegenwärtig „größte Problem“ im Team: „Der muss sich ja wieder auf die Schalter schmeißen.“

Der genesene Patient Khedira fühlt sich sechs Monate nach seinem Kreuzbandriss und seinem Comeback mit Real „fit“ für die deutsche Titelmission in Brasilien. „Sami wird natürlich noch etwas aufholen müssen, aber bei ihm sehe ich keine Probleme. Er ist gesund auf ordentlichem Niveau“, äußerte Löw im Trainingslager.

„Es sind noch wenige Details, an denen ich arbeiten werde. Es war von Anfang an klar, dass es ein langer Prozess ist. Bis jetzt ist alles perfekt gelaufen in allen Bereichen. Ziel war immer, am 16. Juni im ersten WM-Spiel auf dem Platz zu stehen“, sagte der 44-malige Nationalspieler Khedira.

Das gilt auch für die angeschlagenen Philipp Lahm (Fußverletzung) und Bastian Schweinsteiger (Patellasehne). Kapitän und Vizekapitän trainierten erstmals wieder teilweise mit dem Team. Der 101-malige Nationalspieler Schweinsteiger konnte sogar schon einige Übungen mit dem Ball absolvieren. Lahm bestritt wie der an einer Knieprellung leidende Dortmunder Marcel Schmelzer vor allem Lauftraining.

Diese 32 Teams sind bei der WM dabei

Diese 32 Teams sind bei der WM dabei

Neymar
Die WM 2014 in Brasilien rückt immer näher. Verschaffen Sie sich hier einen Überblick, welche Teams dabei sind:Der Gastgeber Brasilien mit Superstar Neymar ist gesetzt und musste keine Qualifikation spielen. © dpa
Andrea Pirlo
Aus Europa hat sich Italien, der Weltmeister von 2006, qualifiziert. Andrea Pirlo ist der Schlüsselspieler der Südeuropäer. © dpa
Arjen Robben
Die Niederlande verloren 2010 des WM-Endspiel gegen Spanien. Der Vize-Weltmeister mit Bayerns Superstar Arjen Robben hat 2014 die Chance auf Revanche. © AFP
van Buyten
Zum ersten Mal seit 2002 ist Belgien wieder für eine WM-Endrunde qualifiziert. Daniel van Buyten (M.) und seine Team-Kollegen feierten diesen Triumph ausgelassen. © dpa
Ottmar Hitzfeld
Ottmar Hitzfeld führte die Schweiz zum Gruppensieg. Somit fahren die Eidgenossen zum dritten Mal in Folge zu einer WM-Endrunde. © dpa
Lahm
Philipp Lahm wird auch in Brasilien die deutsche Nationalmannschaft als Kapitän aufs Feld führen. © dpa
Edin Dzeko
Zum ersten Mal dabei bei einer WM ist Bosnien-Herzegowina. Einen großen Anteil daran hatte Edin Dzeko von Manchester City, mit zehn Toren in der Qualifikation. © AFP
Fabio Capello
Der italienische Erfolgstrainer Fabio Capello führte Russland zur WM. © AFP
Rooney
Auch die Engländer um Wayne Rooney sind in Brasilien dabei. In einer spannenden Qualifikation setzte man sich am Ende gegen die Ukraine durch und vermied so die Play-Offs. © AFP
Xavi
Weltmeister Spanien gab sich in der Quali keine Blöße. Ob die Iberer um Xavi den Titel verteidigen können? © AFP
Messi
Der aktuell beste Fußballer der Welt wird bei der Endrunde 2014 nicht fehlen. Messi sicherte sich mit Argentinien in der Südamerika-Gruppe ein Ticket für Brasilien. © AFP
Falcao
Kolumbiens Superstar Falcao feiert den Einzug seiner Nationalmannschaft in die WM-Endrunde. © AFP
Arturo Vidal
Der Ex-Leverkusener Arturo Vidal ist mit Chile für die WM qualifiziert. © AFP
Antonio Valencia
Antonio Valencia von Manchester United sicherte sich mit Ecuador das letzte Direkt-Ticket in der Südamerika-Gruppe. © AFP
Son
Südkorea, der Gastgeber von 2002, ist auch dabei. Somit auch Leverkusens Stürmer Heung-Min Son. © dpa
Kagawa
Japans Nationalteam um Shinji Kagawa qualifizierte sich ebenfalls. © AFP
Robbie Kruse
Australien mit Robbie Kruse von Bayer Leverkusen freut sich auf die Endrunde in Brasilien. © dpa
Dejagah
Ashkan Dejagah spielt inzwischen für den FC Fulham. In der WM-Quali konnte er sich mit dem Iran durchsetzen. © AFP
Klinsmann
Mit Deutschland wurde Jürgen Klinsmann 2006 WM-Dritter. In Brasilien beweist sich "Klinsi" mit den USA. © dpa
Bryan Ruiz
In der Nord- und Mittelamerika-Gruppe sicherten sich außerdem Costa Rica um Kapitän Bryan Ruiz und ... © AFP
Honduras
...Honduras die direkten WM-Tickets.Somit sind 21 von 32 Tickets für die WM in Brasilien vergeben. Die verbliebenen Plätze werden in den Play-Offs im November ausgespielt. © AFP
Auch die Super Eagles aus Nigeria sind dabei. Mit einem 2:0-Sieg gegen Äthiopien qualifizierte sich die Mannschaft zum fünften Mal für eine WM-Endrunde. © dpa (Archivbild)
Didier Drogba
Die Elfenbeinküste setzte sich in den Playoffs gegen Äthiopien durch und ist bei der WM am Zuckerhut als zweites afrikanisches Team vertreten. Im Bild: Stürmerstar Didier Drogba. © AFP
Samuel Eto'o
Kamerun mit dem ehemaligen Freiburg-Trainer Volker Finke hat sich inzwischen auch qualifiziert. Trotz einiger Eskapaden von Superstar Samuel Eto'o im Vorfeld, setzte sich die Mannschaft im Playoff-Rückspiel mit 4:1 gegen Tunesien durch (Hinspiel: 0:0) und löste das Ticket zum Zuckerhut. © AFP
Ghana setzte sich im Playoff-Duell gegen Ägypten durch. Kevin-Prince Boateng und Co. schafften damit zum dritten Mal in Serie die WM-Teilnahme. © AFP
Algerien hat sich als  fünfte und letzte afrikanische Mannschaft für die WM in Brasilien qualifiziert. Die  Nordafrikaner setzten sich gegen Burkina Faso durch. © dpa
Griechenland macht seine dritte WM-Teilnahme durch einen Erfolg im Playoff-Duell gegen Rumänen klar. © dpa
Die Kroaten setzen sich gegen Island durch - Bayerns Mario Mandzukic (l.) triff zunächst, fliegt dann aber mit Rot vom Platz. © AFP
Cristiano Ronaldo erzielte im Duell gegen Schweden alle Tore für Portugal - die Iberer fahren nach Brasilien, Schwedens Superstar Zlatan Ibrahimovic wird kommenden Sommer nur Zuschauer sein. © dpa
Mit einem klaren 3:0-Sieg im Rückspiel gegen die Ukraine setzten sich die Franzosen um Franck Ribéry im Kampf um das WM-Ticket durch. © AFP
Mexiko (hier im grünen Trikot Oribe Peralta) ist mit dabei. © AFP
Uruguay mit Luis Suarez sicherte sich das 32. WM-Ticket. © dpa

Bis zum Samstag trainiert die Mannschaft noch in St. Leonhard. Am Sonntag steht dann in Mönchengladbach gegen Kamerun das vorletzte Länderspiel vor der WM an. Für Neuer, Lahm, Schmelzer und wohl auch Schweinsteiger kommt der Leistungstest noch zu früh. Dagegen könnte sich Neuling Erik Durm mit seinem Länderspieldebüt für den endgültigen 23-köpfigen WM-Kader anbieten, den Löw am Tag danach dem Weltverband FIFA melden muss. „Deshalb freue ich mich auf den Sonntag“, sagte der Linksverteidiger, ergänzte aber: „Wie wir da spielen, weiß noch keiner.“

Auch Durm beschäftigt noch der Autounfall vom Dienstag. „Wir sind alle mit den Gedanken bei den Betroffenen und deren Familien“, erklärte der 22-Jährige. Bierhoff war noch am Unfalltag mit den beiden Mercedes-Piloten Wehrlein und Rosberg zu einem Besuch bei den Verletzten in die Krankenhäuser von Bozen und Meran gefahren. Zudem halte man Kontakt zur Frau des schwer verletzten 63 Jahre alten deutschen Urlaubers. „Es war unheimlich wichtig, dass dieser persönliche Kontakt stattgefunden hat“, sagte Bierhoff.

Besonders bestürzt war der 19-jährige Wehrlein. „Der Schock über die tragischen Ereignisse sitzt sehr tief“, schrieb der DTM-Fahrer bei Facebook. Mercedes-Sprecherin Claudia Merzbach bekräftigte, dass bei der Sponsorenaktion „kein Rennen“ stattgefunden habe: „Es ging darum, dass man die Produkte kennenlernt.“ Indes kündigte Bierhoff an, dass der DFB solche Aktionen auf den Prüfstand stellen werde: „Es ist klar, dass solch eine Aktion und ein solcher Unfall in die Bewertung kommen.“

WM 2014: Spielplan als PDF, Termine und Hintergründe

SID/dpa

Kommentare