Bernd Krauss im Abseits - wie einst Heynckes

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Bernd Krauss (l.) im Jahr 2004

Mönchengladbach - Für Österreich spielte Bernd Krauss 1982 bei der Fußball-WM. Nach 168 Bundesliga-Einsätzen wechselte er mit 35 Jahren erfolgreich ins Trainerlager. Dann folgte der Absturz. Mit 56 sucht er eine neue Herausforderung.

Jupp Heynckes weiß wie sein einstiger Schützling Bernd Krauss, was es bedeutet, aus dem Geschäft zu sein. Bevor er zur Trainer-Ikone bei Triple-Gewinner Bayern München wurde, stand „Don Jupp“ zweieinhalb Jahre im Abseits. Vor der Demission 2007 bei Borussia Mönchengladbach schickten ihm Fans Morddrohungen, Fachleute wie Ex-Schalke-Manager Rudi Assauer erklärten, sein Trainer-Stil sei überlebt.

Dann holte Uli Hoeneß ihn im April 2009 für fünf Spiele zum FC Bayern und Heynckes war zurück im Geschäft: Für den heute 68-Jährigen wurde Realität, wovon sein zwölf Jahre jüngerer Ex-Spieler Krauss (56) derzeit träumt. „Ich brenne darauf, wieder einen Trainer-Job zu kriegen, auch bei einem ambitionierten Drittligisten“, betont Krauss, der sich in Zeiten der Arbeitslosigkeit viele Spiele in der Bundesliga und den spanischen und französischen Ligen ansieht („Ich habe ein Haus nahe San Sebastian“), auch fremdsprachlich weitergebildet hat, im SID-Gespräch.

Angefangen hatte das Verhängnis ausgerechnet in seiner Heimatstadt Dortmund, wo Krauss zu Beginn der Spieler-Karriere 1976/77 das Bundesliga-Debüt für die Borussia bestritten hatte, bevor er 167 weitere Erstliga-Partien für Gladbach absolvierte. Von 1983 bis 1987 übrigens unter Heynckes, der ihn von Rapid Wien zurück nach Deutschland geholt hatte.

Als Trainer in Dortmund erlitt er jedoch Schiffbruch. „Das Dortmunder Angebot kam zur falschen Zeit, ich hätte das nie annehmen dürfen, das konnte nur schiefgehen“, sagt Krauss im Blick zurück. 2000 übernahm er den in der Krise streckenden BVB direkt nach der Winterpause.

„Das war zu spät, ich konnte nichts mehr beeinflussen. Hinzu kam eine endlose Serie von Verletzungen“, äußert Krauss, der nach elf Spielen, darunter sieben Niederlagen, entlassen wurde. Ein Erlebnis, das tief sitzt: „Ich habe nie mehr das BVB-Stadion betreten.“

Dabei war Krauss sehr erfolgreich in die Trainer-Karriere gestartet. Vom Assistenten und Interimstrainer wurde er 1991 zum Cheftrainer in Mönchengladbach. In der Bundesliga führte Krauss die „Fohlen“ auf die Plätze fünf (1994/95) und vier (1995/96), holte 1995 den DFB-Pokal und stieß bis ins Viertelfinale des Europapokals der Pokalsieger vor. Stolz ist er auch darauf: „Ich war der erste Gladbacher Trainer, der beim FC Bayern gewann.“

Doch dann blieb der Erfolg aus, Krauss trat zurück. Nächste Station war der spanische Erstligist Real San Sebastian (1997 bis 1999), mit dem er als Meisterschafts-Dritter einen Platz vor dem einstigen Lehrmeister Jupp Heynckes und Real Madrid landete.

Dann kam das Angebot aus Dortmund, und nach dem Rauswurf („Ich musste erst mit mir ins Reine kommen“) heuerte Bernd Krauss ein Jahr später erneut in Spanien an. Mit Real Mallorca schaffte er den Vorstoß in die Champions League, doch in der Meisterschafts gings schief: „Der Kader war zu klein, um drei Wettbewerbe zu bestreiten.“

Dem Abschied folgte die Odyssee durch sieben Länder, darunter Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, zuletzt Tunesien. Krauss: „Sportlich war ich meist erfolgreich, mit den Spielern hatte ich nie Probleme. Aber ich bin mehrfach zurückgetreten, weil die Klubs Trainer, Spieler und Mitarbeiter über Monate nicht bezahlten. Manchmal habe ich da überreagiert, heute hätte ich in mancher Situation mehr Durchhaltevermögen.“

Doch Angebote aus dem deutschen Fußball fehlen. „Fast alle Klubs suchen junge Trainer, weil sie glauben, dass die älteren nicht mehr brennen. Dabei stecke ich noch voller Elan“, sagt Krauss.

sid

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